Gedankenblasen und Überwachungsbestreben

29 03 2006

"Deutscher Thinktank fordert Kontrolle des Internet" titelt Heise. Und wenn diese Überschrift nicht per se schon lachhafte Realsatire wäre, würde einem das von besagtem deutschen Denkpanzer abgesonderte Geblubber eiskalt den Rücken herunterlaufen. Das schlichte Kommunikationsmedium - in erster Linie ein Werkzeug - wird darin als "Fernuniversität der Gewalt" polemisiert. Eine dieser pauschalisierenden Simplizität folgende Logik kann nur eine generische Implementation möglichst umfassender Überwachungsmechanismen zur Folge haben. Die Forderung, "das Internet dient Terroristen als Bühne - deshalb muß es stärker kontrolliert werden", läßt sich ohne signifikante Abstriche auch auf andere Kommunikationsmittel wie Mobilfunkverkehr, (Pay-)TV, Radio und Printmedien übertragen; in letzter Konsequenz also auch auf Bücher. Daß extrem grausame und schreckliche, aber dennoch bisher bloß vereinzelt aufgetretene Terroranschläge für die mittlerweile schon längst nicht mehr schleichende, sondern galoppierende Installation des gläsernen Bürgers herhalten müssen, macht einen gruseln. Man stellt sich angesichts solcher Absonderungen unwillkürlich die Frage, ob der Staat den Bürger vor Terrorismus oder stattdessen primär vor demagogischem Journalismus schützen sollte. Damit ein sensibler und sachlicher Umgang mit heiklen Thematiken nicht letzten Endes von Panzern plattgewalzt wird, von imaginären oder realen.

Welttag der Poesie

21 03 2006

Der sei heute, berichtet Heise. Und da alle IT-Welt sich darum aufmacht, im Forum holprige Knittelverse bar jeden Maßes und Reimschemas zum besten zu geben, will ich auch nicht zurückstehen. Als Administrator bin ich aber berufsmäßig faul und lasse deshalb die Dichtmaschine für mich sprechen:

Nur eine Huldigung für Squiggle

Squiggle.
Du riliebanes Herzchen du!
Tonk, meine glitzernde Anzahl.
Unter der Welt in endloser Zeit!
Fabert - du mußt es gurglen!
Wimmert!
Du schmelzende Nacht!
Squiggle du.
Beschwipst gewaltig und schön.
Squiggle zwischen Benehmen und Wimmern.
Tonk heute so zermalmt.


Moment, ich muß gerade eben schnell noch ein paar Metaphern justieren. So, besser:

Monukale

frigtat euch Monukale
ja ihr Monukale
frigtat und ertragt - EUCH
so wie Terani!
doch ertragt roktul
zischend mitnichten jedoch wütend
ihr Monukale
bleibt roktul
so zischend
...


Wem das alles zu hochgestochen verschwurbelt ist, der kann ja stattdessen einen Klassiker lesen. Und zum guten Schluß eine an dieser Stelle unvermeidliche Werbepause: Auch ich verradebreche gelegentlich etwas, das ich Dichtung schimpfe. Wer sich die Mühe machen will, der wird auf diesen Seiten ein paar Kostproben davon finden. Wohl bekomm's.

Rainer Braune: Die Krokodilfärberei

20 03 2006

Rainer Braune: Die KrokodilfärbereiWas ist Nacht? Ein dickes Buch, auf schwarzes Papier gedruckt, mit glitzernden Kommas und Punkten.

In nicht ganz neun Stunden und mit lediglich kurzen Unterbrechungen habe ich das heute gelesen. Liebe und Haß, Lust und Leidenschaft, Tod und Auferstehung, Grausamkeit und Güte zeichnet Rainer Braune in flirrenden, überquellenden und bezaubernden Bildern, gießt sie in Worte, breitet märchenhafte Szenen auf dem Papier aus. Eine ganz wunderbare Sprache. Dieses Buch ist Poesie. Lesen.

