30
09
2004
Rascheln unter deinem Fuß
Der Geruch fallender Blätter
Schwebt auf den Nebeln der Nacht
Durch stahlblaue Dämmerung
Schreitet ein jedes voran
In der Gewißheit des andern
Taucht es in samtenes Schwarz
"Wachtraum am Abend" vollständig lesen
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29
09
2004
Des trüben nachts, im grauen Flimmern der Kathodenröhren,
vor der Schwärze eines Schachts, im Wiegen virtueller Föhren,
auf deren anthrazitnen Zweigen silbrig schimmernd Regen ätzt,
verharrt er in versunknem Schweigen und wartet, daß der Mond sich setzt.
"Netzwelt" vollständig lesen
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28
09
2004
Und da ist sie, mit ihrem Trost, von dem sie gar nichts weiß. Mit ihrem steten, sanften Flüstern, an dem ich sie erkenne. Mit ihrem Schmerz und ihrem Zorn und ihrer stillen Verzweiflung. Mit ihrem Willen, ihren Sehnsüchten, ihrer übersprudelnden Lebensfreude. Mit ihrer Lust und all der Offenheit, mit der sie die Welt an sich und ihrem Leben teilhaben läßt, als wäre es ein offenes Buch.
"Ecce!" vollständig lesen
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28
09
2004
In wilder Sehnsucht krampft sich mein Herz. Ich will von der Welt, was ich mir selbst nicht gönne. Ihre Worte perlen wie aus einer unerschöpflichen Quelle, stetig, frisch und lebenspendend. Und ich fühle mich leer; wie ein Gefäß mit einem Riß, durch das die Wasser hindurchlaufen, kaum daß sie hineingeflossen sind. Keine Hand, um sie zu halten. Denn sonst müßte ich mich fallenlassen.
"Diem perdidi" vollständig lesen
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27
09
2004
Einen Urlaubstag, genauer gesagt. Solange hat es gedauert, bis wir uns streiten. Seit drei Tagen baute sich bereits Streß auf - Hochstreß - und mußte natürlich über kurz oder lang eskalieren. Gewalt hat viele Gesichter: aufgezwungene Gespräche, wenn dem anderen danach ist, sich der im Hintergrund laufenden Musik zu widmen. Nicht zuzuhören, wenn der andere sein Verhalten und seine Ansichten begründet. Zuzuhören, das Gehörte aber vehement als nichtzutreffend zu leugnen. Sich später darüber zu beklagen, so gar nichts über die Motive und Empfindungen des andern zu wissen. Theatralische Auftritte, obwohl man genau weiß, was der andere davon hält.
Aber das allerschlimmste ist: anzufassen. Zu berühren. Wenn man genau weiß, daß es in genau diesem Moment das allerletzte ist, was der andere will und überhaupt ertragen kann. Das selbst zu artikulieren - und es dann zu tun.
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26
09
2004
Erste Runde einer geisttötenden, auslaugenden Aufgabe. Vorgabe: drei DJ Aluminiumkoffer voller Musik-CDs. Alles Originale, wohlgemerkt. Aber nicht alle wohlgelitten. Ungefähr ein Koffer, ein Drittel also, steht zum Anhören und Aussortieren an. Ungefähr 100 Stunden langweilende Musik. Relikte aus Rezensentenzeiten, Sampler (die Gelber-Punkt-Verpackung der Musikindustrie), Verlegenheitsgeschenke und vermeintliche Schnäppchen. Von denen man sich aber dennoch nicht ohne konzentriertes Hinein- und Hindurchhören trennen will. Schließlich hat man dazu einmal eine Meinung besessen, die sich unterdessen geändert haben könnte. Schließlich hat ein Teil davon einmal einen Wert besessen, ob einen persönlichen oder den eines Sammlers. Ein anderer hat Geld gekostet. Und das bei den heutigen Preisen für derartige Tonträger.
"CD Shredding" vollständig lesen
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25
09
2004
Die nicht weggehen. Eine Erkältung, die sich nicht entscheiden kann, ob sie untergehen oder ausbrechen will. Da mache ich erst einmal eine Pause, heuere auf der
Andrea Doria an und hoffe, daß es da nicht gar so schlimm zugeht wie auf dem
Riverboat. Obwohl... Alle Mann in die Boote! Sacht man im
Norden, zumindest.
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24
09
2004
Apropos Schreiben, und wo wir vorhin von (Welt-)Literatur sprachen, es gibt eine
neue Zeitschrift, die trotz der offensichtlichen Egozentrik ihrer Macher vielleicht einen ausführlicheren Blick wert sein könnte.
