Im Traum

18 07 2005

Der rote Mond, der hinter Schleierwolken steht,
beleuchtet einen Pfad in dunklen Gärten;
ein Schatten folgt darauf geheimnisvollen Fährten,
wo sich im Wind ein Purpurschleier dreht.
Ein stummer Schläfer ist darob erwacht,
als silbern Schreie in den Wipfeln zittern,
als alle Hunde in die Lüfte wittern.
Still blühen schwarze Rosen in der Nacht.

Leise hör ich dich rufen

09 07 2005

Leise hör ich dich rufen
in jedem Flüstern und Wehn.
Auf lauter weißen Stufen,
die meine Wünsche sich schufen,
hör ich dein Zu-mir-gehn.

Jetzt weißt du von dem Gefährten,
und daß er dich liebt ... das macht:
es blühen in seinen Gärten
die lang vom Licht gekehrten
Blüten, blühn über Nacht ...


[Rainer Maria Rilke]