Welttag der Poesie

21 03 2006

Der sei heute, berichtet Heise. Und da alle IT-Welt sich darum aufmacht, im Forum holprige Knittelverse bar jeden Maßes und Reimschemas zum besten zu geben, will ich auch nicht zurückstehen. Als Administrator bin ich aber berufsmäßig faul und lasse deshalb die Dichtmaschine für mich sprechen:

Nur eine Huldigung für Squiggle

Squiggle.
Du riliebanes Herzchen du!
Tonk, meine glitzernde Anzahl.
Unter der Welt in endloser Zeit!
Fabert - du mußt es gurglen!
Wimmert!
Du schmelzende Nacht!
Squiggle du.
Beschwipst gewaltig und schön.
Squiggle zwischen Benehmen und Wimmern.
Tonk heute so zermalmt.


Moment, ich muß gerade eben schnell noch ein paar Metaphern justieren. So, besser:

Monukale

frigtat euch Monukale
ja ihr Monukale
frigtat und ertragt - EUCH
so wie Terani!
doch ertragt roktul
zischend mitnichten jedoch wütend
ihr Monukale
bleibt roktul
so zischend
...


Wem das alles zu hochgestochen verschwurbelt ist, der kann ja stattdessen einen Klassiker lesen. Und zum guten Schluß eine an dieser Stelle unvermeidliche Werbepause: Auch ich verradebreche gelegentlich etwas, das ich Dichtung schimpfe. Wer sich die Mühe machen will, der wird auf diesen Seiten ein paar Kostproben davon finden. Wohl bekomm's.

Archaischer Torso Apollos

11 03 2006

Rainer Maria RilkeWir kannten nicht sein unerhörtes Haupt,
darin die Augenäpfel reiften. Aber
sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber,
in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,

sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug
der Brust dich blenden, und im leisen Drehen
der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen
zu jener Mitte, die die Zeugung trug.

Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz
unter der Schultern durchsichtigem Sturz
und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;

und bräche nicht aus allen seinen Rändern
aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,
die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.


[Rainer Maria Rilke]

08 03 2006

Dein Duft schwebt noch im Raum, wie ein Verblassen,
ein Schimmerschwinden, wie ein letzter Atemzug
beim hingeseufzten Abschiedskuß vor dem Verlassen.

Es ist, als sei kein Abend lang genug,
daß er den späten Sonnenstrahl anhielte,
der deine Silhouette auf die Wände übertrug.

Die schmale Hand, die mit der Strähne spielte,
danach in meiner. Wie eine Versicherung.
Um eines Bundes willen, daß er ewig hielte,

gemeinsam alt zu werden, doch im Geiste jung.
Oh, wenn ich nur die Welt mit deinen Augen sähe!
In meinen spiegelt sich dein Bild: Erinnerung.

Mit jedem Herzschlag spür ich deine Nähe.