Flanke, Tor, Rollatooooor!

24 05 2006

Die Spaßvögel vom Reha-Team Gohl in Bonn müssen vor dem Entwurf ihrer jüngsten Plakataktion einen nicht gerade anorexischen Clown gefrühstückt haben. Entweder, sie bewerben anläßlich der WM allen Ernstes den massiven Einsatz der Blutgrätsche oder sie kennen meine morgendlichen Stoßseufzer bei der Geriatriker-Rallye vor der Kasse des lokalen Lieblings-Lebensmittelladens. Als Fußballer würde ich mir angesichts der wandgroßen Plakate jedenfalls so meine Gedanken machen und den beschleunigten Abschluß zusätzlicher Versicherungen in Erwägung ziehen. Zumindest aber eröffnet dies ganz neue Perspektiven auf die Fußballhymnen der Saison:

"Schiri, wir wissen wo dein Rollstuhl steht!"
"Die Pille muß ins Tor und ihr in den Rollator!"

und dergleichen Skandal Skandin Hymnen mehr.

[Update: Titel mit Plakataufschrift in Einklang gebracht und den Namen des Sanitätshauses(?) eingefügt. Dessen "kreative" Orthographie, mithin die Absenzen von Großschreibung am Wortbeginn sowie Bindestrichen zwischen zusammengesetzten Worten zu übernehmen, weigere ich mich hingegen standhaft.]

[Update: Es handelt sich offenbar um eine überregionale Werbeaktion. Dadurch wird sie allerdings nicht sinnvoller, sondern merkbefreiter. Bei Meiers in Frankfurt gibt es ein Foto, und die Paderborner Fachschaft amüsiert mit einem offenen Forum ohne Uni- oder Ortskennzeichnung.]

SENSELESS GEBOLLAH!

21 05 2006

Auf dem Nachhauseweg von irgendwo tuckern KiEw und, alter Schwede!, der Däne Claus Larsen in der Inkarnation des Projekts Leæther Strip unter meiner Schädeldecke. Die Straßenlaternen werfen trübgelbe Lichtkegel auf den regennassen Asphalt, die Luft kühlt sich zunehmend ab, und in der Ferne kündigt sich in den Schatten über den Baumwipfeln bereits das nächste Gewitter an. Vor dem blaugrau wirbelnden Hintergrund schimmern die Blütenstände der Kastanien durch die Blätter, helle Tupfen im Gleichmaß des Grüns.

Heimkommend finde ich ein flaches Päckchen im Briefkasten. Bereits erwartet zwar, doch ohne jegliche Vorstellung vom Inhalt, fällt meine Überraschung umso größer aus, als mir beim Öffnen eine schlichte, aber angemessen gestaltete DVD-Hülle entgegenfällt. Nein, diese kranken Cover-Fotos gibt es garantiert nirgends zu kaufen. Darin befindet sich auf zwei CDs eine Werksrückschau des Cassettenlabels SENSELESS GEBOLLAH! Alter Schwede...

Es ist eine gut 130minütige Zeitreise zu den Anfängen der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Von etwa 1990 bis 1995 existent, versammelten sich unter dem Dache des Herrn Lucy F. eine Gruppe von gut 20 Bekloppten, um dem sich stetig selbst überschätzenden Todesernst vor allem einer Grufti- und Gothic-Szene elektronisch erzeugten Spaßlärm entgegenzusetzen. Wir hörten Epigonen wie Front 242, Skinny Puppy, Ministry, The Klinik und Front Line Assembly, um nur einige von ihnen zu nennen, aber auch angeschrägte Sachen wie The Legendary Pink Dots um Frontmann Edward Ka-Spel. Die gesamte Liste aufzuführen, würde hier jeglichen Rahmen sprengen.

Aus diesem Schmelztiegel unterschiedlichster EBM-, Industrial-, Dark Wave- und Gothic-Einflüsse, versetzt mit einer gehörigen Portion Selbstironie und bewußter Respektlosigkeit gegenüber unseren dennoch hochgeschätzten Vorbildern, entstand eine Legierung, die Herr F. noch heute als Spaßelektro, Fundustrial und Hörspiel-House bezeichnet. Darunter befinden sich abgedrehte Cover-Versionen bekannter Stücke ebenso wie wüstestes Gelärme oder liebevoll zusammengezimmerte Electropop-Perlen. Textlich lugen unter anderem die Einflüsse von Max Goldt, Helge Schneider und Wiglaf Droste verschmitzt hinter diversen Ecken und Kanten hervor.

