Ich atme Kunst

31 08 2006

"Männer sublimieren ihren Gebärneid, wenn sie Kunst machen."

Schallendes Gelächter. Nachdem ich mich ein wenig davon erholt hatte, begann ich mir zwecks weiterer Erleuchtung einige Fragen zu stellen. Frauen sublimieren ja ihren Penisneid, wenn sie derartiges aus ihrer Feder schütteln. Kunst machen? Architektur tanzen? Bilder an die Wand und Namen in den Schnee pissen? Senseless Gebollah? (Oh, sorry. Das war ein Insider.) Es gab da mal vor Jahren im Ruhrpott einen Durchgeknallten, der als offenbar kultursanktionierter Freigänger in sogenannten Happenings Leinwände mit seinen Exkrementen bemalte. Und somit "Kunst machte". Fäkalideologisch gesehen. Immerhin beschränkte er sich auf diese. Auf die Leinwände, meine ich. Ob sich andere Kunstschaffende mit derlei kretinen Aktionismen infizieren, Entschuldigung, identifizieren konnten, ist nicht bekannt. Für das Publikum bestand immerhin eine latente Gefahr darin, sich irgendwelche spaßige Krankheiten mit lustigen, aber unaussprechlich langen, lateinischen Namen einzuhandeln. Als Kunstinteressent wollte man sich solch ein frischgeschaffenes Objekt jedenfalls wohl kaum an die heimische Wand über das Gästesofa hängen. Einmal verklagte der perverse Perser, wie er sich selbst nannte, ein Museum wegen der Zerstörung von Kunstgegenständen. Der verantwortliche Direktor hatte eine Installation aus einer dreistelligen Anzahl toter Küken offiziell entsorgen lassen, weil diese angesichts der sommerlichen Temperaturen draußen vor dem Fenster ein gewisses olfaktorisches Eigenleben zu entwickeln begann. Aber ich schweife ab.

Die Krux an Pauschalisierungen - ob kontermaskulin oder nicht - ist, daß sie implizit unzutreffend sind. Wenn man sie anwendet, disqualifiziert man sich als sachlicher Diskussionspartner, zumindest innerhalb desselben Kontexts. Falls sie themenübergreifend, sozusagen pauschal, angebracht werden, ist außerdem eine starke Affinität zu Realitätsblindheit, Verblendung und latentem Fanatismus anzunehmen. Glücklicherweise sind diese häufig temporär und wachsen sich in späteren Jahren aus. Dennoch weiß man kaum, was man befremdlicher finden soll. Auf der einen Seite das immer wieder angeprangerte, aufdringliche, männlich-pubertäre Imponiergehabe. Oder dort, auf der anderen, das öffentliche Ausleben des göttlichen Mystizismus der weiblichen Adoleszenz unter dem wehenden Purpurbanner des Feminismus. Schnipseln mit Haaren. Malen mit Menstruationsblut. Auf symbolträchtige Lilien gebettet, sanft umhüllt vom Deckmäntelchen sich bis zur Sinnentleertheit selbst feiernder, zeitgenössischer Kunst. Überhaupt ist die unsäglich penetrante Sexualisierung des Alltags durch manche ZeitgenossInnen bisweilen nur äußerst schwer erträglich. An soviel Eros, Thanatos und Körperflüssigkeiten auf einmal denken nicht einmal Männer. Nun, die allermeisten jedenfalls nicht.

Aber es gibt Ausnahmen. Menschen, die die durchaus angebrachte und immer noch gültige Forderung nach der Gleichbehandlung der Geschlechter mit pragmatischen Überlegungen zu verbinden wissen. Die einem sachlichen Umgang mit dem Thema abträgliche Äußerungen zum Knochenkotzen finden. Da ertappt man sich unweigerlich bei zustimmendem Nicken. Wohingegen ein Geschwalle wie das, mit dem dieser Artikel begann, lediglich zu unkontrollierten Heiterkeitsausbrüchen führt. Manchmal ist beispielsweise ein Mikrofon einfach bloß ein Mikrofon. Ein Schallumwandlungswerkzeug. Es hat mit einem Phallus in etwa soviel zu tun wie ein Pottwal mit einer Petunie. Wer das nicht glauben will, mag sich von mir aus eines dieser Dinge dorthin stecken, wohin die Sonne niemals scheint.

Nachtrag: Offenbar scheint auch die KünstlerIn selbst ihre These für ein wenig gewagt zu halten. Jedenfalls ist der betreffende Artikel von Ende 2005 über Nacht plötzlich aus dem Blog verschwunden (oder gesperrt worden). Das nächste Mal werde ich Screenshots anfertigen. Versprochen. Logos spermatikos. Gnicker. "Gebähre mir ein Ungeheuer, o allesverschlingende Vagina Dentata!" (Und singend ab.)

Beschwerde

29 08 2006

Guten Morgen. Ich wollte mich nur darüber beschweren, daß die Außentemperatur allmählich unter den Wohlfühlwert fällt. Die derzeitige Luftfeuchtigkeit trägt auch nicht gerade dazu bei, die Stimmung zu heben. Und ja, dies ist ein Befindlichkeitseintrag.
Zu deutsch: Scheißwetter. Laßt uns auswandern.

Überwachung, irgendwer?

28 08 2006

Falls es jemanden angesichts des fortschrittlichen Müllentsorgungssystems unserer britischen Nachbarn gelüstet, dieses samt all der dort allgegenwärtigen Kameras nach Deutschland zu importieren, ließe sich das hervorragend mit Verkehrsminister Wolfgang Tiefensees neuestem Geniestreich kombinieren, seinen Stuhl im tiefsten See dieses Landes in Berlin zu zementieren.
Ich glaube, dazu hat Isotopp den einzig passenden Kommentar gefunden.

