Vegetarier und Fleischesser

29 09 2005

Nein, ich bin kein Vegetarier. Ein Veganer schon gar nicht. Während meiner Ausbildung zum Fachkaufmann für den Reformwarenbereich (vulgo: Reformhauskaufmann) habe ich lange vegetarisch gelebt. Ovo-lacto-vegetabil, um präzise zu sein. Eine Zeitlang habe ich mich sogar vegan ernährt. Wie lange diese Phase genau dauerte, das weiß ich heute nicht mehr. Sicher ist, daß ich mich aus Überzeugung mehr als drei Jahre lang nahezu ausschließlich von Reformwarenprodukten ernährt habe. - Nun, ich war jung, idealistisch illusionistisch und unerfahren.

Meiner Ansicht nach sollte man wissen, wovon man spricht, wenn man Kunden berät. Deshalb habe ich Vegetarismus und Veganismus nicht nur eingehend studiert, sondern auch praktiziert. Sehr schnell habe ich, alle moralisch-ethischen Aspekte einmal beiseitegelassen, einige der Kehrseiten dieser Formen der Ernährung entdeckt: Speziell Veganer müssen ihre Nahrung sehr sorgfältig zusammenstellen, um auf Dauer keine Mangelerscheinungen zu riskieren. Aber auch Vegetarier sind gezwungen, über ihre täglichen Zufuhr an essentiellen Nährstoffen gründlicher nachzudenken als Gemischtköstler.

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Die Stille

27 09 2005

Rainer Maria RilkeHörst du Geliebte, ich hebe die Hände -
hörst du: es rauscht...
Welche Gebärde der Einsamen fände
sich nicht von vielen Dingen belauscht?
Hörst du, Geliebte, ich schließe die Lider
und auch das ist Geräusch bis zu dir.
Hörst du, Geliebte, ich hebe sie wieder......
... aber warum bist du nicht hier.
Der Abdruck meiner kleinsten Bewegung
bleibt in der seidenen Stille sichtbar;
unvernichtbar drückt die geringste Erregung
in den gespannten Vorhang der Ferne sich ein.
Auf meinen Atemzügen heben und senken
die Sterne sich.
Zu meinen Lippen kommen die Düfte zur Tränke,
und ich erkenne die Handgelenke
entfernter Engel.
Nur die ich denke: Dich
seh ich nicht.


[Rainer Maria Rilke]

Dû bist mîn, ih bin dîn

25 09 2005

Dû bist mîn, ih bin dîn:
des solt dû gewis sîn.
dû bist beslozzen
in mînem herzen,
verlorn ist daz sluzzelîn:
dû muost och immer darinne sîn.

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Bandenkriege

25 09 2005

Guild Wars"Oh. Verzeiht. Falls ich Eure edle Gilde fälschlicherweise als dahergelaufene Bande tituliert haben sollte, bitte ich untertänigst um Eure Vergebung. Laßt uns doch in der Arena unsere Kräfte messen, auf daß die edelsten Kämpen aus diesen Waffengängen siegreich hervorgehen mögen. Die tapfersten Krieger mögen sich dann auf den Schlachtfeldern eines Krieges beweisen, der noch von den Barden nachfolgender Generationen besungen werden soll.
Oder möchtet Ihr stattdessen lieber einsam durch die Lande streifen? Dann laßt Euch gewarnt sein! Die Wildnis ist ein hochgefährlicher Ort. Verlaßt Euch nie auf Eure Kraft allein. Reist nicht einzeln. Was in diesen Landen zählt, sind Taktik und Geschick. Und das rechte Gespür bei der Wahl Eurer Gefährten."

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Eine Nacht ohne Schlaf

25 09 2005

Eine Nacht ohne Schlaf,
weil er mich flieht ohne den deinen,
ohne dein Atmen an meiner Seite
und dein stilles Lächeln im Traum.

Meine Lider sind schwer,
helle Glocken verkünden den Tag
mit den Sperlingen vor meinem Fenster,
während die Mäuse verstummen.