Die Bezugname auf's Metallschmieden ist übrigens angebracht. Einige der Beträge sind mittels Stahlschrott realisiert worden, der gleich kübelweise an die Beteiligten ausgegeben wurde. Manche der verwendeten Musikinstrumente und Aufnahmegeräte, mithin das genutzte Equipment, besaß in etwa einen vergleichbaren Wert, während andere auf mehr oder weniger komplett eingerichtete Homerecording-Studios zurückgreifen konnten. Ebenso reichte die Bandbreite der musikalischen Talente vom Dilettanten bis hin zum versierten Musiker. Die Klangqualität der meisten Stücke ist angesichts dieser Instrumentenvielfalt und der insgesamten Qualitätsunterschiede auch heute noch erstaunlich gut. Es gibt Beiträge aus dem Umfeld von SENSELESS GEBOLLAH!, die, mit einfachsten Mitteln erzeugt, mich über viele Jahre hinweg begleitet (und sicher wohl auch beeinflußt) haben.

Auf der Werkschau gibt es einige der besten Tracks aus dieser fünfjährigen Labeltätigkeit zu hören. Auszüge von im Kennerkreis legendären Veröffentlichungen wie den Compilations "Linksdrall unterm Kaffeewärmer", "Kabelbrand im Herzschrittmacher" und der Tape-Sendung "Radio SG!" sind dort ebenso zu finden wie einige Stücke, die erst nach dem Ende der offiziellen Label-Aktivität eingereicht wurden oder aus anderen Gründen währenddessen nicht veröffentlicht werden konnten. Projekte wie "Hund, Katze; Pferd", "Schwarzwurz", "Doodlebug" oder "Nekrophile Nachbarn" sind ebenso vertreten wie "Dental Distortion" und "Sick-O-Mat". Es gibt Cover von Lacrimosa-, Laibach- und Kraftwerk-Tracks, deutschen Volksliedern und dem Titelsong der Sesamstraße. Das darf man einfach nicht verpaßt haben!

Und während es draußen beginnt, zu stürmen, zu donnern und zu blitzen, kracht es hierzulande gewaltig aus den heimischen Boxen. Hach, die gute alte Zeit! Mit ihren von der Dual-Lärmcombo Queer Animals (zwei Mann erzeugen Schalldruck für mindestens vier) begleiteten Live-Performances, bei denen den Zuschauern wahlweise zuerst schlecht wurde und dann das Lachen im Halse steckenblieb oder umgekehrt. Während der vergangenen drei Tage hat irgendsoein Verrückter sogar bereits die Tracklists der beiden CDs bei FreeDB eingereicht. Danke, danke, damit muß ich mir diese Arbeit nun nicht mehr selbst machen. Dankeschön, Lucy F., danke SENSELESS GEBOLLAH!, danke an euch Mitstreiter, Lärmchaoten und Krachmusikanten. Auf Wiederhören, und: "Sterbt, ihr Erdenwürmer...!"

Kurz: Wenn es sie zu kaufen gäbe, müßte hier eine unbedingte Kaufempfehlung stehen. :)

Weiterführende Links zu ehemals Beteiligten oder Beitragslieferanten zu den verschiedenen Compilations:

Harald "Sack" Ziegler (auch bei Shesaiddestroy)
MoogulatoR, bzw. ConseQuencE

Debian-Pakete sind fertig

12 05 2006

Die Anfang der Woche erwähnten Debian-Packages sind fertig. Das lighttpd-Paket ist bereits so gut, daß nur geringfügige Änderungen daran für einen Backport nach Sarge notwendig waren. Der Aufwand war nicht groß, wenn man einmal davon absieht, daß auch einige Backports der Build-Umgebung dafür gebraucht wurden, wovon generell aber die meisten Pakete aus Debian Sid betroffen sein dürften. Etwas mehr Arbeit machte das eAccelerator-Paket. Erstens gibt es das nicht in Debian, höchstwahrscheinlich wegen der unklaren Lizenzsituation gegenüber Turck MMCache, aus dem das Projekt hervorgegangen ist. Wenn man nach den Stichworten "debian" und "eaccelerator" sucht, findet man im Google-Cache noch Infos darüber. Zweitens sind die älteren Fremdversionen, die ich noch habe, inkonsistent (auch untereinander) und drittens hatte ich meine eigene im ersten Anlauf zusätzlich versaubeutelt, weil ich unter anderem den Hardened-PHP-Patch manuell appliziert und außerdem in den Postinstallations-Skripten gemurkst hatte. Die jetzige Version sieht schon deutlich besser aus, und ich habe dabei wieder einige Details über den korrekten Paketbau in Erfahrung gebracht. Mit der dritten werde ich mich dann vermutlich erst einmal zufriedengeben können.