Galoppierende Paranoia

28 08 2006

Allmählich geht mir die mentale Diarrhoe mediengekürter "Sicherheitsexperten" und ihrer Interviewer ganz gewaltig auf den Senkel. Wohin man den Blick auch wirft, fällt er auf Inkontinenz und grassierenden Unfug ohne Ende. Was da an Schmuh zusammengeschrieben wird, geht teilweise auf keine Kuhhaut. In diesem Fall ist es die Tagesschau, die mit einem panikschürenden Aufmacher so tief ins Klo gegriffen hat, daß es vermutlich bloß noch hülfe, die Schüssel zu zerschlagen.

Zunächst einmal ist ein Terrorismusexperte nicht zwangsläufig auch ein Sicherheitsexperte, wie der Tagesschau-Artikel suggeriert. Der Betreffende arbeitet zwar am Essener Institut für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik. Das machte ihn aber maximal zum Experten für Sicherheitspolitik. Als "Sicherheitsexperten" in enger Verknüpfung mit dem Begriff Internet werden im allgemeinen Experten für Sicherheitstechnologien und -verfahren verstanden. Das ist ein vollkommen anderer Fachbereich. Die festgehaltenen Aussagen des Interviewten fördern im weiteren Verlauf des Artikels auch nicht eben den Eindruck, als sei dieser besonders sachkundig auf den letztgenannten Gebieten.

Desweiteren ist das als Schlagzeile verwendete Zitat "Internet ist Kaderschmiede des Terrors'' absoluter Humbug. Wie jedem auffallen muß, der auch nur im Entferntesten näher mit diesem Medium zu tun hat. Andernfalls könnte man mit geringem Rechercheaufwand mühelos die Begriffsdefinition des Wortes Kaderschmiede in der deutschen Wikipedia nachschlagen. Zieht man nun ein aus den Anfangszeiten des Internet stammendes, aber immer noch gültiges Zitat von Hubert Partl hinzu, "Internet ist das Ding mit den Kabeln. Usenet ist das Ding mit den Menschen.", dann wird schnell klar, wie inhaltsleer diese Worthülse ist. Man braucht nur das Wort Usenet durch World Wide Web zu ersetzen, falls man eine weitere Verdeutlichung oder einen Transport in die Neuzeit wünscht.

Der Artikel erweckt, ganz im Tenor sonstiger "Das-Internet-ist-böse"-Pamphlete, den unterschwelligen Eindruck, als sei das Internet dem Terrorismus förderlich. Der Terrorismusexperte selbst widerlegt diese mit der prominenten Herausstellung eine seiner Äußerungen suggerierte Botschaft hingegen im Kontext, indem er in aller Deutlichkeit sagt: "Wenn man das Internet von heute auf morgen komplett abstellen könnte, würde sich die Ideologie der Gewalt nicht erledigen. Sie würden ähnlich wie 2001 andere Wege finden." Das heißt, das Internet trägt absolut keine Schuld an der Präsenz des Terrors in der Welt. Es ist lediglich einer von vielen Wegen. Es ist bloß ein Transportmedium. Deshalb hülfe es auch nichts, auf dieser Ebene irgendetwas regulieren oder kontrollieren zu wollen. Das sollte man sich angesichts solcher Nachrichten bewußt machen.

Da sind sie wieder, die kleinen, aber feinen Unterschiede. Im Übrigen klingen die weiteren Feststellungen des Experten vernünftig. Meiner Meinung sind sie zutreffend. Sein Fazit lautet nach meinem Verständnis: Der Kampf gegen den dschihadistischen Terrorismus ist ein Kampf gegen eine gewalttätige Ideologie. Man kann ihn nicht mit einer Zensur technischer Mittel gewinnen.

Wir werden siegen mit dem Schwert des Geistes.

Damit ist weder ein Bibelzitat noch BluBo-Anrüchiges gemeint, sondern es ist der Schlußsatz des Buches "Das Schwert des Geistes" (The Sword of the Spirits) aus der Trilogie "Der Fürst von Morgen" von Samuel Youd. Sie handelt vom Scheitern zweier Technokratien und der Überlegenheit menschlicher Werte. Die nüchtern und schlicht erzählte Geschichte endet dennoch auf eine zutiefst deprimierende Weise.
Ein früherer Roman Youds, "Die Wächter" (The Guardians), thematisiert die unwissentliche Überwachung und Manipulation einer Bevölkerung und weist damit Anklänge an Orwells und Huxleys Romane auf. Er endet ähnlich tragisch wie der Film "Einer flog über's Kuckucksnest".
Trotzdem es sich dabei um Kinderbücher handelt, halte ich alle vier Romane für lesenswert.

Nvidia-Treiber und Xorg 7 vertragen sich wirklich wieder

27 08 2006

Mit der Veröffentlichung der Version 1.0-8774 sollten die unter Xorg 7 und Nvidia-Treiber und Nvidia-Treiber und Xorg 7 vertragen sich wieder beschriebenen Probleme jetzt endgültig der Vergangenheit angehören. Weitere Informationen zu dem neuen Release lassen sich auch den Meldungen von Golem und Pro-Linux entnehmen. Heise listet die neuen Versionen auf der wöchentlichen Treiber-Update-Seite.