Auch die Nächte mit dir
sind zunächst schlaflos und unruhig,
wenn sich unsere Stimmen erheben,
voller Verlangen und Sehnsucht.

Du wirst zurückkehren;
der Leidenschaft folgt tiefer Friede:
wir werden sie alle nicht hören,
weder Sperlinge, Mäuse, noch Glocken.

Immer wieder

25 09 2005

Rainer Maria RilkeImmer wieder, ob wir der Liebe Landschaft auch kennen,
und den kleinen Kirchhof mit seinen klagenden Namen
und die furchtbar verschweigende Schlucht, in welcher die andern
enden: immer wieder gehn wir zu zweien hinaus
unter die alten Bäume, lagern uns immer wieder
zwischen die Blumen, gegenüber dem Himmel.


[Rainer Maria Rilke]

Sieben

22 09 2005

Sieben Tage, vergangen wie ein Traum, den man auf dem Rücken liegend auf einer Sommerwiese träumt. Vergangen wie im Flug. Wie eine Geschichte, die erzählt ist und dennoch nicht beendet, auch wenn der Sprecher schon lange damit aufgehört hat, zu reden. Die Worte verselbständigen sich in den Köpfen der Zuhörer. Sie spinnen die Geschichte weiter, verweben sie mit ihren eigenen Einfällen, Verzweigungen und Gedanken, während sie in den blauen Himmel hinaufblicken und die Sonne auf sich herniederbrennen lassen. Die Zeit scheint stillzustehen.

Urplötzlich erinnern kaltfeuchte Stupser und ein kräftiges Zerren am Ärmel daran, daß man nicht allein ist. Daß da ein junges, verspieltes Wesen beharrlich nach Aufmerksamkeit und Beschäftigung verlangt. Die blanken Kastanien auf der Wiese und die frischen Haselnüsse zeigen deutlich an, daß nicht Sommer ist, sondern Spätsommer. Und daß man für jeden dieser Sonnentage dankbar sein sollte, die man ungestört im Freien genießen kann. Denn die morgendliche Frische verkündet bereits den rasch näherrückenden Herbst.

Zwiegespann

21 09 2005


Man kann eine ganze Menge lernen, wenn man mit einer jungen Terrierhündin unterwegs ist. Nicht nur, daß man ständig neue Menschen kennenlernt, weil man von anderen Hundebesitzern, Kindern, deren Eltern und alten Leuten angesprochen wird, man erfährt dabei auch, was in einer Stadt mittlerer Größe alles weggeworfen wird auf der Straße zu finden ist.

Rote, schwarze, gelbe, grüne und orange Beeren sind (entweder aus Hundebesitzer- oder aus Hundeperspektive) ih-bäh, ebenso krümelnde Kekse, Twix, halbe Brötchen, Bockwurst, Knochen, glänzende Nacktschnecken, Tüten mit dubiosen Inhalten, Kuhdung, tote Spitz- und Feldmäuse, zerlaufene Bonbons, alter Kaugummi, Eicheln, sterbende Arbeiterbienen, die auf dem Rücken liegend vor sich hinsurren, sowie Haselnußnester und unidentifizierbare, penetrant stinkende hochinteressant riechende Flüssigkeiten auf dem Asphalt. Frisch gemähtes Gras hingegen ist ok, das läßt sich nicht nur prima fressen (auch wenn sich Kauen und Schlucken dabei als etwas schwierig erweisen), man kann sich auch prima darin herumwälzen und darauf herumjagen. Lange, morsche Äste sind sogar sehr ok, denn die kann man wahlweise entweder zu Feinspänen zerhäckseln, daß die Splitter in alle Himmelsrichtungen davonstieben, oder sie solange hinter sich herschleifen, bis wer am anderen Ende der Leine kräftig fluchend darüber stolpert und letzten Endes ein Machtwort spricht.

Man lernt auch, daß es unendlich ermüdend sein kann, einen Jagdterrier zu ermüden. Es ist mindestens eine Tagesaufgabe.