maemo SDK 1.1 installer patch

11 05 2006

[English version below] Der maemo-SDK-Installer plaziert das Scratchbox-Verzeichnis auf die Root-Ebene. Da es nur eine kleine Root-Partition auf meiner Workstation gibt, reichte der Platz dort nicht aus. Dieser Patch für den SDK-Installer erlaubt die Angabe eines zusätzlichen Parameters, mithilfe dessen das Scratchbox-Verzeichnis woanders angelegt werden kann. Es wird dann auf die Root-Ebene gelinkt. Das scheint nach erstem Eindruck zu funktionieren, trotzdem ist dies ohne jegliche Gewähr und Garantie - und mit den üblichen Disclaimern versehen.

Aufgerufen werden kann der Installer dann beispielsweise mit "$ ./installer -d /opt/nokia -H /opt/nokia -S", was Scratchbox in /opt/nokia/scratchbox/ plaziert.

The Scratchbox directory is placed on the root level per default by the maemo SDK installer. Since there is just a small root partition on my workstation, space was insufficient there. This patch to the SDK installer allows the declaration of an additional parameter which creates the Scratchbox directory somewhere else. It is then linked to the root level. This seems to work at a first glance, but comes without any guarantee and warranty anyway - and it is provided with the usual disclaimers.

The installer is then called with e. g. "$ ./installer -d /opt/nokia -H /opt/nokia -S", which places Scratchbox in /opt/nokia/scratchbox/.

Fragmentierung in Linux-Dateisystemen

09 05 2006

von Kris Köhntopp ausführlich und verständlich erklärt. Wer genauer wissen möchte, was beim Ablegen und Wiederholen von Dateien in seinem Dateisystem abgeht und weshalb es Frags nicht nur in First-Person-Shootern gibt, der darf Kris Lehrstunde nicht verpassen. Die Pflichtlektüre für alle, die Dateifragmentierung für die Wurzel allen IO-Übels halten.

Lighty hebt ab

09 05 2006

lighttpd - fly light.Heute habe ich als Fingerübung einen Backport des Webservers lighttpd (sprich: "lighty") 1.4.11 von Debian Sid (unstable) nach Debian Sarge (stable) gebaut. Im ersten Test verlief das Zusammenspiel zwischen lighttpd, PHP4 mit Hardened-PHP-Patch und eAccelerator via FastCGI absolut problemlos. Weitere Tests werden folgen, werden aber sicher kaum ein anderes Ergebnis zeitigen. Ich plane derzeit, lighttpd in einer Typo3-Umgebung einzusetzen. Nicht zuletzt möchte ich Pakete für Openzaurus, pdaXrom und das Nokia 770 bauen, sofern der Webserver in den jeweiligen Distributionen noch nicht verfügbar ist.

LinuxTag 2006: Tag 4

06 05 2006

Linuxtag 2006Heute besuchte Vorträge waren:
  • High availibility clustering of virtual machines - possibilities and pitfalls
    Virtualisation, Grids, Clustering; Referenten: Werner Fischer, Christoph Mitasch (Thomas-Krenn.AG)
  • Knopflerfish OSGi on the ultimate Linux mobile: the Nokia 770
    Multimedia; Referent: Philippe Laporte (Gatespace Telematics)
  • Xen 3
    Virtualisation, Grids, Clustering; Referent: Steven Hand (University of Cambridge)
  • Creating ebooks for use on GNU/Linux machines
    Multimedia; Referent: Guylhem Aznar (externe.net)
  • Linux im Wohnzimmer: Der digitale Videorekorder VDR
    Multimedia; Referent: Mirko Dölle (LinVDR)
Der vierte Tag in Wiesbaden endete mit einem etwas ausführlicheren Messebesuch, dem wegen des Geekfaktors fast schon obligatorischen Kauf einer roll- und abwaschbaren Gummi-USB-Tastatur und diesen letzten fünf Vorträgen. Die darin eingeplante Demonstration von Knopflerfish OSGi auf dem Nokia 770 konnte wegen einer ausgefallenen Kamera leider nur anschließend in einem durch die Größe des Nokias beschränkten kleinen Kreis stattfinden. Da ich neben Herrn Laporte der einzige Anwesende im Besitz eines solchen Geräts war, gab ich einigen Interessierten nach dem Vortrag eine spontane, allgemeine Demonstration des 770. Dabei mußte ich auf Nachfragen allerdings zugeben, bisher nicht selbst dafür entwickelt zu haben. (Was in der Folge unter anderem daran liegt, daß mein Netgear-Router wegen Zeitmangels seit längerem außer Betrieb ist.)

