Spaß mit der Deutschen Bahn

24 09 2006

Laut einigen Medienberichten der vergangenen Tage ist "angeblich" ein Drittel aller Züge im Fernverkehr unpünktlich. Wie zu erwarten war, weist ein Sprecher der Bahn diesen Vorwurf weit von sich. Dabei dürfte bereits diese Zahl schon reichlich geschönt sein. Sie kommt auch nicht durch einzelne, auslösende Ereignisse zustande, sondern es handelt sich dabei um einen Dauerzustand. Gesprächen mit anderen Reisenden zufolge und in Anbetracht eigener Erlebnisse sind Verspätungen im Fernverkehr nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Sie betragen auch nicht bloß 10 bis 15 Minuten, sondern bis zu dreieinhalb Stunden - auf einer Strecke von fünfeinhalb Stunden Länge, wohlgemerkt. Ohne daß man den jeweiligen Zug verließ. Wie das möglich sein kann, weiß allein die Bahn. Wie auch immer ihre Vertreter diesen Zustand schönreden, er ist für das Unternehmen peinlich, für seine Kunden unzumutbar und insgesamt unhaltbar. Dabei beschränkt sich die Information der Fahrgäste seitens der Bahn in der Regel auf vier Standardausreden:

• "Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf wird der Zug xy vermutlich z Minuten später..."
• "Wegen Personen im Gleisbett..."
• "Wegen eines Schaden im vorderen Zugteil..."
• "Wegen eines Personenschadens..."

Gelegentlich - falls solche Durchsagen überhaupt erfolgen - wird der Nachsatz "Wir bitten um Entschuldigung" angehängt. Nein. Dafür nicht. Denn als permanten Zustand sind Verspätungen keineswegs zu entschuldigen. Nach meinem Eindruck, und dabei wiederhole ich mich längst, hat die Bahn weder ihre IT noch ihre Logistik wirklich im Griff. Am vergangenen Wochenende beispielsweise war die Verbindung auf der Hinfahrt tadellos und der Zug war pünktlich. Auf der Rückfahrt lag die Verspätung zu meiner großen Erleichterung bei lediglich 15 Minuten. Dieses Wochenende habe ich deshalb ganz dick und rot im Kalender markiert. Es war die bisher einzige Hin- und Rückfahrt zu meinem Ziel, die wenigstens halbwegs pünktlich war.

Ich fahre die besagte Strecke seit einem guten Jahr.

Boxen: Acht Runden mit Kieferbruch

24 09 2006

In Wetzlar kämpfte Arthur Abraham gegen Edison Miranda. In Runde vier brach ihm der Herausforderer den Kiefer. Trotz dieser schweren Verletzung und seiner starken Blutungen brach Abraham den Kampf nicht ab, sondern stand weitere acht Runden durch. "Sensationell", "starke Willensleistung", "davor ziehe ich den Hut", "selbst die amerikanischen Kommentatoren [...] waren beeindruckt" lauten einige der Kommentare.

Dagegen nenne ich das ein Gemetzel, Masochismus und selbstzerstörerischen Ehrgeiz jenseits jeglicher Vernunft. Der Trend, den eigenen Körper bis zur Invalidität zu schinden, zeigt nur, daß sich moderner Leistungssport längst meilenweit von einem sinnvollem Verhältnis zum Körper des Sportlers und dessen Gesundheit entfernt hat. Das in diesem Zusammenhang ebenfalls immer noch aktuelle Thema Doping ist letztlich auch bloß ein auf den ersten Blick nicht ganz so leicht erkenntlicher Ausdruck derselben Haltung. Unterstützt wird diese Entwicklung von den Medien, die auf der ständigen Suche nach Superlativen den Ruin einzelner Individuen bewußt in Kauf nehmen und sie sogar als Helden feiern. Beides halte ich für symptomatisch für unsere Gesellschaft. Als Zuschauer sollte man sich als Zeuge eines solchen Auftritts die Frage stellen, ob man noch einem Sportereignis beiwohnt oder lediglich anhand des destruktiven Exhibitionismus anderer seine voyeuristischen Bedürfnisse befriedigt.

