Deutsches Bildungssystem? Welches deutsche Bildungssystem?

13 09 2006

Werbeplaket einer Buchhandlung, LeipzigEiner aktuellen OECD-Studie zufolge hinken nicht nur internationale Vergleiche, sondern auch das deutsche Bildungssystem. Paranoikern und Auguren zufolge ist es schon etwas länger fuß- und lendenlahm. Ungefähr geschätzte zwei bis zweieinhalb Jahrzehnte. Aber was soll man auch machen, wenn selbst Buchhandlungen obskure Plakate wie das nebenstehende ins Schaufenster hängen, während sich drinnen Dialoge wie der folgende abspielen, der aus zuverlässiger Quelle kolportiert wurde:

Kommt heute Nachmittag ein Mädel, blond, Modepüppchen, zu mir. Ihr Handy aufgeklappt in der Hand. "Ich suche ... äh ... äh Antidone."

Ich versetze meine grauen Zellen in Aktivität. "Anti-do-ne?!" (Extreme Betonung auf den letzten Silben)

Sie schaut auf ihr Handy: "Antidone."

Ich zweifle an mir selbst, gebe das vorsichtshalber mal in den PC ein. Der zeigt keine Reaktion. Man möchte seine Kunden ja nicht verbessern, aber das ...
"Meinen sie vielleicht 'Antigone', von Sophokles?"

Sie schaut mich an, als sei ich vom Mars. "Äh ... weiß nich. Soll ich nur mitbringen. Zeigen sie mal her."

Ich hole den Titel aus dem Regal.

Das Mädel besieht sich das Buch und kommt zu dem Schluß: "Das wird das sein. Da habe ich mich halt verhört."

Und bezahlt 1,30 € mit EC-Karte - mit der Karte von der Freundin.


Aber auch in schriftlicher Form klappt die Kommunikation nicht unbedingt besser. Eine Bad Godesberger Buchhandlung bewarb neulich den jüngsten Roman von Frank McCourt mit einem Plakat, dessen Text wie folgt lautete:

"Für alle Fans von 'Die Asche meiner Mutter'! Der neue Frank McCourt ist da!"

Toilettenkritzelei, Flughafen FrankfurtWenn also selbst aus Buchhandlungauslagen ein sprachliches Feingefühl dröhnt, daß förmlich die Fensterscheiben klirren und Vorbeigehende sich unwillkürlich krümmen - ob vor Schmerzen oder Lachen, sei einmal dahingestellt - dann braucht es nicht weiter zu verwundern, wenn es auf stillen Örtchen nicht viel besser aussieht. Wenigstens krümmt man sich dort freiwillig. Meistens, jedenfalls. Manchmal aber sind es nicht alleine Altershürden, die eine Verständigung verhindern.

Windows und Sicherheit

12 09 2006

Angesichts des 25jährigen Bestehens des CCC möchte ich noch einmal auf ein ganz besonders wichtiges Thema zu sprechen kommen: Sicherheit. Als Netzwerk- und Systemadministrator befindet man sich ständig in einem niemals auflösbaren Zwiespalt. Einerseits möchte man seinen Nutzern eine konstante Verbindung ins Internet anbieten. Andererseits muß diese Verbindung so stark wie nur irgend möglich abgesichert werden, um ebendiese Nutzer an Pornodownloads zu hindern vor größtmöglichem Schaden durch Angriffe von außen zu bewahren. Werfen wir deshalb einen kurzen Blick zurück auf die Geschichte eines Übertragungsprotokolls.

Um die Stabilität einer bestehenden Anbindung zu garantieren, wurde bereits vor über anderthalb Jahrzehnten ein Übertragungsstandard geschaffen, der auch in kritischen Situationen¹ vor Ausfällen gefeit ist. Er nennt sich ein wenig langatmig "Standard for the transmission of IP datagrams on avian carriers" und wurde in Form des RFC 1149 kurzerhand offiziell eingereicht. Leider stieß er damals wegen der etwas umständlichen Implementation auf keine allzu große Gegenliebe. Elf ganze Jahre mußten vergehen, bis das darin beschriebene Protokoll für den Transport von IP-Paketen über aviane Carrier, kurz CPIP (Carrier Pigeon Internet Protocol) erstmals erfolgreich umgesetzt wurde. Auch in der Praxis durchaus sinnvolle Anwendungen wie das darauf aufbauende Mail2Dove - eingehende Mail wird per Brieftaube zugestellt - konnten sich niemals wirklich durchsetzen.

