Ausgeschwärmt

07 03 2006

Frank Schätzing: Der SchwarmAls ich im Januar begann, den Bestseller "Der Schwarm" von Frank Schätzing zu lesen, war ich von den ersten zwei Dutzend Seiten gefesselt. So sehr, daß ich mich voreilig dazu hinreißen ließ, das Buch lesenswert zu nennen. An seinem Ende angelangt, muß ich diese Aussage allerdings widerrufen.

So vielversprechend der Anfang, so enttäuschend sein Schluß. Bereits im Mittelteil des umfangreichen und sich in überflüssigen Details und Nebensträngen verlierenden Romans bricht der Spannungsbogen stark ein und verflacht im weiteren Verlauf zu einem reinen Action-Drehbuchszenario auf dem Niveau von Hollywood-Dutzendware. Etliche der zu Beginn sehr deutlich herausgearbeiteten Charaktere sterben schon bald. Vor der Kulisse eines der vielen Katastrophenschauplätze zu bloßen Statisten degradiert, stellen sie damit den Umfang und Aufwand infrage, mit dem sie eingeführt wurden. Die Übriggebliebenen staksen hölzern und emotionslos durch ein seitenlang aufrechterhaltendes Weltuntergangsszenario, das bereits nach kurzer Zeit durch seine Vorhersehbarkeit langweilt. Der Protagonist nimmt den Tod der Freundin und uneingestandenen Liebe mit einer dumpfen Nebensächlichkeit auf, die selbst für einen durch seine Aufgaben stark in Anspruch genommenen und von den Ereignissen gefesselten Wissenschaftler reichlich unglaubwürdig erscheint. Militärangehörige werden wechselweise als materialverliebte Bummbumm- und skrupellose Überwachungsfanatiker oder als vollkommen Wahnsinnige porträtiert. Auch in anderen Bereichen bedient der Autor nach Leibeskräften plakative und bis hin zur Plattheit übersteigerte Klischees.

Nicht zuletzt verliert sich das Ende in absurder Phantastik. Zum Schluß driftet dieser Ökothriller und Endzeitroman unübersehbar in die Science-Fiction-Ecke ab und verspielt damit den letzten Rest an Glaubwürdigkeit. So fesselnd der Einstieg und so spannend die ersten 100 Seiten, etwa nach Seite 450 (die Taschenbuchausgabe ist 987 Seiten stark) gerät die Lektüre zur Anstrengung. Bezeichnend finde ich daher auch, daß die von mir markierten Zitate allesamt aus der ersten Hälfte des Buches stammen. Ob ich es noch einmal lesen werde, kann ich noch nicht vorhersagen.

Eines bewirkt der Roman immerhin: man betrachtet Meldungen wie "Riesenquallen lassen Fischer verzweifeln" oder "Wal in der Themse" plötzlich mit etwas anderen Augen. Es ist Schätzings Verdienst, auf seine Weise die Aufmerksamkeit auf die Ozeane zu lenken, aus denen das Leben stammt und von denen der Mensch stärker abhängt, als einigen seiner Leserinnen und Leser vor der Lektüre des Romans bewußt gewesen sein dürfte.

Meine Wertung:  •