Meine Wertung:  •••

Oper Leipzig: Der Vogelhändler

19 03 2006

Die Oper Leipzig gibt zur Zeit die wohl bekannteste Operette von Carl Zeller, "Der Vogelhändler", in einer glänzenden Inszenierung von Karl Absenger. Trotz der plötzlichen Erkrankung von Hans-Jörg Bock in der Rolle des Adam war es gelungen, noch am Wochenende Ersatz aufzutreiben und die Aufführung ohne größere Proben stattfinden zu lassen. Es wäre interessant gewesen, zu wissen, wie die ursprüngliche Besetzung geklungen hätte, denn, womöglich durch die Nachricht voreingenommen, fand ich den Ersatz stimmlich nicht ganz überzeugend. Das Gleiche galt ebenso für Beate Gabriel in der Rolle der Briefchristel, so daß ich ausgerechnet die beiden Hauptrollen etwas schwächelnd fand.

Ansonsten aber eine mitreißende Aufführung. Operetten sind eigentlich weniger nach meinem Geschmack, aber hier bieten sich fast drei Stunden Unterhaltung pur. Inszenierung, Choreographie und Bühnenbild gefallen. Besonders beeindruckend Milko Milev als Baron Weps, dem die Spielfreude deutlich anzumerken ist, sowie Laszlo Maleczky als Graf Stanislaus. Danach läßt sich allerdings gleich das gesamte übrige Ensemble nennen. Davon gerne mehr. So muß Theater sein.

Leipziger Buchmesse

18 03 2006

Über die Leipziger Buchmesse ist während der letzten Tage so viel berichtet worden, daß ich mir ausführliche Schilderungen und weitere Details an dieser Stelle schenken möchte. Die Veranstalter zeigten sich nach Medienberichten erfreut über den hohen, diesjährigen Besucherzuwachs. Als einer von diesen konnte ich deren Freude allerdings nicht recht teilen. Es mag sowieso der Wahnsinn schlechthin gewesen sein, die Messe ausgerechnet an einem Samstag besuchen zu wollen. Viel schwerer wiegt aber der Umstand, daß es, im Gegensatz zu Frankfurter Buchmesse, in Leipzig keine ausgewiesenen Fachbesuchertage gibt. So müssen sich letztere zusammen mit dem Strom der regulären Besuchermassen durch die Hallen schieben. Gelegenheit zu Gesprächen ergeben sich dadurch nur unter dem üblichen Messestreß und in zum Teil unerträglicher Unruhe.

Mißfallen hat mir neben der unsinnig, teilweise recht wirr und ungeordnet erscheinenden Aufteilung (Sachbuch und Belletristik jeweils verteilt über zwei separate Hallen?) besonders der LARP-, Anime- und Fantasybereich. Die Messehalle 2 und deren Umfeld waren zeitweise nicht mehr betretbar, weil sich Massen verkleideter Jugendlicher durch die Gänge schoben bzw. in Gruppen darin herumstanden sowie Ein- und Ausgänge blockierten. Die Luft war zum Schneiden dick, die Temperatur lag um etliche Grade über der in den anderen Hallen, und ein Besuch der Stände war über Stunden hinweg vollkommen unmöglich.

Nun habe ich nichts gegen Live-Rollenspieler, ich war selbst einmal einer. Comics, Science-Fiction und Fantasy lese ich nach wie vor. Dennoch hielt ich die Raumaufteilung für deplaziert. Klar, daß die anreisenden, jugendlichen Besucher unter den gegebenen Umständen die Halle und angrenzende Bereiche in Beschlag nahmen und in eine gigantische Rollenspiel- und Festivalarena verwandelten. Das sei ihnen auch gegönnt gewesen, zumal ich mich unter den geradezu inflationär auftauchenden Goths fast noch heimisch fühlte. Die Begegnungen zwischen der elitär herausgeputzten Literaten-Damenwelt und plateaubesohlten, halbnackten Lack-und-Leder-Gothbabes, die ihre flaumbehaarten Jünglinge an Hundehalsketten hinter sich herschleiften, waren außerdem äußerst belustigend zu beobachten. Dennoch bin ich der Ansicht, daß Animes als zum Medium Film gehörend auf einer Buchmesse nichts verloren haben. Unter den gegebenen Umständen der offensichtlichen Attraktivität dieses Bereichs wäre eine Auslagerung in eine separate Veranstaltung zudem überlegenswert gewesen.