Mint car

17 09 2005

The Cure: Wild mood swingsThe sun is up
I'm so happy I could scream!
And there's nowhere else in the world I'd rather be
Than here with you
It's perfect
It's all I ever wanted
I almost can't believe that it's for real

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Dein Anblick

16 09 2005

Schandmaul: NarrenkönigHätte ich einen Pinsel, zu zeichnen dein Antlitz
den Glanz deiner Augen, den lieblichen Mund
ich malte die Wimper, die Braue, dein Lächeln
wie ich es erkannte in jener Stund

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Höhen und Tiefen

15 09 2005

(c) FreeFoto.com, Photographer: Ian Britton
New Forest Hampshire, UK
Das Leben versetzt einen immer wieder in Erstaunen, unabhängig davon, wie alt man wird. Zum Beispiel damit, wie nahe Freude und Leid doch beieinander liegen können. Glaubt man gerade, das Schlimmste hinter sich gelassen zu haben, kommt es noch schlimmer - oder hinter der nächsten Biegung des Weges wartet stattdessen eine fröhliche Überraschung. Eben wurde man noch von den einen gemobbt, von den anderen angefeindet, von einer dritten betrogen, von einem vierten Menschen mit Füßen getreten, behandelt wie Dreck, verächtlich weggeworfen wie ein Stück Abfall, sobald man nicht mehr unmittelbar vonnöten war. Eben noch.
Gerade, als man meinte, all das nicht mehr tragen zu können, da tauchen auf einmal alte Bekannte auf, zeigen sich solidarisch, erkundigen sich nach dem eigenen Befinden, ermuntern und ermutigen, da erhält man die Nachricht von der Geburt eines Kindes, beweist jemand seine Überzeugung, seine Anhänglichkeit, seine Treue, seine Liebe... Wie könnte man da den Kopf hängen oder sich gehen lassen?
Eigentlich lebe ich gern.
Und es ist noch immer ein wunderbarer Sommer.

Steal away (the night)

14 09 2005

Ozzy Osbourne: Blizzard of OzzNow I feel the time is right
Love will flow like wine tonight
Give your love and it will come to you
If you feel that you and me
Could escape and hold the key
To a paradise that's true and free

Steal away
Steal away
Steal away the night

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Einstürzende Altbauten

13 09 2005

Ein zusammenbrechendes Regal, auf dem Zeitschriftenordner stehen, pulverisiert auf seinem Weg nach unten so ziemlich alles, was sich ihm in den Weg stellt. Bei einer Fallhöhe von geschätzten zwei Metern bleibt von darunterstehenden Teekannen und -tassen aus Knochenporzellan, von Trockenblumen, Gläsern und Tellern allerhöchstens Feinstaub übrig. Der Teetrinker in mir kam, sich innerlich rechtzeitig zurücklehnend, gerade noch mit dem Schrecken davon. Der Handwerker in mir pulte einen der Stahlträger samt daranhängenden Fliesen- und Mauerbrocken aus den Trümmern und konstatierte nüchtern: "Aber meine Dübel haben gehalten...!" Nur leider das Mauerwerk nicht. Soviel zu den qualitativ hochwertigen Bauten von Anfang des vorigen Jahrhunderts. Beton - es kommt drauf an, was man draus macht.

Augen auf!

13 09 2005

Oomph!: Wahrheit oder PflichtEckstein, Eckstein, alles muß versteckt sein
Eckstein, Eckstein, alles muß versteckt sein

Wieder lieg ich auf der Lauer
denn wir spielen unser Spiel
Wieder wart ich an der Mauer
wieder steh ich kurz vorm Ziel
Und ich höre deinen Atem
und ich rieche deine Angst
Ich kann nicht mehr länger warten
denn ich weiß, was du verlangst

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Noch drei Tage

12 09 2005

Eine Handvoll Stunden, in die Luft geworfen wie welkendes Herbstlaub. Man kann sie wie Blätter beim Herabsinken einzeln zählen, dabei zuschauen, wie sie vergehen. Einige sind dürr und knistern, andere tragen noch die leuchtenden Farben des Altweibersommers. Vergangenheit, Abschied und Versprechen auf hoffnungsvollen Neuanfang zugleich.