Funtwo: Canon

22 09 2006



Achtung, Gitarren-Content! Elektroniker mit akuter Katzendarmallergie machen bitte einen möglichst weiten Bogen um diesen Eintrag. Nicht, daß es hinterher heißt, ich hätte nicht rechtzeitig vor Ohrenbluten und galoppierenden Anfällen von Headbangen Kopfknallen gewarnt. Heute ist offenbar der Tag der Musik. Sei's drum. Der YouTube-User Funtwo interpretiert die Rockfassung von Johann Pachelbels Kanon, die von JerryC geschrieben wurde, ebenfalls auf YouTube.

Und jetzt entschuldigt mich. Ich muß meine Gitarre verkaufen.

Popkomm ohne Popkommerz

22 09 2006

Nun, zumindest in der Nähe anwesender Vertreter des CCC ließen sich auf der Popkomm in Berlin die Spuren alternativer Vertriebswege verfolgen. Als hätte ich es vorhin geahnt. Wie auch Golem berichtet, verteilte der Chaostreff Regensburg parallel zur Musikmesse Popkomm in Berlin den kostenlosen Musik-Sampler "Pimp My Rights". Er kann aber auch von der Website des CCCR heruntergeladen werden. Und wo wir gerade schon von kostenloser Musik sprechen, möchte ich an dieser Stelle auf das von mir sehr geschätzte Netaudio-Label tonAtom sowie auf den Netlabels-Katalog netlabels.org aufmerksam machen. Viel Spaß beim Stöbern und kostenlosen Konsumieren! Hört euch um, mit Genuß und mit Bedacht.

[Update] Hörpflicht: 04. Paniq - Elektronische Musik

ROTFL! Das hat beinahe schon SENSELESS-GEBOLLAH!-Qualitäten. Es erinnert ein wenig an Michael Briels Spaßstücke (die sich allerdings nicht auf seiner Website befinden).

Vernünftige Preisgestaltung

22 09 2006

Hallo Film- und Musikindustrie!

Fight Club DVD, Standardausgabe: 2,99 €
Diverse Audio-CDs namhafter Künstler (Red Book konforme Standard-CD-DA, kein "Kopierschutz" o. ä.): 5,-- €

Na also. Geht doch. Hiermit schlage ich eine friedliche Einigung vor: Ihr sorgt dafür, daß derartige Ladenpreise Dauerzustand werden, und im Gegenzug sichere ich zu, jeden Monat eine dreistellige Summe in meine Medienbibliothek zu investieren. Na, sind wir im Geschäft?

Notiz: Gehörschutz kaufen!

22 09 2006

Nachricht von der anderen Seite des Atlantiks:

"Your new blinking, bleeping, blonking hand-made synth friend is FINALLY shipping!"

...Dinge, die man gerne hört.

Early adopter

20 09 2006

"Yours is the first request for firmware modifications."

Now, good question: should I be proud, afraid or simply embarrassed?

Die "Silver Surfer" kommen!

20 09 2006

Rosen sind rot,
Veilchen sind blau,
ich bin schizophren -
und ich bin es auch!


Also, nur um das nach mehreren Hinweisen besonders zu betonen, damit haben wir nichts zu tun. Wirklich absolut nichts! Und nach pittoresken Inhalten zu Phrasen gehobenen Niveaus wie "Sportlerinnen nackt" und "Busen am Oktoberfest 2006" wird man hier vermutlich ziemlich lange suchen müssen. So ungefähr, bis man schwarz wird. Jedenfalls ruhen wir zwar gelegentlich am Busen der Natur, in den Armen von Morpheus oder in denen diverser Musen, führen aber keinen Schweinkram, danke. Gehen sie bitte den Pfad entlang bis zur nächsten Suchmaschine. Jeder nur ein Kreuz einen Begriff.