Was bleibt, ist ein Eindruck einer Massenveranstaltung. Was sicher auch so beabsichtigt war. Wie eine lärmende, laute Veranstaltung, die unter schlechten akustischen Bedingungen teilweise qualitativ erbärmliche Rezitationen einer andrängenden Menge zu vermitteln sucht, die Besucher zum Lesen animieren soll, wird mir auch weiterhin ein Rätsel bleiben. Zu den unabdingbaren Voraussetzungen des Lesenkönnens zählen an sich innere Konzentration und äußere Stille. Beide dürften zumindest an diesem einen Tag an vielen Stellen Dinge der absoluten Unmöglichkeit gewesen sein. Nach meinem Eindruck war diese Messe nicht einmal zum Kauf von Büchern sonderlich geeignet, da auch zum Aussuchen eine gewisse Ruhe vonnöten ist. So schien mir die Leipziger Buchmesse überwiegend für Autoren, auch angehende, sowie für Verleger und hauptsächlich zur Selbstdarstellung interessant gewesen zu sein. Der sich daraus ergebende Jahrmarkt der Eitelkeiten ist allerdings schon wieder ein ganz eigenes Thema für sich.

Womöglich stelle ich nicht gerade den Phänotyp eines typischen Messebesuchers dar.

Petition für freie Geo-Daten

17 03 2006

Wie das OpenSource- und Linux-Portal Pro-Linux berichtet, hat sich eine gegen die beim Europäischen Rat eingereichte INSPIRE-Direktive zielende Initiative formiert. Grob gesagt sieht INSPIRE vor, daß geographische Daten in Zukunft nicht frei und öffentlich zugänglich, das heißt für jedermann verfügbar, sein sollen. Dies ungeachtet der Tatsache, daß sie mit öffentlichen Mitteln - also mit Steuergeldern - angelegt wurden. Wer schon einmal vergeblich versucht hat, an qualitativ brauchbares und dabei erschwingliches Kartenmaterial für ein OpenSource-Navigationssystem zu gelangen, kennt bereits eine der Beschränkungen, die dem Bürger dadurch auferlegt werden. Aber auch viele andere Szenarien sind denkbar, denn GIS (Geoinformationssysteme) gelangen in immer breiteren Anwendungsbereichen zum Einsatz. Die Petition kann man online unterschreiben.

Theater Bonn: Die Dreigroschenoper

16 03 2006

Von der Arbeit ging es über eine nachfolgende, kleine LAN-Party mit Kollegen direkt ins Schauspielhaus. Das Theater Bonn führt Bertolt Brechts und Kurt Weills Stück "Die Dreigroschenoper" in einer Inszenierung von Thirza Bruncken auf. Mehr möchte man dazu fast nicht schreiben. Im Nachhinein schien diese Reihenfolge falsch gewählt; die LAN-Party wäre als letztes plaziert besser angebracht gewesen. Die heutige Vorstellung war nicht die erste Brecht-Aufführung, die ich sah. Allerdings war sie die bei weitem grottigste.

Nichts gegen das Bemühen, aus den ausgetretenen Pfaden von Klischeeinszenierungen heraus neue Wege zu beschreiten. Auch gegen experimentelles oder provokantes Theater ist absolut nichts einzuwenden. Eine Anti-Brecht-Inszenierung? Glänzender Einfall! Falls diese jedoch gegen andere bestehen soll, sollte sie perfekt durchgestaltet sein und ebenso ausfallen.

Man mag mir mangelndes Kunstverständnis und daraus folgend fehlenden Sachverstand vorwerfen. Ich bin kein Experte, bloß ein einfacher Besucher. Als solcher beobachte ich allerdings, was auf der Bühne geschieht, und uninspiriertes, lustloses Spiel fällt mir dadurch unweigerlich auf. Das Ärgerlichste an dieser Aufführung war, daß die Akteure nicht ihr Bestes gaben. Overacting an unpassenden Stellen. Fehlende Synchronizität dort, wo synchrone Bewegungsführungen gewünscht schienen. Patzer beim Abtreten. Vielleicht war dies alles Absicht, dann verfehlte es aber die augenscheinlich angestrebte Wirkung, durch die Aneinanderreihung grober Versatzstücke zu provozieren. Wie ein Arbeiter, der eine Axt ständig an eine andere Stelle, statt in die gleiche Kerbe schlägt.