Bei der Installation unter Debian Etch (testing) treten Warnungen bezüglich der Library- und Modulpfade von X bzw. Xorg auf. Der Installer kann sie nicht automatisch ermitteln und verwendet stattdessen interne Vorgaben. Die sind aber nicht verkehrt, so daß man diesbezügliche Warnungen getrost ignorieren kann. Wer sie von vornherein vermeiden möchte, kann das wie zuvor durch die explizite Angabe der benötigten Pfade erreichen. Außerdem kann es nötig werden, vor dem Aufruf des Installers die Kompilerversion anzugeben, mit der der Kernel übersetzt wurde. Das entsprechende Debian-Paket muß dann natürlich installiert sein. Hier ein Beispielaufruf für Kernel 2.6.16-2-686:

export CC=gcc-4.0 ./NVIDIA-Linux-x86-1.0-8774-pkg1.run -a --x-library-path=/usr/lib --x-module-path=/usr/lib/xorg/modules

Ein "./NVIDIA-Linux-x86-1.0-8774-pkg1.run -A" listet übrigens sämtliche Einstellmöglichkeiten des Installers auf. Happy Gaming!

Apropos Kassette

26 08 2006

TDK SA-90 Kassette Ramones - ManiaNach über zwei Jahren habe ich die hier gerade unversehrt aus einem Kenwood KX-2520 Tapedeck gezogen. Die hohe Verarbeitungsqualität läßt sich auf dem Bild recht gut erkennen. Ein Aufschrauben und Zerlegen ist bei dieser Bauweise gar kein Problem. Mithilfe solcher Kassetten habe ich für einige meiner Aufnahmen Bandschleifen hergestellt, die "Samples" simulierten. Ein richtiger Hardware-Sampler war damals für mich unerschwinglich. Also behalf ich mich mit mehreren Billig-Kassettenrekordern, die der Aufnahme Schleifen unterschiedlicher Länge zuspielten. Das Timing erfolgte von Hand, weshalb das Ganze ziemlich zeitaufwendig und natürlich niemals wirklich präzise war. Einmal habe ich einen dieser Rekorder sogar dafür umgebaut. Er bot die Möglichkeit, über ein externes Mikrofon samt integriertem Schiebeschalter den Transportmotor im Aufnahmemodus an- und abzuschalten. Das war eigentlich für Memos und Diktate gedacht. Stattdessen habe ich ein Interface für meinen Commodore Plus/4 gelötet, damit er den gleichen Schaltvorgang über ein Relais steuern konnte, das am Parallelport des Computers angeschlossen war. Anschließend schrieb ich ein BASIC-Programm, das die Schaltvorgänge für die jeweilige Aufnahme erledigte. Danach mußten "nur" noch die Steuerdaten eingegeben werden, die ich per Stoppuhr und nach der Trial-and-Error-Methode ermittelte. Weil das Programm die relativ gleichbleibenden Verzögerungen berücksichtigte, die der Rekordermotor zum Anfahren und Stoppen des Bandes benötigte, wurde der Zuspielvorgang dadurch etwas genauer. Mit der rein manuellen Bedienung aller Geräte wäre ich ansonsten hoffnungslos überfordert gewesen. Denn teilweise bestand mein "Setup" aus einem HiFi-Mischpult, einem Aufnahmerekorder, zwei Zuspielern, ein bis zwei CD-Playern, dem C-Plus/4-Computer bzw. später wechselweise Amiga 500 und 200, einer Gitarre und einem Mikrofon.

Krachkassette

25 08 2006

Nekrophile Nachbarn: Picknick im KrematoriumAus der Rubrik "Unveröffentlichte Raritäten". Ja, das waren noch Zeiten, als man Musik den Mitmenschen buchstäblich an den Kopf werfen oder auf direktem Wege scheppernd in die Tonne kloppen konnte! Da war nichts mit langweilig-steril klingenden, flachen Silberscheiben samt notorisch viel zu kleiner Coverfläche auf dem jeweiligen Jewel Case. Die Schrift auf den Tapes mußte man nämlich noch sehr viel kleiner drucken. Das erforderte Kunstfertigkeit. Es gab scharfkantig splitternde Kunststoffgehäuse, Hüllen mit ständig gesprungenem Deckel und Kassetten, die sich in zwei Hälften, Bandspulen und Schräubchen zerlegten, wenn die kleine Schwester sie gegen die Wand pfefferte. Es gab Bandsalate, Leiern und Hintergrundrauschen, verzerrtes Gekrächze an zerknittertem Stellen und Übersprechen von der Lage darunter. (Erinnert sich noch jemand an die legendären 120er-Bänder?) Manchmal war es aber auch genau das, was auf der Kassette zu hören sein sollte. Fünfundvierzig Minuten lang liebevoll aufgenommener Baustellenlärm soll sich eine Zeitlang auch ganz gut verkauft haben. Das war noch Musik zum Anfassen! Jeder konnte sich von seinem Taschengeld legal eine Monoraspel beschaffen und Mal Sondocks Hitparade aus dem Radio mitschneiden. Oder eigene Hörspiele basteln. Oder mit einer Frühform von Karaoke im engeren Familienkreis berühmt werden. Niemand hat nach der RIAA, der NRA oder der Gema verlangt, bloß weil ein kleiner Pimpf beim Frühstück "Mama!" ins Mikrofon gelallt hatte. Heutzutage wird man dafür wegen Markenrechtsverletzungen (Institut für Züchtungsforschung) und Copyright-Mißbrauch (Heintjes Erben) lebenslänglich nach Guano Guarana Guantanamo verfrachtet. Ich wußte, es hatte etwas mit Gestank zu tun. Überhaupt ist das gesellige Absingen obskurer Kindergeburtstagslieder seit geraumer Zeit streng verboten. Und der Effekt eines auf langweiliger Autobahn bei voller Fahrt aus dem Fenster geworfenen Tapes mitsamt des sich hunderte Meter weit lustig im Wind aufdröselnden Bandes war sowieso durch nichts zu überbieten. Ja, das waren noch Zeiten!
Da fällt mir gerade spontan ein, irgendwo müßte doch noch eine Kiste...

