Der Paketpräparator

31 07 2006

PackstationEndlich gibt es in der Nähe meiner Wohnung einen vernünftig großen Briefkasten. Einen, in den nötigenfalls auch etwas hineinpaßt! Und das praktisch vor der Haustür. Briefmarken gibt's dort auch, und abholen kann man seine Post sozusagen zu jeder Tages- und Nachtzeit. Er muffelt einen auch nicht elektronisch an, wenn man mit der EC-Karte zahlen möchte.

Ich habe mich oft schon gefragt, weshalb man im nur wenige Schritte entfernten Briefzentrum mit angeschlossener Postfachanlage nicht einfach auch Pakete abholen kann. Bislang mußte man dafür immer quer durch halbe Stadt latschen. Denn die Deutsche Post in ihrer unendlichen, logistischen Weisheit ist der Ansicht, nicht das für den Empfänger streckenmäßig nahe- oder infrastrukturell günstigstgelegene, sondern stattdessen dasjenige Postamt auswählen zu müssen, von dem man das erste Mal nicht einmal weiß, daß es überhaupt existiert. Eines, bei dem man sich selbst vor dem Abholen der dutzendsten Sendung noch bei den Eingeborenen nach dem Weg erkundigen und eine Karte auf den mitgebrachten Abholschein skizzieren lassen muß. Nach etlichen Irrwegen schließlich angekommen, tappt man erschöpft in den Eingang eines undefinierbaren, grauen Gebäudes, das nur anhand eines mit Tesafilm flüchtig an das milchige Türglas gepappten, gelben Plakates äußerlich als Postamt erkenntlich ist, um sich von einem mürrischen Beamten Postangestellten nach eingehender, erkennungsdienstlicher Behandlung in Form von Ausweiskontrolle, Unterschrift und Daumenabdruck höchst widerwillig eine Sendung aushändigen zu lassen. Gelegentlich muß man dabei eidesstattlich versichern, daß man wirklich zum Empfänger bestellt ist, noch unter den Lebenden weilt und nicht dreisterweise post mortem die Rente kassieren will. Falls man nicht sowieso das große Glück hat, vorher in eine jener Warteschlangen zu geraten, die sich ihrer Tendenz nach nur sehr mühsam vorwärtsbewegen und schon gar nicht auflösen wollen.

All dies hat nun ein Ende. Die Götter, allen voran Hermes, haben mich erhört. Denn seit einigen Tagen steht vor besagter Postfachanlage endlich auch eine Packstation. Fragen würde ich den besagten Herrn allerdings sehr gerne, weshalb in Dreiteufelsnamen er mit dieser Aktion gewartet hat, bis ich in den lang verdienten Urlaub entschwunden war. Dafür würde ich ihn liebend gern kräftig vor die albernen Flügelschuhe treten. Denn noch einen Tag vor der Abreise durfte ich ein nicht eben leichtgewichtiges Paket im Schweiße meines Angesichts quer durch die halbe... Aber das kennt man ja bereits.

Zurück aus Frankreich

30 07 2006

Blick aus der Kapelle im Château AguilarEin nachtschwarzer Bolide, zwei Länder, drei Lebenwesen, 18 Tage, 4.222 Kilometer, über 40° C Außentemperatur, mehr als 180 PS und 220 Km/h Spitze. (Der Wagen leistet mehr, wurde aber nicht ausgefahren.) Eine Klimaanlage, für die man angesichts dieses Sommers mehr als einmal dankbar war. Sarreguemines, Nancy, Neufchâteau, Langres, Dijonne, Beaune, Chalon-sur-Saône, Vichy, Clermont-Ferrand, Millau, Pézenas, Béziers, Lézignan-Corbières und schließlich das Ziel Boutenac.

Trockenes Flußbett in MinerveKäse aus Roquefort-sur-Soulzon, die "Neuentdeckungen" Rocamadour und Lou Perac, unzählige Baguettes, etliche Brote, korsische Kekse, Biskuits aus der Normandie, Anisgebäck aus Roussillon, Wurst aus dem Hérault, Eintopf aus Castelnaudary, Enten- und Kaninchenpastete, Milchprodukte in unzähligen Varianten und nicht zuletzt die Weine der Region ließen die heimische Küche schlagartig in Vergessenheit geraten. Einmal stellte die Königin erstaunt fest: "Selbst abgepackte Fertigprodukte besitzen eine [geschmacklich] höhere Qualität als in Deutschland." Wenn also irgendwo die Götter ein Stückchen des Paradieses auf Erden zurückgelassen haben müssen, dann in diesem gesegneten Land.

Carcassonne, La CitéSonnenuntergang in BoutenacNichtsdestotrotz ist nichts auf der Welt umsonst, und so ist das Leben im Languedoc-Roussillon nicht gerade preiswert. Die Immobilienpreise explodieren im Kanton Corbières, seit Rhyanair auch Carcassonne anfliegen und das Département Aude damit für Briten und Iren ein attraktives Ziel wird. Altbauten in selbst abgelegenen Dörfern sind preislich beinahe unerschwinglich, obwohl in Boutenac zum Beispiel ein grob geschätztes Fünftel der Häuser in der Altstadt zum Verkauf steht. Alle diese Häuser sind jedoch stark renovierungsbedürftig, und man würde wohl in etwa die gleiche Summe für den Erwerb noch einmal investieren müssen, um einen solchen Bau bewohnbar zu machen. Mehrere Urlaubsreisen wert ist die Gegend um die Heimat der Katharer aber auf jeden Fall. Und leben, leben möchte man dort allemal...