Gute Einfälle zeigt das Bühnenbild. Die Absicht, die Handlung aus dem 19. Jahrhundert in die heutige technisch-sterile Welt, in eine den Einzelnen entfremdende und isolierende Zeit zu transportieren, ist vollauf gelungen. Dazu bedient Bruncken sich unter anderem japanischer Klischees Elemente. Die von kalten Neonröhren beleuchteten, kargen Wohneinheiten gleichen übereinandergestapelten Schachteln, die teilweise nicht einmal erlauben, darin zu stehen. Irgendwo ißt ständig jemand Ramen, während die Wände von Mangas überlagert werden. Schauspieler und Schauspielerinnen tragen Kimonos und riesige Sonnenbrillen. Stellenweise wird Japanisch gesprochen. Eine Art Plexiglas-Zelle dient als Verschlag für Solo-Karaokeeinlagen zu Popmusik. Bei alledem wird jedoch leider versäumt, die Brücke zurück zu Brecht zu schlagen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die unnötige Sexualisierung der Aufführung. Auch wenn die brechtsche Handlung im Rotlichtmilieu angesiedelt ist, wirken die aus diesem Umstand gewonnenen Provokationen übermäßig plump und in mehr als einer Situation geradezu peinlich deplaziert. Celia, Peachums Frau, hat in einer der Szenen noch alle Lacher auf ihrer Seite. Wenn sie ihrer Tochter Polly in Sachen Moral die Leviten liest, während sie gleichzeitig mit einem der Bettler rammelt, entbehrt das nicht eines deutlichen, derb-ironischen Humors. Ob ausführlich angedeuteter Cunnilingus von Frau zu Frau, ein Hunde-Rollenspiel zwischen Mackie und und Polly, bei dem sie ihn hinternwackelnd und fiepend lockt oder ihre simulierte anale Penetration mittels japanischer Eßstäbchen als Strafe durch Celia hingegen sinnhaft und zweckdienlich sind, bleibt zumindest fraglich. Im Publikum gab es an diesen Stellen erstarrte Gesichter; gleich mehrere Schülerinnen erröteten. Aus einer Gruppe von drei Schülern nannte einer die Aufführung beim Verlassen des Schauspielhauses "sexistisch" und meinte das ernst.

Musikalisch gefiel die Band, und die gesanglichen Darbietungen wirkten insgesamt recht ordentlich. Besonders beeindruckend: die synchron gesprochenen Textstellen der Bettler. Dennoch bleibt der Eindruck einer unvollkommenen, unrund ablaufenden Inszenierung. Oder, um mit den Worten eines Paares zu reden, das die Vorstellung bereits mitten in der Aufführung verließ: "Tut uns leid, aber das ist uns alles zu albern."

Dresden II

14 03 2006


Aufgenommen: 25.02.2006

Das Wasserschloß, die Fasanerie und der Leuchtturm des barocken Schloß Moritzburg bei Dresden.

Live: Apoptygma Berzerk

13 03 2006

Gerade gesehen erlebt: Apoptygma Berzerk im Bonner Brückenforum. Zwei ausgewählte und wirklich gut zum Hauptact passende Vorgruppen als Aufwärmer sowie drei Zugaben sprechen wohl für sich. Ein Abend, der mit dem Tanzbodenkracher "Non-stop violence" ausklingt, kann überhaupt nicht schlecht enden. Auch wenn der Saal durchaus etwas voller und das Publikum insgesamt etwas weniger unbeweglich und träge hätte sein dürfen (Heee! Wohl noch im Winterschlaf..?! Das nennt sich Electropop! Darauf kann man TANZEN!), zumindest bei den Zugaben kam noch einmal richtig Stimmung auf. Genial.

Dresden

12 03 2006

Dresden
Aufgenommen: 24.02.2006

Die Sache mit dem Quickblog und der Kommentarfunktion von Bildern übe ich nochmal. Bisher kommt nur Murks dabei heraus. Und nein, Flickr ist keine Alternative. Man muß ja nicht jeden Hype mitmachen.

Archaischer Torso Apollos

11 03 2006

Rainer Maria RilkeWir kannten nicht sein unerhörtes Haupt,
darin die Augenäpfel reiften. Aber
sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber,
in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,

sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug
der Brust dich blenden, und im leisen Drehen
der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen
zu jener Mitte, die die Zeugung trug.

Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz
unter der Schultern durchsichtigem Sturz
und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;

und bräche nicht aus allen seinen Rändern
aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,
die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.


[Rainer Maria Rilke]

Oliver Steller: Rilke

11 03 2006

Oliver Steller: RilkeZwischen den Sternen
"Dass am Ende meiner Vorbereitung ein Bühnen-Programm herauskommen sollte, war einerseits angestrebtes Ziel, andererseits schmerzliche Auswahl und Kürzung. Dieses Buch gibt mir und hoffentlich auch Ihnen Gelegenheit, Rilkes Lyrik und die dazu gehörenden Stationen seines Lebensweges zu vertiefen." (Oliver Steller)

Was schreibt man zu einem Buch, das weder eine ausführliche Biographie noch ein reiner Gedichtband sein will, das man aber trotzdem immer wieder aufschlägt, um darin zu blättern? Es ist schnell gelesen; doch dann springt man zwischen den Seiten vor und zurück, liest hier noch einmal und vergleicht dort, um sich wiederholt in eines von Rilkes Gedichten zu vertiefen. In kompakter, leichtverständlicher Form werden darin Einblicke in Rainer Maria Rilkes Lebensweg und seine Laufbahn gegeben, immer wieder aufgelockert und ergänzt von Auszügen aus der jeweiligen Schaffensperiode dieses großen, deutschen Schriftstellers.

Oliver Steller: RilkeAls Ergänzung zur gleichnamigen CD mit Oliver Stellers Bühnenprogramm bietet das Buch viele Gelegenheiten zum Nachschlagen. Auch wenn beide jeweils für sich genommen bereits empfehlenswert sind, mag es sich auch angesichts der verträglichen Preise lohnen, sie miteinander zu kombinieren. Noch sehr viel besser ist es natürlich, dem Vortrag live zu folgen. Termine sind auf Stellers Website zu finden. Am 15. und 16. Mai dieses Jahres tritt der Künstler im Bonner Pantheon auf.

Mir selbst hat unter anderem dieses Buch Rainer Maria Rilke in einer schwierigen Lebensphase nähergebracht, nachdem ich unnötigerweise lange Vorbehalte aus persönlichen Gründen gegenüber dem Dichter und seinem Werk gehegt hatte. Mittlerweile schätze ich ihn ebensosehr wie Trakl oder Benn; und das will gerade in ersterem Fall sehr vieles heißen.

Meine Wertung:  •••

Kommunalpolitiker ließen sich von Rechtsextremen einschüchtern

09 03 2006

Was beinahe unmöglich klingt, wenn man in einem der alten Bundesländer und der ehemaligen Bundeshauptstadt lebt, in diesem Fall also in Nordrhein-Westfalen und Bonn, das wird umso wahrscheinlicher, je weiter man sich in Richtung Osten begibt. Es gibt unbestreitbar sicht- und spürbare Unterschiede zwischen hier und dort. Zwar kann ich lediglich für Sachsen sprechen, doch lassen sich manche Eindrücke mit gewissen Abstrichen sicherlich noch auf die angrenzenden Regionen übertragen. Die Mentalitäten unterscheiden sich nach wie vor zwischen den alten und den neuen Bundesländern. Die Mode. Die Art und Weise, mit Ereignissen und Gegebenheiten umzugehen - oder eben auch nicht. Die Vergangenheit steckt noch in vielen Köpfen. All das verwundert aufgrund der unterschiedlichen Geschichte der beiden Republiken in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts kaum. Das Zusammenwachsen dauert. Aber es wird geschehen.

Es war vor kurzem in Dresden, als mir in einem Supermarkt ein wandgroßes Plakat ins Auge fiel, das massiv mit der Anzahl der dort geführten regionalen Artikel warb. An den Regalen waren alle diese Produkte mit Hinweisschildern deutlich gekennzeichnet. Blickfänger wie Aufdrucke "aus Sachsen" waren häufig und Markennamen wie "Sachsenstolz" immerhin noch in einigen Warengruppen zu finden. Nachdem mir dies bewußt geworden war, bemerkte ich ähnliches in einem Baumarkt und später ebenfalls in Leipzig, wenn auch dort etwas weniger präsent.