(via Hoshi, Lucy F. und Isotopp)

Debian on the WGT634U

24 08 2006

Debian GNU/LinuxThanks to the HowTo by Martin Michlmayr I accidentally stumbled upon around half an hour ago, I am succesfully running Debian on my Netgear WGT634U now. The root file system is on a 256 MB Lexar SD card inside a Sharkoon Flexi-Drive XC. This is a small form factor USB card reader which is connected to the unit's USB port. Everything else is set up as described by Martin in the HowTo. I flashed the Kernel to /dev/mtd2 and installed the SSH server Dropbear directly afterwards. That's pretty much it at the moment. The unit loads the Kernel from flash and boots the system from the SD card. After that I can log in via SSH and play around.
Many thanks, Martin, for sharing your knowledge and providing the Kernel and root file system tarball!

Blognomadin

23 08 2006

Ich habe sie wiedergefunden. Schon vor einigen Tagen. Die Blogwelt ist klein. Zwar wird sie mir als anonyme Autorin weiterhin unbekannt bleiben. Ihr Schreibstil jedoch und der Aufbau ihrer Artikel sind unverwechselbar. Ich habe sie sofort erkannt. Sie führte dieses Weblog seit einigen Monaten. Was bedeutet, daß es seit dem vergangenen Jahr noch mindestens eines, wahrscheinlich aber noch zwei oder sogar drei andere gegeben haben muß. Denn aufhören, aufhören kann sie damit nicht. Vermutlich will sie es auch gar nicht.

Sie schrieb im für sie typischen Stil. Angefangen von der Obsoleterklärung sämtlicher früherer Artikel führte die Bandbreite ihrer Beiträge von mehr oder weniger kryptischen, für Außenstehende absolut unverständliche Bemerkungen über Buchbesprechungen, Befindlichkeitsbeiträge und emotionale Ausbrüche bis hin zu Leserbeschimpfungen. Ab und an erschienen vollständige Artikel und die eine oder andere Kurzgeschichte. In der Ausdrucksweise abwechslungsreich und eloquent, ist sie durchaus in der Lage, Aufmerksamkeit zu erregen und Interesse zu wecken. Es darf nur nicht das eines größeren Publikums werden oder über die netzübliche Oberflächlichkeit hinausgehen. Dann schließt sie ihr Blog abrupt und zieht sofort weiter. Blognomadin.

Ihr aktuelles hat sie vor wenigen Tagen für geschlossen erklärt. Das Fazit wie immer eine Mischung aus Insultation ihrer Leserschaft, kryptischen Nichtigkeiten und Ablehnen jeglicher Verantwortung. Selbst schuld, wer sich an ihren Artikeln festliest. Selbst schuld, wer sich daraufhin für den Menschen interessiert, der sie verfaßt. Selbst schuld, wer Anteil an ihren Befindlichkeiten zu nehmen beginnt. Undsoweiter, undsoweiter. Stets sind ihre Beiträge Wegwerfartikel mit einer Halbwertszeit von nur wenigen Wochen. Selbst schuld, wer mehr zu erwarten beginnt. Auch wenn ihr Auftreten anfänglich anderes zu versprechen scheint.

Jetzt zieht sie weiter und wird irgendwo, vielleicht bei einem anderen, vielleicht auch beim selben Bloghoster, ein neues Weblog unter einem anderem Namen eröffnen. Und das Spiel beginnt wieder von vorn. In Kürze wird sie ihr jetziges, stillgelegtes Blog kommentarlos löschen. Daraufhin wird sie einige Monate lang das neue betreiben und schon bald auch dieses von jetzt auf gleich schließen. Vermutlich werden einige ihrer heutigen Leserinnen und Leser bis dahin offen oder im Stillen über die Beweggründe spekulieren, die sie zu diesem Schritt veranlaßt haben mögen. Vielleicht wird sie sich darüber amüsiert oder hämisch ins Fäustchen lachen. Vielleicht ist es ihr auch vollkomen einerlei und herzlich egal. Vielleicht, vielleicht.

Sollte man sie bedauern? Dafür, daß es ihr nicht gelingt, an einer Stelle zu verweilen? Dafür, daß sie nicht einmal im Anonymen in der Lage zu sein scheint, sich der permanenten Aufmerksamkeit eines Online-Publikums zu stellen? Dafür, daß sie trotzdem eine regelmäßige Mindestdosis ebendieser Aufmerksamkeit zu benötigen scheint, um ihr Selbstwertgefühl anzuheben? Oder sollte man sie stattdessen anfeinden und verurteilen für das Spiel, das sie mit ihrer Leserschaft treibt, für die immer wiederkehrende, implizite Manipulation der Besucherinnen und Besucher ihrer diversen Weblogs?

Noch während mir all diese Fragen durch den Kopf gehen, stelle ich fest, wie gleichgültig mir ihre Antworten sind. Es gibt unzählige lesenswerte Blogs im Netz. Bei weitem mehr, als zu sichten meine Zeit je zuließe. Darunter wiederum befinden sich etliche Blogger, die aufgeschlossen mit ihrer Leserschaft interagieren. Ein Weblog muß keine Einbahnstraße sein. Eigentlich läuft solch eine "ich blogge, aber mir sind meine Leser egal"-Haltung auch dem ursprünglichen Gedanken des Bloggens zuwider. Und bei der schieren Masse an interessanten Inhalten kann einem Leser ein Blogger, dem seine Leser gleichgültig sind, in der Umkehrung auch nur egal sein. Wegwerfkommunikation führt auf direktem Wege in die Bedeutungslosigkeit. Und das ist sie dann auch: belanglos.