Elektromixer

20 09 2006


Ja, wie geil ist das denn?! Als Ex-Trekkie und humble humpelnder Noisemaker kann ich vor Leuten, die sowas aus dem Zylinder zaubern, nur die Hand mit dem Vulkangruß erheben und meinen nichtvorhandenen Hut ziehen. (Via Isotopp)

Jamila Gavin: Die Stimmen des Waldes

19 09 2006

Jamila Gavin: Die Stimmen des WaldesEngland im 18. Jahrhundert. Der 14-jährige Meshak zieht an der Seite seines Vaters Otis Gardiner als Hausierer durchs Land. Doch Otis ist kein gewöhnlicher Händler. Getrieben von Geldgier hat er sich dem dunkelsten aller Geschäfte verschrieben: dem Handel mit Kindern. Meshak ist Teil des Ganzen und wird von Schuldgefühlen gequält. Und so nimmt er schließlich Reißaus, um eines der Kinder vor einer mehr als ungewissen Zukunft zu retten. Er ahnt nicht, was das Schicksal für ihn und seinen Schützling bereithält. Bis die Vergangenheit sie einholt ... (Klappentext)

"Ein ausgezeichneter historischer Roman", urteilte die Times. Das trifft es meiner Meinung nach auf den Punkt. Jamila Gavin bedient sich einer warmen, lebendigen Sprache und breitet die Handlung zielstrebig, aber ohne Hast vor ihren Lesern aus. Obwohl es sich hierbei um einen Jugendroman handelt, ist dieses Buch auch für Erwachsene durchaus lesenswert. Es erinnert an die dunkle Zeit, als Kinder in der Welt der Erwachsenen praktisch wertlos und ohne jede Rechte waren. Und daran, daß Menschenhandel, Kindesmißbrauch und Kinderprostitution nicht erst Erfindungen der Neuzeit sind.

"Familien-Saga über Liebe, Verrat und einen großen Traum", meint der Verlag dazu. Stimmt. - Bereits am Sonntagnachmittag mit großem Vergnügen gelesen. Ohne Unterbrechung.

Meine Wertung:  •••

DHL: Ihre Packstation vermisst Sie!

19 09 2006

Nachtrag. Diese Mail trudelte heute gegen Mittag ein und landete ohne mein Zutun - ich schwöre heilige Eide! - prompt im Spamfolder:

Ihre Packstation vermisst Sie!

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Hallo
[Sil53r Surf3r],

vielen Dank für Ihre kürzliche Anmeldung zum kostenlosen PACKSTATION Service.

Bislang hat PACKSTATION Sie ja leider noch nicht begrüßen dürfen, da Sie den Service noch nicht in Anspruch genommen haben. Daher möchten wir Ihnen gerne anbieten, in dieser Informations-eMail eventuell noch bestehende Fragen zu beantworten.

Ich würde mich freuen, wenn Sie unseren PACKSTATION Service bei Ihrer nächsten Bestellung im Versandhandel oder auch bei Privat-Paketen einfach einmal ausprobieren. Es ist wirklich kinderleicht, überzeugen Sie sich selbst!

Mit den besten Grüßen,


N. N.
Leitung Marketing & Vertrieb PACKSTATION
[...] (Viel Überflüssiges, weil Ungefragtes)

Sind sie nicht süß in ihrer täppischen Unbeholfenheit? - Inhaltlich ist das absolut unrichtig. Mir liegt ein langes, auf auf toten Baum altmodisches Papier gedrucktes Schreiben vor, in dem ich erstens überschwenglich begrüßt und zweitens beim "innovativsten Service für Ihre Pakete" willkommengeheißen werde. Ja, sogar ein Begrüßungsset samt Köderwerbung Gutscheinen habe ich erhalten, man stelle sich das einmal vor!

Natürlich dürfen sie. Aber nach Möglichkeit nur einmal, wenn's recht ist. Dann habe ich in der Regel begriffen, daß ich eine potentielle Einnahmequelle ein willkommener Kunde bin. ... Jetzt schreiben mir Schließfachautomaten schon Mails. Ich bin reich berühmt sexy ein Nerd! Haach!

Gehabt abenteuerliche Orthografie. Unverlangt zugesandte HTML-Mail. Geht sterben.