Ich erinnere mich an zwei unmittelbare Empfindungen. Die erste war ein wenig Neid auf die scheinbare Selbstverständlichkeit, mit der der offene Bezug zur Region und dem lokalen Umfeld gepflegt wird. Ein Satz wie "ich bin Sachse und stolz darauf" dürfte in Leipzig wenig Verwunderung hervorrufen, während die gleiche, auf Nordrhein-Westfalen bezogene Äußerung in Bonn vermutlich zumindest einiges Stirnrunzeln zur Folge hätte. Und das nicht allein wegen des zusammengesetzen Ländernamens.

Manche Menschen verleugnen aus Angst, sich damit selbst in die "rechte" Ecke zu rücken, einen regionalen Bezug und ihre Heimatverbundenheit oder vermeiden es zumindest, beides allzu lautstark und deutlich zu artikulieren. Allenfalls findet das, bisweilen reichlich verkrampft, unter dem Stichwort "Brauchtumspflege" statt. Auf der nationalen Ebene ist es noch schlimmer. Wie soll eine Kampagne wie "Du bist Deutschland" eine positive Einstellung gegenüber unserem Land erzeugen, wenn einen gleichzeitig der Satz "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein" automatisch zum Rechtsextremen stempelt? Wie anders gehen Briten oder Amerikaner mit ihrem Nationalgefühl um! Darf man nicht auf sein Land stolz sein und dies auch äußern? Darf man das Wort "Heimat" nur benutzen, wenn man sich anschließend den Mund mit Seife auswäscht? Man verzeihe mir den laienhaften, unbeholfenen Umgang mit diesem Thema. Aber es geht alle etwas an. Jeder ist betroffen, davon gibt es keine Ausnahme. Deshalb ist Schweigen keine Lösung. Sich bei der Erwähnung des Wortes Nationalstolz reflexhaft zu ducken, prompt eine schuldbewußte Miene aufzusetzen und das Büßerhemd aus dem Schrank zu ziehen, ist es allerdings auch nicht. Es muß einen Kompromiß geben dürfen zwischen dem rechtsextremistischen Mißbrauch dieses Begriffs, seiner Befleckung durch die Rechten, und dem linksextremistischen Dogma, daß alles, was den Vorsatz "national" trägt, zwangsläufig rechtsextrem und damit des Teufels sei. Möglicherweise liegt ein gangbarer Mittelweg in dem Bemühen, Worte wie diese reinzuwaschen und ihnen eine neue, achtbare Bedeutung zu verleihen. Damit man einerseits wirklich wieder stolz auf sein Land sein kann und dies andererseits auch artikulieren darf, ohne dabei befürchten zu müssen, von seinem Nachbarn scheel angeblickt zu werden.

Die zweite, in diesem Zusammenhang marginale Empfindung war, daß eine bevorzugte Berücksichtigung regionaler Hersteller und Anbieter selbstverständlich auch ökonomisch großen Sinn ergibt. Die Produktionswege sind kürzer. Ebenfalls der Weg zum Verbraucher. Beides kommt damit Wirtschaft und Umwelt zugute. In Karlsruhe nahm ich einmal ein Paket Frischmilch aus der Kühltheke, daß aus dem Milchwerken des Ortes stammte, in dem ich zur Schule gegangen bin - gute 400 Kilometer entfernt! Anders ausgedrückt, muß ein in Freising hergestellter Joghurt wirklich in Kiel erhältlich sein, oder genügt dort nicht auch ein lokales Äquivalent? Hier ist natürlich ebenfalls der Verbraucher gefragt, der deshalb Produkten aus seiner Region den Vorzug geben sollte.
Die Kennzeichnungen regionaler Waren in den Märkten ist mir also positiv aufgefallen. Ich halte dieses Beispiel für gut und nachahmenswert.

Es gibt aber auch eine Kehrseite der Medaille. Sie äußert sich unter anderem in betrunkenen, pöbelnden Skinheads auf dem Leipziger Hauptbahnhof. Die grölend Bierkästen durch die Gegend treten und sich aggressiv gebärden, ohne daß sie irgendjemand zur Ordnung ruft, geschweige denn, ihnen Einhalt gebietet. Die anwesenden Bahnhofsangestellten sahen dem Treiben schulterzuckend bis ängstlich zu. Auch wenn ein Nichteingreifen vermutlich eine weitere Eskalation verhinderte, fragt es sich dennoch, ob das die richtige Vorgehensweise war. Die angespannte Atmosphäre vermittelte jedenfalls nicht den Eindruck, daß die Situation unter Kontrolle sei. Sie trug den Geruch der Angst.