Verbucht unter Zeitverschwendung, damals. Egal.

Biometrie: halbblinde Kameras, hirnlose Software

22 08 2006

Der Spiegel gelangt heute zu einer wesentlich realistischeren Einschätzung der Leistungsfähigkeit von Videoüberwachungssoftware als noch vor wenigen Tagen der Express. Im Artikel lassen sich gleich etliche Gründe dafür finden, weshalb diese Art der Überwachung zur Verbrechensprävention denkbar ungeeignet ist. Dafür hat man mit etwas Glück im Nachhinein tolle Aufnahmen vom Schauplatz des Geschehens, die sich auch sofort medial verwursten lassen. Gell, wir pflastern jetzt erstmal sämtliche verfügbaren Straßen mit Überwachungskameras. Nachdem sich dann ein paar Selbstmordbomber an Verkehrsknotenpunkten maximal effektiv in die Luft gesprengt haben, können wir uns auf Video angucken, wie sie

a) das genau gemacht haben,
b) vor- und nachher ausgesehen haben und
c) wissen wir, wie die Pathologie die eingesammelten Brocken für das Begräbnis wieder zusammenzusetzen hat.

Boah. Wenn das mal nicht zum neuen Spiel wird. 15 Minuten postumer Ruhm für jeden religiösen oder sonstigen Fanatiker. Bomberman um 20:15 Uhr in der ARD. Bitte Chips, Popcorn und Cola in ausreichender Menge bereithalten.

Biometrie: Boulevard-Zeitung bewertet Gesichtskontrolle positiv

18 08 2006

(Lange Zitate in Kursivschrift) Der Express titelt heute reißerisch: "GESICHTS-KONTROLLE" und weiter, "Computer erkennt jeden in fünf Sekunden". Dann heißt es weiter: Am Disco-Eingang hat's jeder schon erlebt: Gesichtskontrolle. Wer rein darf und wer nicht, entscheidet allein ein Stiernacken in Bomberjacke.

Mir ist völlig unbekannt, in welch zweifelhaften Diskotheken Boulevard-Zeitungsreporter für gewöhnlich verkehren. Die im Artikel gebrauchte Wortwahl läßt diesbezüglich womöglich bereits einige Rückschlüsse zu. Für die Diskotheken, die ich regelmäßig aufzusuchen pflege, ist diese Behauptung jedenfalls unzutreffend. Während meiner abendlichen Feierstunden habe ich auch noch niemals erlebt, daß ein Gast die Zappelbude seiner Wahl nicht hätte betreten dürfen.

So gesehen ist die biometrische Gesichtserkennung nichts anderes als ein virtueller Türsteher.

So gesehen ist dies eine drastische Verschleierung von Tatsachen - eine realitätsverzerrende Verharmlosung - und damit sachlich falsch.

Auch der Computer entscheidet in Momenten: Der Typ ist okay. Oder nicht. Der größte Unterschied: Ist jemand nicht koscher, kommt er rein - auf direktem Weg ins Gefängnis.

Hieß es nicht einen Satz früher noch, elektronische Gesichtserkennung sei "nichts anderes" als ein menschlicher Türsteher, ergo dasselbe? Aha. Offenbar gibt es also doch gravierende Unterschiede zwischen Menschen und biometrischer Überwachungssoftware! Derzeit ist jedenfalls nichts davon bekannt, daß ein Türsteher die Befugnis hätte, ihm nicht genehme Personen einzubuchten und damit ihrer Freiheit zu berauben. Die gebräuchlichen Praktiken im Umfeld von Boulevardzeitungsjournalistendiskotheken scheinen hier Anlaß zu äußerst interessanten Spekulationen zu bieten.

Daß ein biometrisches Überwachungsprogramm eine erfaßte Person direkt ins Gefängnis teleportieren dürfte, ist allerdings ebensowenig zutreffend. Dies ist hierzulande derzeit noch nicht möglich. Die betreffende orwellsche Vision ist bisher noch nicht umgesetzt worden.

Das Prinzip klingt einfach: Kamera nimmt Menschenmenge auf, Computer misst 40 markante Punkte an jedem Gesicht an, ein Spezialprogramm vergleicht die errechneten Datensätze mit den Bildern von Terroristen, Gangstern oder Hooligans. Alles in fünf bis zehn Sekunden. Pro Kopf.

Genau das ist der springende Punkt. Bereits an dieser Stelle scheitert der vom Express gezogene Vergleich kläglich. Ein Türsteher nimmt die Gäste - und nur diese! - einzeln und nacheinander in Augenschein, die eine Lokalität betreten wollen. Die Menschenmenge auf der Straße, die Passanten, die an "seinem" Lokal vorüberflanieren, interessieren ihn nicht im geringsten.

Biometrische Überwachungssoftware ist im drastischen Gegensatz hierzu darauf abgestellt, große Menschenmengen zu überwachen. Sehr große. Also darauf, möglichst viele Menschen in einer Gruppe gleichzeitig zu erfassen und zu bewerten. Das birgt, abgesehen von der immer noch hohen Fehleranfälligkeit solcher Verfahren und etwaigen systeminternen Ungenauigkeiten, ein ganz massives Mißbrauchspotential.

Biometrie lautet das Zauberwort, zu deutsch: Lebensvermessung.