Der Xen-Vortrag war informativ und gab interessante Ausblicke auf die zukünftige Entwicklung von Xen, auf die nicht nur ich gespannt sein dürfte. Ob Xen im jetzigen Stadium bereits für den Produktiveinsatz geeignet ist, muß wohl von Fall zu Fall entschieden werden. Was mich betrifft, bin ich zwar stark interessiert, aber bislang noch skeptisch. Die später stattfindende, anschauliche Vorführung der Ebook-Erzeugung und entsprechender Reader führte dazu, daß ich nun fbreader auf dem Nokia 770 nutze. Ich hatte ihn noch während des Vortrags installiert. Zum Abschluß des Multimedia-Tracks gab Mirko Dölle schließlich humorvolle und kurzweilige Einblicke in den derzeitigen Entwicklungsstand von LinVDR und seine praktische Verwendbarkeit. Neben der Tatsache, daß er dabei mehrfach die Lacher auf seiner Seite hatte, motivierte seine Präsentation dazu, sich näher mit LinVDR auseinanderzusetzen - etwas, das ich mangels ausgeprägtem Interesse bisher noch nicht in Betracht gezogen hatte.

Insgesamt war mein Eindruck von diesem LinuxTag sehr durchwachsen. Neben der für die Messegäste zwar angenehmen, für die kommerziellen Aussteller aber sicher enttäuschenden geringen Besucherzahl wäre besonders die mittelmäßige Qualität der Beiträge zu nennen. Etwa die Hälfte der Vorträge entsprach nicht dem, was man sich unter einer informativen Wissensvermittlung vorstellt. Einige grenzten arg an Zeitverschwendung. Selbst wenn man meinen inzwischen recht hohen Wissensstand zumindest auf Teilgebieten berücksichtigt, ist das ein reichlich maues Resultat. Was dies betrifft, wäre eine gezieltere, vorherige Selektion der eingereichten Beiträge wünschenswert. Lieber einen Track pro Tag weniger, als daß zwischenzeitlich immer wieder Gähnen aufkommt und man sich fragen muß, weshalb man überhaupt im Saal herumsitzt. Die freigewordene Zeit ließe sich wahrscheinlich sehr leicht mit weiteren praktischen Demonstrationen füllen.

LinuxTag 2006: amaroK 1.4 LinuxTag special release

05 05 2006

Linuxtag 2006[English version below] Während ich den vorigen Artikel schrieb, habe ich übrigens im Hintergrund die LinuxTag-Release 1.4 von amaroK auf meiner Debian Etch Workstation kompiliert. Es war eine quick-and-dirty-Aktion, die ich in der nächsten Woche unbedingt nochmals bereinigt durchführen möchte. In der Zwischenzeit läßt sich aber schon mal mit amarok herumspielen. Sieht wirklich gut aus, Hut ab! (Und das von einem, der Kombiwerkzeuge und GUIs nicht mag.) Wen es interessiert, die folgenden Optionen sind eingeschaltet:

The following extra functionality will be included:
+ GStreamer0.10-engine
+ xine-engine
+ libvisual Support
+ XMMS Visualization Wrapper
+ MySql Support
+ Konqueror Sidebar
+ MusicBrainz Support
+ MP4/AAC Tag Write Support
+ Moodbar Support


Now playing: You Shook Me All Night Long (AC / DC - Back in Black) Bang! Wo wir auf der Rückfahrt doch von Motorradfahren sprachen... :)

As I wrote the previous article, the German LinuxTag special release 1.4 of amaroK was compiling in the background on my Debian Etch workstation, by the way. It was a quick-and-dirty operation that I'd like to redo in a clean and proper way by all means during the next week.In the meantime amaroK can be played with already. It looks really great, kudos! (And that's said by someone who doesn't like integrated tools and GUIs at all.) In case you're interested, please see the activated options above.