Ähnliches erlebte ich in einer Regionalbahn auf dem Weg nach Halle. Dort war es eine Gruppe Punks, die den Zug ganz offen aus dem Ghettoblaster beschallte. Es war Musik, die auf dem Index stand oder zumindest daraufgehörte, die rechtsextremen Texte der Stücke ließen daran keinerlei Zweifel. Auch hier schritt niemand ein, auch ich nicht. Bis auf die ohrenbetäubende Lautstärke verhielt sich die Gruppe jedoch friedlich. Das Zugpersonal setzte sich erst näher mit ihnen auseinander, als zwei von ihnen bei der Kontrolle keine Fahrkarte vorweisen konnten. Es blieb bei einem diesbezüglichen, kurzen und heftig geführten Wortwechsel. Zur Art der Musik und ihrer Lautstärke sagte niemand etwas. (Mir im Übrigen bewußt, daß die Bezeichnung als Punks irreführend ist. Sie bezieht sich auf Stil und Kleidung, nicht auf die politische Einstellung.)

Ein drittes Erlebnis bestand in einem mehr oder minder als Monolog geführten Vortrag eines durchschnittlich gekleideten Mannes mittleren Alters auf einer nächtlichen Busfahrt durch Leipzig. Er war gegen vier Uhr morgens in Begleitung einer etwa gleichaltrigen Frau an einer der Haltestellen zugestiegen und redete eine Dreiviertelstunde lang auf sie ein, kaum daß beide einen Sitzplatz gefunden hatten. Von Stammtischparolen gegen Politiker bis hin zur Forderung der Ausweisung von Ausländern wurde unwidersprochen durchgehechelt, was man sich an dumpfbraunem Gedankengut nur vorstellen mag. Der Bus war im Übrigen gut besetzt, und der Mann vollkommen nüchtern. Niemand sagte ein Wort. Niemand mischte sich ein. Auch ich nicht.

Wenn man die allen drei geschilderten Szenen zugrundeliegende Atmosphäre einmal gespürt hat, verwundert eine Nachricht mit dem Titel "NPD verhindert Wecker-Konzert" kaum noch. Was in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn mit ihrer auch in antifaschistischer Hinsicht recht bewegten Vergangenheit geradezu absurd und unmöglich erscheint, klingt gut 450 Kilometer weiter östlich beinahe, fast schon logisch und konsequent. Um es mit einem saloppen Spruch zu belegen: "Houston, wir haben ein Problem." Das Problem, wie man die - regional massiv auftretenden - Auswüchse eines rechten Extremismus eindämmt, ohne dabei gefährlichen Minderheiten zu medienwirksamer Aufmerksamkeit und womöglich gesteigerter Popularität zu verhelfen, die ihnen weiteren Rückhalt verschaffen könnte.

Zweifelhaft sind in diesem Zusammenhang ebenfalls Einfluß und Rolle linksextremistischer Organisationen wie der Antifa, weshalb ich persönlich Weckers Zusammenarbeit mit deren örtlichen Gruppen für mehr als fragwürdig halte. Letzlich erwies er sich selbst und der eigenen Sache damit einen Bärendienst. Ohne das rote Tuch mit diesem Namen zu schwingen, wären seine Auftritte möglicherweise der unmittelbaren Aufmerksamkeit der rechten Szene entgangen. Die angestrebte Zielgruppe läßt sich dennoch und auch auf andere Weise erreichen. Das heißt, ohne sich in das Umfeld von Konterextremisten zu begeben und damit quasi den Teufel mit Beelzebub auszutreiben zu suchen.