Endlich, DHL! Oder: Packstation unerwünscht

19 09 2006

Die Zusage wurde eingehalten. Um 11:40 Uhr - ich hatte schon fast nicht mehr daran geglaubt - stand ein DHL-Fahrer vor meiner Bürotür. Er drückte mir ein Päckchen von etwa der Größe eines dicken Buches in die Hand und schob einen braunen Plastikkasten in Richtung meines Solarplexus. Rasch und ohne sonderliches Bemühen um einen hohen Wiedererkennungswert kritzelte ich etwas Unleserliches auf die winzige Glasfläche, die er mir hinhielt. Diese Krakelei soll nun eine wie auch immer geartete Relevanz haben? Meine Unterschrift war es jedenfalls nicht, was ich auf dem Touchscreen seines portablen Gerätes hinterließ. Dazu waren das Schreibfeld zu klein, die Oberfläche nicht sensitiv genug und der Schreibwinkel viel zu ungünstig. Aber wenn es die Herren vom Zustelldienstleistungsservice glücklich macht ...

Um dieses Päckchen zu erhalten, mußte ich zweimal ausführlich mit der Hotline telefonieren und mit insgesamt fünf MitarbeiterInnen sprechen. Die nächste Postfiliale ist ungefähr 1,8 Kilometer und die nächste Packstation, wie bereits gesagt, 140 Meter von meinem Wohnort entfernt. Apropos Packstation: Ich erwarte noch eine weitere Lieferung. Dieser Händler möchte seine Ware auf jeden Fall über einen anderen Zustelldienst versenden. Ich kann das gut verstehen. Als Empfänger war dieses Theater schon nicht sehr angenehm. Für einen Händler muß es ein Geschäftsrisiko darstellen.

DHL Hotline-Mitarbeiter lügen oder Packstation, die zweite

18 09 2006

Auf der Suche nach meinem Paket vom 14. des Monats und nach dem ersten Spaß mit der DHL beschloß ich soeben - jetzt erst recht zähneknirschend - noch einmal bei der Hotline anzurufen. Diesmal will es kurz machen. Das übliche Spiel, nuttige Menüansage, Werbung, WERBUNG, etc. pp.

CCA (Callcenter-Agent Nr. 1, männlich): (ist immerhin in der Lage, mit meiner tatkräftigen Unterstützung schon beim ersten Versuch die korrekte Sendungsnummer zu ermitteln, Pluspunkt an ihn) "Wie ist denn ihre Adresse?"

Moi (Sil53r): "Soundso. Aber die Zustellung sollte an eine Packstation erfolgen, nicht an meine Adresse."

CCA: "Oh. ... Ja, die Sendung ist schon in der Packstation eingelegt."

Moi: "Ähm, super - aber in welcher? - Und weshalb bekomme ich darüber keine Nachricht per SMS?"

CCA: "Ja, äh, in welche sollte das denn gehen?"

Moi: .oO(WIST MICH VERARSCHEN, MANN?!?) "(Packstationnummer & Adresse)"

CCA: "Moment, das mache ich dann sofort fertig. Wie lautet denn ihre Festnetz- oder Mobilnummer?

Moi: .oO(WIST MICH - ach, togal ...) "(Mobilnummer)"

CCA: "Moment, ich verbinde sie an die zuständigen Kollegen weiter." (Tüüt. Werbung, WERBUNG, etc.)

Moi: .oO(FIIIEP!) "?!?"

CCA (Callcenter-Agent Nr. 2, weiblich): "(Handshake)"

Moi: "(Wo ist meine Expreß-Paketsendung?)"

CCA: "(Sendungsnummer? Adresse?)"

Moi: "(Sendungsnummer, Adresse)"

CCA: "... ooo OOO!!! - Moment, ich verbinde!" (Tüüt. Werbung, WERBUNG, etc.)

Moi: .oO(tapp, tapp, tapp ...)

CCA (Callcenter-Agent Nr. 3, männlich): "(Handshake)"

Moi: "(Wo ist meine Expreß-Paketsendung?)"