Für die einen ist es ein Zauberwort und für die anderen das bizarrste Schreckensszenario der jüngeren Geschichte. - Mein Leben braucht nicht vermessen zu werden, schönen Dank auch. Nehmt einen Keks und geht bitte wieder nach Hause. -

Nicht eine Handvoll potentieller Terroristen (wieviele?) ist die eigentliche Bedrohung, sondern die subtile Unterminierung der Privatsphäre und der Grundrechte unbescholtener Bürger im Namen der Terrorbekämpfung. Der Bekämpfung nebulöser Phantome, deren Nachweis diejenigen Organe, die uns vor ihnen schützen wollen, bislang größtenteils schuldig geblieben sind. Mit den heraufbeschworenen Gespenstern läßt sich der Bevölkerung zwischenzeitlich jedoch hervorragend Angst einjagen. Es ist ein Mittel, dass schleichend wirkt und in die Lage versetzt, repressive Maßnahmen einzuführen und langfristig durchzusetzen, ohne auf ernsthaften Widerstand zu stoßen. Die angestrebte Langfristigkeit reicht dabei über den Zeitraum der unmittelbaren Bedrohung deutlich hinaus. Sprich, langfristig gleich permanent.

Weiter heißt es in dem Artikel: Trotzdem ist die 2D-Erkennung, also das zweidimensionale Abfilmen von Gesichtern, nicht das Allheilmittel in Sachen Kriminalitäts- oder Terrorbekämpfung. "Schattenwurf, falscher Kamerawinkel oder auch ein Hut - all das macht die Erfassung zunichte", so Wörner.

Also brauche ich bloß einen Hut aufzusetzen, und schon bin ich "koscher" und statt meiner wandert mein Straßennachbar "auf direktem Weg ins Gefängnis"? Oh, kommt, das ist nicht euer Ernst, oder? Die Software läßt sich also ganz einfach täuschen, quasi kinderleicht? Demnach ist auch die in der zweiten Schlagzeile aufgestellte Behauptung "Computer erkennt jeden in fünf Sekunden" in den Bereich der Wunschträume verwiesen. Nein, soweit ist die Biometrie noch lange nicht. Gott sei dank.

Auf solche Systeme sollen wir uns verlassen. Wirklich?

Schon arbeiten die Forscher an der Weiterentwicklung der 3D-Erkennung. Ein Laser nimmt nicht 40, sondern 40.000 Punkte des Gesichts auf. Aus diesen Daten "baut" der Computer ein Drahtmodell nach, das sich auf jeder Achse wenden lässt. Erkennungs-Sicherheit: 100 %.

Das ist das Ziel. Bisher ist das glücklicherweise ebenfalls noch ein Wunschtraum. Die Realität ist weit davon entfernt. Aus dem einfachen Grunde, weil es derzeit noch keine weit verbreiteten Computersysteme gibt, die eine entsprechende Leistungsfähigkeit bereitstellen könnten. Aber selbst wenn es solche Systeme gäbe, wäre es äußerst fraglich, ob diese tatsächlich eine einhundertprozentige Treffsicherheit erzielen könnten. Rein logisch und statistisch betrachtet ist eine solche Behauptung reine Phantasterei und damit Unfug. Davon träumen die Programmierer biometrischer Software des nachts. Vielleicht.

Zum Schluß folgt im Artikel eine verhaltene Abschwächung des bis dahin reißerischen Inhalts. Wollen bzw. dürfen wir überhaupt alle vom "großen Bruder" erfasst werden - so ehrenhaft die Absichten der Fahnder auch sind?

Womit ist sichergestellt, daß deren Absichten ehrenhaft sind?

Die Antwort: jein.

Interessant, aber angesichts des Obenstehenden nicht weiter überraschend, daß sich der Express davor scheut, eine eindeutige Position zu beziehen. Noch weniger überraschend ist, daß dessen "Antwort" nicht weiter begründet wird.

Datenschützer haben durchgesetzt, dass alle Aufnahmen binnen 48 Stunden gelöscht sein müssen. Bis dahin... wer weiß.

Weil die "innerhalb von fünf Sekunden" erkannten, nicht "koscheren" Personen bis dahin längst "auf direktem Weg ins Gefängnis" gewandert sind, lautet das Fazit keinesfalls "wer weiß". Jedenfalls nicht, wenn man der Argumentation des Express folgt. Sondern man kann sich bezüglich Zweck und Verwendung der Erfassungsdaten relativ sicher sein, sofern man das im Artikel vorgegebene Szenario zugrundelegt.

Darin liegt die Gefahr begründet, falls man sich in einem journalistischen Artikel nicht strikt an die Fakten hält. Nur allzuleicht verläuft man sich in den eigenen, abstrusen Gedankengebäuden. Das endet in der Regel damit, daß man es fertigbringt, in einer dunklen Ecke gegen einen Vorsprung zu rennen und sich mit seiner doppelläufigen Schrotflinte gleichzeitig in beide Knie zu schießen. Rein logisch betrachtet.
Darüberhinaus ist es immer wieder faszinierend, wie versucht wird, Medienkonsumenten durch das Verzerren von Tatsachen und das Mischen von Realität, Wunschträumen und futuristischen Forschervisionen für dumm zu verkaufen. Faszinierend. Aber auch gruselig.

Gutenachtlied

17 08 2006

Wie ein Elektrokrachkollege im Geiste mir gerade durchkabelt, koffern Peter Murphy und Trent Reznor den Allzeit-Klassiker Warm Leatherette von The Normal. Grenzgeniales Gutenachtlied. Hörpflicht! Laut.