Wie geht man angesichts solcher Vorfälle selbst am besten mit dem Thema um? Das ist eine Frage, die ich mir schon seit einiger Zeit stelle. Wegsehen ist keine Lösung. Sich in der konkreten Situation als Einzelner in einer Atmosphäre der Einschüchterung in den offenen Konflikt mit einer zahlenmäßig überlegenen Gruppe zu begeben, wäre blanker Leichtsinn. Mit mangelnder Zivilcourage hat das nichts zu tun. Die Auseinandersetzung mit extremistischen Auswüchsen - gleich welcher Art - muß demnach auf einer anderen Ebene stattfinden. Sie darf jedoch weder in Vergessenheit geraten noch das persönliche Umfeld ausklammern. Hier ist jeder einzelne von uns gefragt. Damit Einzelfälle wie die nicht genehmigten bzw. abgesagten Konzerte von Hoyerswerda und Halberstadt keine Schule machen.

08 03 2006

Dein Duft schwebt noch im Raum, wie ein Verblassen,
ein Schimmerschwinden, wie ein letzter Atemzug
beim hingeseufzten Abschiedskuß vor dem Verlassen.

Es ist, als sei kein Abend lang genug,
daß er den späten Sonnenstrahl anhielte,
der deine Silhouette auf die Wände übertrug.

Die schmale Hand, die mit der Strähne spielte,
danach in meiner. Wie eine Versicherung.
Um eines Bundes willen, daß er ewig hielte,

gemeinsam alt zu werden, doch im Geiste jung.
Oh, wenn ich nur die Welt mit deinen Augen sähe!
In meinen spiegelt sich dein Bild: Erinnerung.

Mit jedem Herzschlag spür ich deine Nähe.

Underworld: Evolution

08 03 2006

Underworld: EvolutionPünktlich zum Kinostart am 2. März - und freundlicherweise im Kino meiner Wahl sogar zu den günstigen Eintrittspreisen des Kinotags - habe ich mir den Nachfolger des Vampir- und Werwolf-Streifens Underworld angesehen. Den ersten Teil habe ich hier noch nicht bewertet, würde ihm aber, ohne ins Detail zu gehen, eine ••• verpassen müssen (siehe Legende). Da ich den Director's Cut auf DVD besitze und den Film jeweils auf Englisch und Deutsch bereits an die fünf Male gesehen habe, könnte ich dafür kaum noch eine geringere Wertung abgeben.

Der Nachfolger ist ganz nett gemacht und unterhält, was für ein Sequel bereits viel gesagt ist. Da ich in Erwartung einer "Teil-II-typischen" Enttäuschung ins Kino gegangen bin, waren meine Ansprüche aber dementsprechend niedrig angesetzt.
Im positiven Sinne ist "Underworld: Evolution" ein brauchbarer Actionfilm, wobei die langgezogenen Schießereien allerdings gegen Ende ermüden und beginnen, zu nerven. Es gibt überflüssige Szenen - besonders die Sexszene ist hier als Griff ins Klo zu nennen - sowie etliche anderweitige Längen, und die Kamera setzt Kate Beckinsale nur allzugern in vielerlei Nahaufnahmen ins Bild. Der Film ruht sich auf der Ausstrahlung seiner Protagonisten aus, die Dramaturgie bleibt dabei jedoch zwangsläufig auf der Strecke. Mehrere Rückblenden auf den Teil eins sowie langgezogene Monologe aus dem Off erhöhen ebenfalls nicht gerade die Spannung, und die Handlung fällt insgesamt, wie schon zu erwarten gewesen war, recht dürftig aus.
Was bleibt, sind düstere, wieder sehr detailreiche Szenen, in denen es sich lohnt, den Blick auch abseits der Handlungsszentren schweifen zu lassen. Für Anhänger von Vampir-, Werwolf- oder Horrorfilmen ist "Unterworld: Evolution" zum Mindesten sehenswert, aber auch Action-Fans dürften hierbei auf ihre Kosten kommen.

Meine Wertung:  ••

Am Rande bemerkt zwingt die Original-Website zum Film von Sony Pictures ihren Besuchern Popups und Autoinstallationsversuche von Plugins auf, deshalb wird sie konsequenterweise nicht verlinkt.

Zuletzt noch ein Wort in eigener Sache: Für Hinweise auf Hersteller, Schneider oder Anbieter von Lack-, PVC- bzw. Latex-Outfits im Stil derer, die Kate Beckinsale im Film trägt, wäre ich dankbar. Stangenware kommt jedoch auf gar keinen Fall infrage. Etwaige Infos bitte ausschließlich per Mail an sil53r[at]schindelka.de. Vielen Dank.