CCA: "(Sendungsnummer? Adresse?)"

Moi: "(Sendungsnummer, Adresse)"

CCA: "Die Sendung stellen wir ihnen gerne noch einmal an ihre Adresse zu."

Moi: .oO(WIST MICH VERGACKEIERN, MANN?!?) "Am 14. wurde mir zugesagt, daß sie in eine Packstation zugestellt werden könnte."

CCA (Tonfall "Pfft, da könnte ja jeder kommen!"): "Das wäre mir vollkommen neu. Das ist gar nicht möglich."

Moi: "Eben noch wurde mir zugesagt, daß die Sendung bereits in eine Packstation eingelegt wurde."

CCA: "Das wäre mir vollkommen neu. Die Sendung lagert im Betriebszentrum in Köln."

Moi: .oO(&§$#*) "Ich hätte sie gern an eine Packstation zugestellt."

CCA: "Das geht bei Expreß-Sendungen nicht."

Moi: .oO(Geht's vielleicht noch etwas informativer?) "Warum geht das nicht?"

CCA: "Weil Expreß-Sendungen nur gegen Unterschrift ausgehändigt werden."

Moi: "Ich denke, die GoldCard mit PostNummer (und Urkunde, Blinken und Tuten) ist so gut wie eine Unterschrift?"

CCA: "Das geht trotzdem nicht."

Moi: "Und warum nicht?"

CCA: "Weil die Auftraggeber in der Regel eine reale Unterschrift als Bestätigung wollen."

Moi: .oO(FIIIEP!) (Und dazu das ganze Brimbrorium mit noch einer weiteren, ansonsten völlig überflüssigen Plastikkarte, Datenerhebung par excellence, PIN und Nummer und Zustellung per Einschreibung, Abgabe nur per Unterschrift und Personalausweisüberprüfung? Ja, spinnen die, die Postfrösche? Heutzutage muß man wohl kräftig mit der Zeit gehen und antik sein.)

CCA: "Sie können die Sendung gerne bei uns abholen."

Moi: .oO(TOCK! TOCK! TOCK!) "Auf gar keinen Fall. Das Betriebszentrum ist 36 Kilometer von meinem Wohnort entfernt. Das ist keine Option."

CCA: "Dann können wir sie an ihre Adresse zustellen. Alternativ an eine andere Adresse."

Moi: "Ok: (Arbeitgeberadresse)"

CCA: "(Morgen bis 12:00 Uhr)"

Na, da bin ich jetzt aber mal gespannt...

Fazit:

1. Eine Sendung mit DHL Expreß zu verschicken dauert länger als eine per DHL auf den "normalen" Weg zu bringen,
2. es kostet zusätzlich zu den Paketgebühren mindestens zwei gebührenpflichtige Anrufe bei der Hotline, inklusive gebührenpflichtiger Werbung,
3. DHL-Hotline-Mitarbeiter lügen:

    1. Lüge 14.09.: "Die Sendung kann an eine Packstation zugestellt werden."
    2. Lüge 14.09.: "Die Sendung wird an eine Packstation zugestellt werden."
    3. Lüge 17.09.: "Die Sendung ist bereits in eine Packstation eingelegt."

Ohne weitere Worte. Service-Wüste Deutschland.

Jubiläen, Jubiläen

17 09 2006

Vor wenigen Tagen wurde der Chaos Computer Club 25. Heute wurden Linux 15 und die LP 75 Jahre alt. Sowohl zum CCC, zu Linux als auch zur Schallplatte bietet die deutsche Wikipedia übrigens auch noch ausführlichere Informationen an. Allen Jubilaren ganz herzliche Glückwünsche. Dafür, daß es sie gab. Dafür, daß es sie gibt. Dafür, daß es sie noch gibt. Und ganz besondere für's Überleben. Ohne sie wäre die Welt um einiges ärmer.