Dennoch ist dieses Protokoll höchst attraktiv. Es ist wesentlich stabiler und ausfallsicherer als jede moderne, hochkomplizierte und daher inhärent fehleranfällige Technik. Durch den geringen Bekanntheits- und Verbreitungsgrad sind Angriffe zudem äußerst selten. Experten bezeichnen diese Art des Schutzes daher sehr treffend als Security by obscurity. Weil praktisch in jeder größeren Stadt Unmengen von avianen Carriern und damit auch ein nahezu unerschöpflicher Vorrat an CPIP-Paketträgern zur Verfügung stehen, ist die Stabilität der Datenübertragung hinreichend sichergestellt. In meinem Arbeitsumfeld wird es beispielweise als Failover-Lösung eingesetzt. Falls bei einem Ausfall des Glasfasernetzes nacheinander das kupfergestützte Netz, WLAN, das Netzwerk über die Stromleitung, die Modem-Verbindung und der Turnschuh-Admin ausfallen, wird automatisch auf CPIP umgeschaltet.

Doch wie sieht es mit der Sicherheit aus? Auch in Hinblick auf Sicherheit kann CPIP punkten. Wir haben in unserem Anwendungsbereich lediglich eine der üblichen und daher überall leicht erhältlichen Personal Firewalls unter Windows installieren müssen, um vor bösartigen Angriffen, fehlgeleiteten Paketen und DDoS²-Attacken wirkungsvoll geschützt zu sein. Sie mußte nur geringfügig modifiziert werden, um den bereitgestellten Schutz auch auf das CPIP-Protokoll auszudehnen. Hierbei handelt es sich um eine sogenannte Stateful-Inspection-Firewall mit den Stati WO/WC (Window open / Window closed) und modernster See-Thru-Filtertechnik. Unsere Illustration zeigt die Abbildung eines CPIP-Paketes, dem die "Window"-Information im Header fehlte. Wie sich anhand der grafischen Darstellung unschwer erkennen läßt, wurde das fehlerhafte Paket von der von außen praktisch nicht sichtbaren Firewall prompt abgelehnt. Unsere Nutzer blieben daher sicher und geschützt.

Fazit: Umsichtig implementiert und sinnvoll angewandt, kann CPIP einen wertvollen Beitrag zur Erhöhung der Nerdswerksicherheit und -stabilität liefern. Durch Ausfälle verursachte Umsatzverluste werden minimiert, und die konstante Produktivität der Anwender wird auf unternehmsweit hohem Niveau sichergestellt. Die TCO (Total Cost of Ownership) wird sinken. Ihre Aktien sowie Ihr Gehalt werden steigen. Web 2.0 rückt in Sichtweite.

¹ Wie beispielsweise Terroranschlägen, Überflutungen, Hitzewellen, von Putzfrauen gezogenen Netzsteckern in Serverräumen und sonstigen Katastrophen
² Dove Denial of Service. Diese Attacken werden häufig von Rentnern und kleinen Kindern durchgeführt, indem sie in der Luft, also auf dem Transportwege, befindliche aviane Carrier herablocken und sie beispielsweise mit Gammelfleisch und Brotkrumen füttern. Durch die lokale Akkumulation und temporäre Bindung von CPIP-Paketen treten signifikante Verzögerungen in der Datenübertragung (Lag) auf. Im Anschluß kommt es zu Timeouts und in den Büros zu Tumulten. Wenig später bricht die Verbindung in der Regel völlig zusammen. Es ist wohl überflüssig, zu erwähnen, daß DDoS in den allermeisten Großstädten verboten sind und von den Ordungsamtshütern dementsprechend geahndet werden.

25 Jahre Chaos Computer Club

12 09 2006

Den Chaos Computer Club gibt es inzwischen seit 25 Jahren. Und in diesen Zeiten, in denen mit dem Totschlagsargument Terrorismusbekämpfung das Recht auf informelle Selbstbestimmung sowie immer mehr Persönlichkeitsrechte beschnitten werden, ist die Existenz des Vereins und seines Umfelds wichtiger denn je. Dankenswerterweise bringt Golem eine recht gute Zusammenfassung von dessen Ursprung und Zielen. Mehr Informationen finden sich auf den Seiten des CCC selbst.

[Update]: Heise zieht mit einem Bericht nach.

What Type of Writer Should You Be?

10 09 2006


You Should Be a Film Writer
Film
You don't just create compelling stories, you see them as clearly as a movie in your mind. You have a knack for details and dialogue. You can really make a character come to life. Chances are, you enjoy creating all types of stories. The joy is in the storytelling. And nothing would please you more than millions of people seeing your story on the big screen!

