Moment

22 05 2005

Atme den Regen, atme das Licht
In dem fallenden Silber ein nasses Gesicht
Den Blick gen Himmel, die Gedanken verlorn
In den Wäldern zu wandern, in die Stille geborn
Die dennoch erfüllt ist von schwebendem Klingen
Vom Rauschen der Wipfel, von traumhaftem Singen
Von huschenden Schatten in den Ästen und Zweigen
Vom Wispern des Winds, von sprechendem Schweigen

[21.05.2005]

Einer von zweien

05 05 2005

In meinem Gedächtnis wohnst du
Mein Leib ist dein Haus
Mir aus den Augen siehst du den Frühling
Noch immer die rote Kastanie.

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Ein Liebeslied

04 05 2005

Komm zu mir in der Nacht - wir schlafen engverschlungen.
Müde bin ich sehr, vom Wachen einsam.
Ein fremder Vogel hat in dunkler Frühe schon gesungen,
Als noch mein Traum mit sich und mir gerungen.

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Mittags

04 05 2005

Mittags, bei
Sekundengeflirr,
im Rundgräberschatten, in meinen
gekammerten Schmerz
- mit dir, Herbeigeschwiegene, lebt ich

zwei Tage in Rom
von Ocker und Rot -
kommst du, ich liege schon da,
hell durch die Türen geglitten, waagrecht-:

es werden die Arme sichtbar, die dich umschlingen, nur sie.
Soviel Geheimnis bot ich noch auf, trotz allem.


[Paul Celan]

Das Grauen

04 05 2005

Ich sah mich durch verlaßne Räume gehn.
Die Sterne tanzten irr auf blauem Grunde,
Und auf den Feldern heulten laut die Hunde,
Und in den Wipfeln wühlte wild der Föhn.

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