The German sentence following the track title means "'cause we were talking about riding motorbikes during backpassage".

LinuxTag 2006: Tag 3

05 05 2006

Linuxtag 2006Die heute besuchte Vorträge waren:
  • Scalix, die wahre Exchange Alternative unter Linux
    Firmenvortrag; Referent: Dominique Donne (Scalix Corporation)
  • An insider's guide to Linux Logical Volume Management with LVM2
    Kernel; Referent: Alasdair G. Kergon (Red Hat)
  • OpenSolaris auf x86/x64
    OpenSolaris Day; Referent: Detlef Drewanz (Sun Microsystems GmbH)
  • Iscsi, scsi on steroids
    Kernel; Referent: Matthias Rechenburg (freelancer)
  • OCFS2: Native Linux Cluster Filesystem (abgebrochen)
    Kernel; Referent: Philip Copeland (Oracle)
Einige der gestrigen Präsentationen ergänzten sich untereinander oder mit denen vom Vortag recht gut, zum Beispiel "Ekiga" und "VoIP mit Asterisk" mit "Secure Internet Telephony". Auch der "Vergleich AppArmor und SELinux" und "Die letzte Verteidigungslinie", das noch einmal SELinux im Detail behandelte, paßten recht gut zusammen und erweiterten den Überblick. Der heutige Tag war jedoch der bisher schwächste von allen. "Scalix" war ein Firmenvortrag. Mehr muß man dazu, glaube ich, nicht sagen. Alasdair Kergon's Vorstellung von LVM2 war spannend (wie immer!) und gab Ausblicke auf die zukünftige Entwicklung von LVM2. Diesen und "OpenSolaris auf x86/x64" würde ich als die ansprechendsten und besten des Tages einstufen. Die ISCSI-Vorstellung hätte ich mir schenken können; sie enthielt nichts, was ich nicht bereits wußte. Zudem war ein rasches Nachschlagen in der deutschen Wikipedia während des Vortrags und ein Verfolgen der dort angegebenen Links deutlich informativer. Das Urteil eines Kollegen, der wesentlich tiefer in die Materie eingearbeitet ist als ich, fiel dementsprechend vernichtend aus.

Den Vogel schoß jedoch Philip Copeland von Oracle ab, der offensichtlich vollkommen unvorbereitet und mit einer ihm fremden Präsentation in den OCFS2-Vortrag ging. Bereits während der ersten Minuten verhaspelte er sich, verlor den Faden und geriet völlig aus dem Konzept. Da half es auch nicht, daß er versuchte, ohne weitere Erklärung den ihm unbekannten Text vom Manuskript abzulesen. Die Folie auf dem Beamer stimmte zwar sowieso nicht mit dem Inhalt seines Vortrags überein, dennoch versuchte er unbeirrt, die Präsentation durchzuziehen. Es war unerträglich, und so war dies der allererste Vortrag in mehreren Jahren LinuxTag, den ich als absolute Zeitverschwendung einstufen mußte und verließ. Dies war umso ärgerlicher, als daß OCFS2 das für mich wichtigste Thema dieses Messetages gewesen war und ich dem Vortrag mit Spannung entgegengesehen hatte. Er war der Hauptgrund gewesen, an diesem Tag noch einmal zu kommen.

Nun könnte man argumentieren, daß der Untertitel des LinuxTag "Where .com meets .org" lautet und ein wenig hemdsärmelige Improvisation und Unprofessionalität mit zum Konzept gehört. Ja. Dem stimme ich auch zu. Einem Freelancer oder Neuling auf der Bühne hätte ich diesbezüglich etliche Pluspunkte zugestanden. Aber nicht einem Referenten bei einem prominenten Vortragsthema, über dem ganz groß ein renommierter Markenname steht. In dem Fall muß man die damit assoziierte Professionalität schlicht voraussetzen dürfen, auf den die Firma schließlich selbst einen Anspruch erhebt. Ein solcher Lapsus darf dann nicht unterlaufen, und ich würde mich zu der Behauptung versteigen wollen, daß dieses Desaster dem Image der Firma Oracle in den Augen eines nicht unerheblichen Teils der Anwesenden einen Kratzer zugefügt hat. Bad move, Oracle...