Spaß mit der DHL oder Packstation, die erste

14 09 2006

Unterwegs: 1 Auslandssendung
Empfänger: Packstation-Kunde
Zusteller: DHL Express

Der DHL-Zusteller trifft den Empfänger nicht an, da dieser zur arbeitenden Bevölkerungsschicht zählt. Er hinterläßt eine Nachricht mit der Sendungsnummer und folgenden drei Optionen:

a) kostenpflichtige Servicenummer anrufen
b) kostenlose Zweitzustellung am Folgetag vereinbaren (Wie? Etwa durch Anruf der kostenpflichtigen Servicenummer..?)
c) Sendung selbst abholen. In Köln. In einem der Gewerbegebiete. 36 Kilometer vom Wohnort des Empfängers entfernt.

Weil b) nicht durchführbar und c) eher als Frechheit denn als Option anzusehen ist, ruft der potentielle Empfänger demnach zähneknirschend bei a) an. Es folgt eines der üblichen, computergenerierten Menüs. Die Stimme der Automatenansagerin würde weitaus dubioseren Hotlines alle Ehre machen. Mit "pornoesk" ist sie jedenfalls nur unzulänglich beschrieben. Im Menü werden lediglich auf diesen Fall nicht zutreffende Wahlmöglichkeiten angeboten. Der Gebührenzähler tickert. Der Noch-nicht-Empfänger entscheidet sich für die naheliegendste Option: Inlandssendung. Das Paket ist ja schließlich schon im Lande und soll bloß noch zugestellt werden... Es folgt Werbung. Der Gebührenzähler tickert. ES FOLGT WERBUNG. ...

Man muß sich allen Ernstes zwei Werbespots anhören, bis einen das System schließlich zu einer Humanressource in Form eines menschlichen Callcenter-Agents durchstellt. Als erstes beschwert sich der Noch-nicht-Empfänger deshalb nach dem Handshake in höflichen, aber deutlichen Worten bei der netten Dame am anderen der Leitung darüber, für unverlangte Werbespots bezahlen zu müssen. Dann folgt ein Informationsaustausch, der bei der Nennung der Sendungsnummer die Reaktion "Das ist eine Auslandssendung! Moment, ich stelle sie zu einem zuständigen Kollegen durch." zur Folge hat. Aha. Damit weiß ich wenigstens schonmal ungefähr, worum es sich bei der Sendung handelt. Vorher erfragt sie noch meinen Nachnamen - ich buchstabiere - und meine Telefonnummer. Es folgt Werbung. Der Gebührenzähler tickert. ES FOLGT WERBUNG. ...

Innerlich auf 180, bleibe ich äußerlich ruhig und nenne dem zweiten Agenten, diesmal männlich, mein Anliegen. Er meint, das sei überhaupt kein Problem - und fragt nach meinem Namen. Wie bitte? Ich nenne ihn. Dann fragt er nach meiner Telefonnummer. Moment, hatte ich nicht eben bereits..? Und wozu? Ich nenne meine Telefonnummer. Der Gebührenzähler tickert. Er fragt nach der Sendungsnummer. Ich nenne sie. Er findet keinen Vorgang und fragt, ob die Angabe auf dem Benachrichtigungsschein eventuell unleserlich sei. Das kann ich ihm allerdings voll und ganz bestätigen! Dann starten wir einen Vermutungs- und Rateversuch. Er findet keinen Vorgang. Der Gebührenzähler tickert. Ich mache den Vorschlag, stattdessen in den Datenbeständen nach meinem Namen zu suchen. Er meint, das könne man machen und fragt nach meinem Nachnamen. Ich nenne ihn. Er läßt ihn sich buchstabieren. Der Gebührenzähler tickert. Dann fragt er nach meiner Adresse.

Ich nenne ihm bereits den Straßennahmen, als ich mich unterbreche. Mir ist etwas aufgefallen: "Sagen sie, tragen sie meine Adresse etwa gerade in die Eingabemaske für eine erneute Zustellung ein?" Er reagiert prompt, indem er meine Vermutung bestätigt. Ich antworte, daß ich mir stattdessen die Zustellung an eine Packstation wünsche. Das Schulterzucken am anderen Ende ist noch durch die Leitung zu hören: "Ja, können wir auch machen." Worauf er in einem Tonfall nach der Stationsnummer fragt, der vermuten läßt, daß er auf diese Frage keine brauchbare Antwort erwartet. Ich nenne ihm die Stationsnummer. Er nimmt den Vorgang auf, bestätigt, höfliche Verabschiedung, Telefonat Ende.