Landunter

15 08 2006

Werktags frühmorgens. Sehr früh morgens. Also so zirka gegen viertel vor neun. Der zweite Wecker hat längst schon gerappelt. Das tat er vor etwas über einer halben Stunde. Ein gelbgrün schimmernder Zombie äußerst aufgewecktes junges Bürschchen (moi: le Sil53r Surf3r) kriecht auf allen Vieren springt galant aus dem Bett, schlurft trantütig schlendert gelassen in Richtung Küche und tastet halbblind nach dem Wasserkocher wirft ersteinmal die Kaffeemaschine an. Dabei gibt er jämmerlich krächzende Laute von sich stimmt er ein fröhliches Liedchen an:

Morgens früh springt er aus'm Bett
Haut sein Bein hart auf's Parkett
Kocht sich 'nen Kaffee und klopft nebenbei
Den Löffel im Takt auf das Frühstücksei

Der Drummer mit dem Holzbein
Der haut so richtig rein
Der Drummer mit dem Holzbein
Der turnt die Leute an
Er spielt hart, so hart wie er kann
Und wenn er in Fahrt ist, bricht die Halle zusamm
Der Drummer mit dem Holzbein...


200 ml Koffein später ab in Richtung Dusche. Kalt, heiß, kalt, heiß, sehr heiß, "Aua!" Von wegen, Warmduscher seien Waschlappen. Pah! Kaltduscher haben kurze Schwänze. Da habt ihr's, ihr Luschen! Fit für den Tag. Tür auf, in einem Dampfschwall raus aus dem Bad, Richtung ... Es klopft. Wer ruft mir? An sich stehe ich ja nicht so darauf, mich dem Gasmann im Adamskostüm zu präsentieren. Hinterher bildet der sich noch was darauf ein. Der süße UPS-Lieferant von neulich wäre da schon ein ganz anderes Kaliber gewesen. Und Robbie Williams erst ...

Es klopft immer noch. Lauter. Nur dringt das Klopfen irritierenderweise von der falschen Seite der Tür. Aus meinem Wohnzimmer? Moment mal. Drei Schritte später klopft es immer noch. Aber diesmal von meiner Zimmerdecke. Und während ich noch hin und her überlege, welcher hirnrissige, völlig durchgeknallte Idiot wenig rücksichtsvolle Zeitgenosse freundlicherweise exakt über meinem bislang noch aspirinfreien Kopf herumhämmert, beginnt es dort droben immer schneller und lauter zu hämmern. Und dann fängt es auch noch an zu regnen.

Nun ist das Land nach der Hitzeperiode des vergangenen Monats bestimmt sehr ausgedörrt gewesen. Mancher Landwirt, Schrebergärtner und Hobby-Blumenzüchter wird den sich zunehmend bedeckenden Himmel und die aufziehenden Wolken der vergangenen Tage deshalb begrüßt haben. Vertreter dieser Gruppen dürften sich sogar über kleinere Regenfälle wie die Schneekönige amüsiert und dabei kleine Freudentänze aufgeführt haben. Was mich betrifft, bin ich von Regen generell weniger begeistert. Von diesem hier bin ich es erst recht nicht. An diesem Regen ist etwas ganz und gar nicht in Ordnung: Es regnet nämlich auf der falschen Seite des Fensters. Von meiner Zimmerdecke. Genauer gesagt, über meinem Schreibtisch.

Während es Grottenolme, Höhlenforscher oder auf Fungi spezialisierte Biologen durchaus begrüßen mögen, wenn sich ihr Domizil allmählich in ein Feuchtbiotop verwandelt, zähle ich zu jener etwas verbreiteteren Spezies von Zeitgenossen, die allen Flüssigkeiten in nichtdestillierter Form mit weitestgehender Abscheu begegnen. Dementsprechend mißtrauisch nehme ich das Nieseln von oben zur Kenntnis. Ich überlege, ob ich heute praktischerweise den schweineteuren, ultraleichten Designer-Regenmantel von Jack London (oder so ähnlich) tragen oder schlicht den Billigregenschirm für 2,50 Euronen aufspannen sollte (ersterer aus männerschweißdurchlässigem Spezialplastik, letzterer aus der Grabbelkiste der Drogeriekette Rossmann). In der Zwischenzeit wechselt das Klopfen zum maschinengewehrfeuerähnlichen Stakkato. Der Krach reißt mich jäh aus meinen Gedanken. Das Nieseln wird prompt zum Prasseln. Herrjemine! Das ist jetzt etwas weniger lustig.

Wasser läuft den LCD-Monitor herunter, patscht in die Tastatur, tropft auf die Bücher, bildet eine schmutziggelbbraune Lache auf dem Schreibtisch. Es schwemmt Briefe und Papiere zur Seite und färbt den Teppichboden in rasender Geschwindigkeit dunkel. Rasend ist auch Herr Surf3r, nämlich in Richtung Bad. Putzeimer unter die Stelle plaziert, unter der es am gröbsten runterkommt. Hand- und Bettücher, Bezüge und Laken und was sonst grad noch so greifbar ist, mit Händen und Füßen aus den Schränken gezerrt, über Monitor, Tastatur, Speichermedien, Bücher, kurz über den gesamten Schreibtisch geworfen, in die Klamotten gesprungen (danke, ich hatte heute schonmal geduscht), rauf zum Nachbarn, Sturmklingeln an der Wohnungstür, Sturmklingeln, nochmals Sturmklingeln und lauthals "Landunter, Landunter...!" schreien.

Drinnen rauscht es. Herrje, der duscht auch! Endlich hört es der Nachbar und stellt die Hygieneaktion ein. Etwas später läßt drunten der Regen nach. Nun tropft es nur noch verhalten von der Zimmerdecke. Herr Surf3r schüttet den Inhalt eines zu gut einem Drittel gefüllten Wassereimers in die Toilette, eine dreckig-gelbbraune Brühe, wirft ungefähr eine grob geschätzte Tonne Textilien in die Kochwäsche und verbringt den Rest dieses und des folgenden Tages damit, hektisch mit dem Vermieter zu telefonieren, Bücher auszuwringen, Briefe zu föhnen und Computer-Equipment auf dem Kopf zu stellen. Damit das Wasser die Dreckbrühe rausläuft.

