Einen durchaus beachtlichen, lokalen Erfolg im Kampf gegen die
weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM) feiert ein Korrespondent mit seinem
Artikel auf der Website der ARD. Anläßlich des Welttags gegen weibliche Genitalverstümmelung am 6. Februar 2006 wird der zugehörige Beitrag heute abend im Weltspiegel gesendet. Auch wenn sich der Text insgesamt sehr positiv gibt, sollte damit nicht aus dem Blickfeld geraten, daß weltweit zwischen
zwei und nach neueren Zahlen mehr als drei Millionen Frauen jährlich Opfer dieser Verstümmelungspraxis werden. Die Aufmachung des Artikels ist geeignet, von dieser Tatsache abzulenken.
Wie wenig allgemein über FGM gesprochen wird, läßt sich daran ablesen, daß im Web praktisch kaum Informationen über diesen angeblichen Welttag zu finden sind. Weder im Veranstaltungskalender der
Vereinten Nationen, der UNESCO oder der DGVN, die alle denselben Kalender der UN zeigen, lassen sich Detail zu diesem Datum finden. Und das, obwohl die Beschneidung von Frauen auch in Deutschland durchaus
ein Thema ist. Es stellen sich unwillkürlich die Fragen, woher die ARD ihr Wissen hat, ob es wirklich korrekt ist und selbstverständlich auch, weshalb nicht einmal die Vereinten Nationen auf ihrer Website über einen Welttag informieren, den sie vorgeblich ausgerufen haben sollen.
Erst wenn man sich weiteren Quellen auf
englisch zuwendet, lassen sich ausführlichere Artikel finden. Grundsätzliches kann natürlich in der deutschen und
englischen Wikipedia nachgeschlagen werden. Dennoch ist das Informationsdefizit im Web irritierend und dürfte sich kaum förderlich auf Aktivitäten gegen die Praxis weiblicher Genitalverstümmelung auswirken. Denn als wirksamstes Mittel dagegen wird auf Aufklärung gesetzt. Wie paßt das zusammen?