Die Gesamtrate wirklich nutzbringender Präsentationen betrug bislang etwa 50 Prozent und entspricht damit in etwa dem Resumee des Vorjahres. Es sind Vorträge damit gemeint, die inhaltlich stringent und informativ waren und ansprechend, d. h. in flüssiger und weitgehend freier Rede, dargeboten wurden. Selbstverständlich ist nicht jeder ein guter Redner oder kann wirklich frei sprechen. Dennoch läßt sich in diesem Bereich insgesamt noch deutliches Verbesserungspotential erkennen.

LinuxTag 2006: Tag 2

04 05 2006

Linuxtag 2006Heute besuchte Vorträge waren:
  • Neue Trends im Webhacking
    Security / Networking; Referenten: Peter Prochaska, Christopher Kunz (Hardened-PHP-Projekt)
  • Vergleich AppArmor und SELinux
    Security / Networking; Referent: Ralf Spenneberg (OpenSource Training Ralf Spenneberg)
  • Die letzte Verteidigungslinie
    Security / Networking; Referent: Florian Brand (Red Hat)
  • OpenTC: An Open Approach to Trusted Virtualization
    Security / Networking; Referent: Dirk Kuhlmann (HP)
  • Trusted Computing und DRM unter Linux - ein Update
    Security / Networking; Referent: Wilhelm Dolle (interActive Systems)
  • OpenSC - die freie Smartcard Unterstützung
    Security / Networking; Referenten: Peter Koch, Andreas Jellinghaus (OpenSC Project)
  • Secure Internet Telephony
    Security / Networking; Referent: Andreas Steffen (Institute of Internet Technologies and Applications, Hochschule für Technik Rapperswil)

LinuxTag 2006: Tag 1

03 05 2006

LinuxTag 2006Der LinuxTag findet dieses Jahr zum ersten Mal nicht mehr in Karlsruhe, sondern vom 3. bis 6. Mai in Wiesbaden statt. Der erste Eindruck nach dem Ortswechsel ist noch durchwachsen. Neben etwas nostalgischen Gefühlen - man hat sich in mehreren Jahren einfach an die Umgebung, die Hallen und die Stadt Karlsruhe als Veranstaltungsort gewöhnt - halten sich Vor- und Nachteile jedoch in etwa die Waage. Wiesbaden liegt zentral und ist leicht zu erreichen; von Bonn aus kann man in zwei Stunden dort sein. Die Messehallen befinden sich nahe dem Hauptbahnhof, und man kann ganz bequem zu Fuß dorthin gehen. Ihr Inneres wirkt abgenutzter und "schäbiger" als die Karlsruher Gebäude, dafür ist die verwendete Halle im ersten Stock allerdings größer und weniger verwinkelt. Durch die symmetrische Anordnung von Sälen und Ständen ist die Messe besser zu überblicken, und die Orientierung fällt dadurch leichter. Die sanitären Anlagen jedoch sind von deutlich schlechterer Qualität als in Karlsruhe. Es sind anscheinend auch anzahlmäßig weniger, und schon bei den heutigen, ebenfalls traditionell noch recht schwachen Besucherzahlen hätten sie zwischendurch deutlich öfter gereinigt werden dürfen. So etwas hinterläßt beim Besucher ein leicht vermeidbares Iih-Bäh-Gefühl. (Ich beurteile Verantaltungsorte generell nach dem Zustand ihrer sanitären Anlagen; da kann in einem Restaurant beispielsweise das Essen noch so gut sein.)

Anlaufprobleme und Pannen gab es diesmal erfreulicherweise keine, der Zeitplan wurde bis auf kaum vermeidbare Verzögerungen recht genau eingehalten, und die Qualität der Vorträge im freien Programm war durchweg gut. Einzig auffällig war, daß sich zu den letzten Vorträgen keiner der Moderatoren mehr blicken ließ, so daß Herr Yutaka Niibe als letzter Referent des Tages anfang etwas verloren auf dem Podium stand und auf seine Ansage wartete. Aus der Perspektive der Veranstalter ist das einem fremdsprachigen Gast - vor allem einem Japaner gegenüber - besonders unhöflich. Das sollte besser vermieden oder auf eine Anmoderation der Beiträge ganz verzichtet werden.