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24
09
2004
"Weil seine Zuflüsse rücksichtslos abgezweigt werden, trocknet der Aralsee aus. Wind fegt über von Menschen gemachte Wüste, die mit Gift aus dem Baumwollanbau verseucht ist. Kinder werden krank, Kinder sterben. Die Regierung Usbekistans redet die Katastrophe schön", schreibt Dimitri Ladischensky in
Spiegel Online. Es ist ein schonungsloser Artikel, dem man anmerkt, wie nahe dem Autor die Bilder gingen, derer er ansichtig wurde. Man schmeckt den Staub und spürt die Hoffnungslosigkeit der Lage aus beinahe jedem Satz, die Weite der Wüste und die Ohnmacht der karakalpakischen Bevölkerung gegenüber ihrer Obrigkeit. Manchmal muß einer das Elend beschreiben, damit es sichtbar wird.
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24
09
2004
Abschied von einer großen
Schriftstellerin, die mit ihrem Roman
Bonjour Tristesse weltbekannt wurde. Merci mille fois pour les livres, Françoise.
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23
09
2004
Die heiße
Kompresse auf den schmerzverkrampften Schultern und einen Stapel Taschentücher in Griffweite versuche ich, der laufenden Nase und dem dröhnenden Kopfweh mit heißem Tee ein Schnippchen zu schlagen. Ob sich der Vertreiber dies unter dem
Reich der Sinne vorgestellt hatte, darf bezweifelt werden. Die Kompressen sind aber dennoch eine Offenbarung. Erstens sind sie richtig groß, zweitens auch noch günstig (schon mal versucht, eine vergleichbare Größe im Fachhandel für Sanitätsbedarf zu erstehen?)
"Im Reich der Sinne" vollständig lesen
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23
09
2004
Ein neu-altes Summwort bringt den Kopf von Frau Zypries zum Brummen:
Stalking. Natürlich könnte man statt Denglisch auch einen entsprechendem Begriff aus unserer Sprache verwenden, aber das wäre erstens leichter verständlich und zweitens nicht halb so en vogue. Andere Ministerien schmücken sich schließlich auch mit schwachmatischen Wortkrämpfen wie
Gender Mainstreaming, die im Deutschen komplett unverständlich und von der Begriffsdefinition her praktisch unübersetzbar sind. Macht aber nichts, man verwendet sie trotzdem.¹ Der nichtsahnende, trotzdem halbwegs denkbefähigte Bürger wird sich unweigerlich fragen, ob die dahinterstehende Politik nicht genauso aussieht. Aber das ist natürlich eine völlig andere Geschichte.
"Buzzwords, Baby" vollständig lesen
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22
09
2004
Man muß Scientia bedauern, denn sie hat nicht viel Glück mit ihren Jüngern. Unter anderem in ihrem Namen erreichte der Holocaust schreckliche, grauenhafte Dimensionen, fiel die erste Atombombe, wollte man Laserkanonen ins All schicken und wurden schicke, kleine Sprengroboter zur diskreten Unterstützung einer künftigen "informational Warfare" gebaut. Die holde Göttin scheint von ihrer Gefolgschaft permanent mißverstanden werden zu wollen. Mit den Männern unter ihrer Anhängerschaft aber muß man ein Nachsehen haben. Scientia ist schließlich nicht die einzige
wunderschöne Jungfrau, die den Musenhimmel
beflügelt bevölkert. Und es ist allgemein bekannt, daß Liebe blind macht und Männer nun mal nicht kochen können. Sondern daß sie sich - genetisch bedingt - lediglich auf diverse Formen des
Dosenöffnens verstehen. Oder etwa nicht?
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22
09
2004
1 x 6: Der Regisseur
Russ Meyer ist tot. Den
Schmuddelzusatz zur Berufsbezeichnung darf man für einen Künstler, dessen Werke in der Pariser Cinémathèque und im New Yorker Museum of Modern Art
gezeigt wurden, durchaus weglassen. Hollywood-Regisseure, ob bekannt, berühmt oder sonst irgendetwas, werden in denselben Medien schließlich auch nicht als Massenwarefilmer, Kaugummifürsgehirnkurbler oder Konsumkinoproduzenten verunglimpft. Ob p.c. oder nicht, Meyer-Werke sind ein etabliertes Stück Filmkultur. Und zumindest
Mudhoney sowie
Faster, Pussycat! Kill! Kill! sollte ein jeder Mensch kennen, der sich ernsthaft als Cineast tituliert wissen möchte.
"3 x 6" vollständig lesen
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