Eine Woche offline. Das Zeug mußte schließlich erst trocknen. Interessanterweise hat es der Monitor schadlos überlebt. Die Produkte der Firma Wortmann kann man also besonders in feuchten Wohngegenden uneingeschränkt empfehlen.

Und das war jetzt das vierte Mal.

[Update] Songtext ergänzt. Ja, die akuten Schübe partieller Amnesie, mal wieder.

Google ogles at World Domination

14 08 2006

Wie ich gerade ergoogelt habe, sind Googles Anwälte der Ansicht, daß das Googeln in Google nicht länger politisch korrekt ist. Jedenfalls sollen amerikanische Zeitungen das Verb ihrer Meinung nach nicht mehr verwenden. Was sagt man dazu? "Shame on you, Google!?", steigerungsfähig zu "Fuck you, Google! There are still lots of alternative search engines! Let's google for some!?"

Als ob es jemals funktioniert hätte, dem Volk das Maul zu verbieten. In Zeiten höchster Unterdrückung war der sprachliche Erfindungsreichtum immer am größten. Dort, wo man offiziell den Mund nicht aufmachen darf, blühen scharfzüngige Satire und brillanter Wortwitz um so leuchtender im Verborgenen. Verbietet uns ruhig das große "T", die Farbe Magenta und die freie Meinungsäußerung im Internet! Verbietet uns kreative Wortschöpfungen und den Gebrauch des Verbs "googeln"! Nützen wird das in etwa soviel wie eine Bücherverbrennung.

Googles Anwälte gegen den Rest der Welt. Da packe ich doch in aller Gemütsruhe Cola und Popcorn aus. Film um elf.

[Update 2006-08-15] Inzwischen gibt es ebenfalls Artikel bei Golem und Heise darüber.

Kopien sind Werbung: Zum Thema "Raubkopie"

07 08 2006

Was immer man von gulli.com hält - und wahrscheinlich ist es für deren Nutzer schon ein alter Hut - die Beweggründe von Wir haben bezahlt!¹ kann ich nicht nur nachvollziehen, sondern prinzipiell unterstützen. Deren Fazit, "Ihr werdet verlieren!", teile ich allerdings nicht. Ich bin fest davon überzeugt, daß die Film-, Musik- und Content-Industrie eine äußerst mächtige Lobby hat. Sie schreckte bereits in der jüngeren Vergangenheit vor massiver Einflußnahme auf die Politik nicht zurück, um Restriktionen und Gesetzesänderungen zu ihren Gunsten zu bewirken. Die wie selbstverständlich propagierte Pauschalkriminalisierung regulärer Kunden, wie sie die vorige Kampagne gegen "Raubkopierer" beinhaltete, stellt ein leuchtendes Beispiel der zugrundeliegenden Geisteshaltung dar. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn sich aus der Menge dieser "Raubkopierer" eine Handvoll zur Wehr setzt.

Ich glaube an die Macht des Geldes, in einem negativen Sinne. Von daher glaube ich auch daran, daß das Schwergewicht der Kräfteverhältnisse auf Seiten der Musikindustrie liegt. Daran, daß sie im Tauziehen um den Umgang mit den Schutzrechten langfristig die Oberhand behalten und letzten Endes gewinnen wird, auf die eine oder andere Weise. Vermutlich stellen die großangelegten Medienkampagnen nur das Säbelgerassel vor potemkinschen Dörfern dar. Sie sollen der Ablenkung und Abschreckung dienen, während im Hintergrund wesentlich subtilere Maschen eingefädelt werden, um die eigenen Interessen durchzusetzen. Es ist bloß eine Spekulation, aber sie würde nach meinen bisherigen Eindrücken recht gut ins Bild passen. Nun, zumindest würde ich so vorgehen.

Was nicht heißt, daß man sich nicht wehren sollte. Ganz im Gegenteil! Gerade weil ich davon überzeugt bin, daß es sich im Grunde genommen um einen völlig aussichtslosen Kampf handelt, bin ich der Ansicht, daß man ihn ausfechten sollte. Allein aus Prinzip. Kampflos das Feld zu räumen bedeutete ein Eingeständnis der eigenen Ohnmacht und ein sich Dreinschicken in die Rolle des dummen Konsumenten, mit dem die Musikindustrie in ihrer jeweiligen Inkarnation umspringen kann, wie sie will. Womöglich ergeben sich während der Auseinandersetzung unvorhergesehene Überraschungen und eine Seite, die so gar nicht damit gerechnet hat, erlebt noch ihr blaues Wunder. Man wird ja wohl hoffen dürfen!

Übrigens kaufe ich die Musik, die ich höre. Sofern ich sie nicht von den Musikern selbst geschenkt bekomme (danke, Jörg!) oder sie sowieso frei verfügbar ist. Trotzdem behaupte auch ich: Kopien sind Werbung. Frage: Warum?

¹ Nur Textlink. Normalerweise speichere ich Bilder, die ich zeigen will, auf meinem Server ab, um Ärger mit schlafmützig reagierenden Linkzielen und sonstigen Streß zu vermeiden. Weil hinter dem Angebot aber eine GmbH steckt und ich keine Lust habe, mir irgendwie geartete rechtliche Diskussionen einzuhandeln, lasse ich die Grafik dort, wo sie ist. Bei der Firma nachzufragen, wegen ein paar Zeilen eines Blogartikels, dazu habe ich schlicht keine Lust. Der Diskussion um Copyright und die Rechtslage im Netz sei Dank. (Hint: Auf der Bannerseite fehlt der Hinweis, daß man die Grafiken auf dem eigenen Server verwenden darf.)