Die von mir heute besuchten Vorträge waren:
  • Die "richtige" Desktop-Distribution?!?
    Application and Desktop Day; Referent: Karl Deutsch
  • QGIS und GRASS - eine gelungene Kombination!
    GIS; Referent: Stephan Holl (GDF Hannover)
  • OpenJUMP - Die Community-Plattform für Desktop-GIS-Lösungen
    GIS; Referent: Ugo Taddei (l a t / l o n GmbH)
  • GPSdrive and Kismet
    GIS; Referent: Anthony Stone (Open Source IT)
  • amaroK: Killerappplikation für Linux
    Application and Desktop Day; Referent: Sven Krohlas (roKymotion, amaroK Promotion Team)
  • Ekiga - The Open Source Multi-Protocols VoIP Application
    Application and Desktop Day; Referent: Damien Sandras (Multitel)
  • Eine Einführung in Konzepte und Alltagsszenarien von VoIP mit Asterisk als Beispiel
    Application and Desktop Day; Referent: Michael Schwab (de-SOLUTION)
  • Minimum, Single Threaded HTTP/TCP/IP implementation for bootloader
    Emerging Technologies; Referent: Yutaka Niibe (National Institute of Advanced Industrial Science and Technology, Japan)
Seit einigen Jahren bewerte ich für mich deren Qualität, um mich bei Wiederholungen oder neuen Themen desselben Referenten etwas besser orientieren zu können. Oft treten Überschneidungen im Programm auf, die zu Interessenskonflikten führen. In dem Fall lasse ich meine Bewertung der Vortragsqualität in die Entscheidung mit einfließen, welchen ich anhören werde. Die genaue Bewertung möchte ich aus Höflichkeit gegenüber denjenigen, die schlechter dabei wegkommen, nicht exakt wiedergeben. Aber um einen groben Eindruck wiederzugeben, haben mir die Vorträge von Anthony Stone, Stephan Holl und Sven Krohlas heute am besten gefallen. Die ersteren beiden hielten zügige und informationsdichte Reden, und sie alle trugen flüssig vor.

Was mir an Sven Krohlas Präsentation mißfiel, war die meiner Ansicht nach etwas zu dick aufgetragene Beteiligungswerbung für sein Projekt. Ich bin der Ansicht, daß auf dem LinuxTag Information den Vorrang vor Promotion haben sollte. Schließlich werden die Vorträge überwiegend vor Geeks gehalten, von denen ein großer Teil bereits in der einen oder anderen Weise in FOSS engagiert sein dürfte. Kurze Hinweise auf Beteiligungsmöglichkeiten und weiterführende Informationen sollten in dem Fall genügen. Ernsthaft Interessierte sprängen dann auf den Zug schon auf. Aus dem selben Grund fand ich die Pro-"klik"-Zwischenrufe aus dem Publikum während des Vortrags schon beim zweiten Mal nicht mehr witzig, sondern nervtötend. Mich persönlich nehmen solche Aktionen stark gegen das betreffende Projekt ein, schaden seinem Ruf also damit. Weil ich der Meinung bin, daß gerade auf einem solchen Treffen allen Projekten gleiche Präsentationschancen gegeben sein sollten und einzelne Projektmitglieder oder -sympathisanten nicht mit aller Gewalt versuchen sollten, "ihre" Software zum Nachteil anderer in den Vordergrund zu rücken.

Der Vortrag von Herrn Deutsch über die Wahl der Desktop-Distribution war erwartungsgemäß nicht mehr sonderlich ergiebig für mich, da er sich an eine völlig andere Zielgruppe richtete. Eines seiner Argumente hat mich jedoch überzeugt: Es sei besser, einem Umsteiger von Windows nach Linux zu einem möglichst Windows-unähnlichen Desktop wie Gnome zu raten, weil der Anwender dann auch erwarte, daß sich das System anders verhalte als das bisher gewohnte. KDE mit seiner hohen Windows-Ahnlichkeit beispielsweis führe eher zu Verwirrung, weil die Abweichungen erst im Detail steckten. Das eigentlich nicht unlogisch. - Alle Beiträge hatten ansonsten den schon LinuxTag-typischen Effekt gemeinsam, das Interesse an den betreffenden Themengebieten wieder aufzufrischen oder es zu wecken: GIS, Wardriving, VoIP und Asterisk sowie den für Embedded Devices gedachten, vorgestellten Bootloader. Man müßte nun bloß noch die Zeit haben, sich ohne Selektion all diesen Themen gleichermaßen in Ruhe widmen zu können...

Many thanks especially to Anthony Stone for the interesting, fluent and quite amusing presentation. Glad to have seen it.