Trotzdem bin ich verärgert. Weshalb?

• Der momentan gerade in Bonn als Ursprungsort (Webeaussage in etwa: "In Bonn gemacht. Für Bonner.") massiv beworbene Packstation-Service ist eine Dienstleistung der DHL. Packstationen sind zwar sinnvoll, weil sie wesentlich flexibler sind als der derzeitige Zustelldienst. In erster Linie helfen sie aber der DHL. Nämlich, Logistik- und Personalkosten einzusparen. Der positive Effekt für den Kunden dürfte dabei weitestgehend en passant abfallen.

• Wenn dieser Service eine Dienstleistung der DHL ist, weshalb hat DHL als zustellendes Unternehmen dann keine Kenntnis darüber, daß der Empfänger Packstation-Kunde ist?

• Weshalb wird eine Sendung, die wegen Abwesenheit des Empfängers nicht zugestellt werden kann, nicht automatisch an die nächstliegende Postfiliale (und/oder in diesem Fall Packstation) ausgeliefert?

• Weshalb wird man in einer kostenpflichtigen Service-Hotline unverlangter Werbung ausgesetzt, für die man demnach bezahlen muß?

• Weshalb haben die Callcenter-Agents der Service-Hotline keinen Zugriff auf die - nach der Anmeldeprozedur für die Packstation zu urteilen - umfangreichen Adreßdatenbestände der DHL und müssen sich Empfangsadressen deshalb von den Kunden vorbuchstabieren lassen?

• Weshalb geht diese Information bei der Weiterschaltung von einem Callcenter-Agent zum nächsten verloren und muß dadurch noch einmal abgefragt werden? Verwenden die Callcenter etwa keines der üblichen Ticketing-Systeme zur Vorgangsverfolgung und -bearbeitung?

• Was geschieht mit den erfragten Daten?

• Weshalb ist auf dem Benachrichtigungsschein zwar eine Sendungsnummer, aber nicht ihr Typ vermerkt, so daß man als Kunde die Sendung vorab nicht zuordnen kann? Vor allem, wenn mehrere Sendungen (gut für die DHL!) unterwegs sind, ist eine Identifizierung dadurch unmöglich.

• Weshalb wird, wenn die Nummer schon handschriftlich eingetragen wird, dies in einer Schrift getan, die ein eindeutiges Entziffern der notierten Zahlen(!) unmöglich macht?

• Weshalb führen DHL-Zusteller keine Geräte mit beispielsweise integrierten Thermodruckern mit sich, die solche Benachrichtigungen ausdruckbar und damit eindeutig lesbar machten?

Joa, simma denn noch in der Steinzeit? Der Versuch, die Packstation als moderne Dienstleistung zu bewerben, ist jedenfalls zum Scheitern verurteilt, wenn das Umfeld nicht stimmig ist. Ein Dienst, der keine klaren Schnittstellen zur Anbindung an andere Systeme mitbringt und darüber sauber ins Unternehmen eingebunden werden kann, erzeugt hohe Integrationskosten und in der Folge höchstwahrscheinlich auch großen Wartungsaufwand. Das eben geführte Telefonat und der ganze Vorgang an sich sprechen nicht eben für einen reibungslosen Workflow und eine zentralisierte Datenbestandshaltung. Von einer Anbindung der involvierten Applikationen an einen solchen scheint man jedenfalls nicht ausgehen zu können. Was das an Potential vergeudet und Kosten verursacht, möchte man sich lieber nicht ausmalen. Vielleicht sollte ich mich einer Unternehmensberatung anschließen.

Die nächstgelegene Packstation ist laut DHL übrigens 140 Meter von meinem Wohnort entfernt.