Eigentlich finde ich solche Quizs in der überwiegenden Mehrheit albern. An diesem Ergebnis ist allerdings interessant, daß die Kurzgeschichte, an der ich zur Zeit schreibe (und vermutlich noch etwas länger schreiben werde), auf genau die geschilderte Art und Weise entsteht. Ich entwickle Bilder und "Filmszenen", die erst dann, wenn sie mir aussagekräftig erscheinen, schriftlich skizziert werden. Daraus entsteht ein Handlungsverlauf (Film: "Storyline"). Sobald dieser in sich schlüssig ist, werden die einzelnen Szenen detailliert ausgearbeitet. Ob diese Arbeitsweise besser oder schlechter ist als andere, wage ich nicht zu beurteilen. Auch nicht, ob sie überhaupt brauchbare Ergebnisse liefern kann. Aber das ist auch gar nicht der Punkt. Überrascht hat mich hierbei das zufällige Zusammentreffen des Quizergebnisses mit meiner derzeitigen Vorgehensweise. Einzig dem letzten Satz kann ich ganz und gar nicht zustimmen. Denn erstens wäre mir das nun wirklich eine Nummer zu groß, und zweitens möchte ich doch sehr stark annehmen, daß weder mein Humor noch meine Phantasie wirklich massenkompatibel sind.

(via artificial)

P.S.: Und es nervt, wenn man anderer Leute HTML entkäfern muß. Vor allem, wenn bloß derartige Winzschnipsel produziert werden. Lest die verdammten Specs, Herrgottnochmal! W3C existiert. Webstandard-Analphabeten, alle miteinander. Argh...

Schwankender Heimweg

10 09 2006

Drei Kotzlachen nacheinander auf dem Gehsteig, jeweils im Abstand von fünf oder sechs Schritten. Zwischen der zweiten und dritten eine halbgerauchte, noch qualmende Zigarette. Keine zehn Meter weiter die Scherben eines Kölschglases auf den Steinen. Zusammen erzählen sie die Geschichte eines mühevollen Heimwegs.

Audio-CD-Archivierung

09 09 2006

Ich schreibe gerade an einem praxisorientierten Artikel zum Thema Audio-CD-Archivierung. Er behandelt das Anlegen eines Audio-Archivs und das Auslesen von CDs unter Windows 2000 und XP. Später soll er noch mit Unterthemen wie Massen-Tagging, ReplayGain-Applizierung, Organisation und Verwaltung des Archivs sowie Streaming der Inhalte über das Netz ergänzt werden. Grundlage hierfür bilden bereits bestehende, im Web erhältliche Anleitungen, Forenbeiträge und freie Software.

Während des Schreibens fällt mir auf, wieviel Zeit ich in dieses Thema bereits investiert und wieviel Hintergrundwissen ich mir dabei angeeignet habe. Es dürfte sich längst um etliche Abende und eine zweistellige Anzahl von Stunden handeln. Interessant ist, daß ich die erworbenen Kenntnisse inzwischen unbewußt voraussetze. Die größte Schwierigkeit beim Schreiben des Artikels ist daher, dieses Wissen in kompakter, aber verständlicher Form einfließen zu lassen. Und das, ohne dem Leser zuzumuten, darüber zum Experten zu mutieren.

Praxisorientierte Anleitungen sollten meiner Meinung nach dazu verhelfen, mit möglichst geringem Aufwand gute bis sehr gute Ergebnisse zu erzielen. Darüberhinaus sollten sie auf weiterführende Lektüre verweisen, so daß sich der Leser auf Wunsch tiefer in die Materie einarbeiten kann, um seinen Wissensstand und damit gleichzeitig auch die erreichten Ergebnisse zu verbessern. Aber auch ohne dieses Hintergrundwissen sollte man anhand des Artikels bereits in der Lage sein, zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen.

Hast du den Mond gesehen?

09 09 2006

Blick von der Viktoriabrücke in Richtung Hauptbahnhof, BonnBlick von der Viktoriabrücke in Richtung Heinrich-Böll-Ring, BonnBlick von der Endenicher Allee auf die A565 am Endenicher Ei, BonnDer Mond

Wind aus dem Mond,
plötzlich ergriffene Bäume
und ein tastend fallendes Blatt.
Durch die Zwischenräume
der schwachen Laternen
drängt die schwarze Landschaft der Fernen
in die unentschlossene Stadt.


[Rainer Maria Rilke, "Herbst-Abend"]

Ja. Wie könnte ich nicht...

Stahltanz

04 09 2006

Leipzig, 2006Leipzig, 2006

Eva Herman sollte öfter mal den Mund halten

04 09 2006

Die deutsche Paris Hilton im Interview mit der Bild am Sonntag. Bisher ging ich immer von der Annahme aus, daß die Hotelkettenerbin zwar eine geschickte und erfolgreiche Geschäftsfrau im Bereich der Selbstvermarktung, aber nicht eben mit sämtlichen Wassern der Weisheit gewaschen ist. Voller Verblüffung muß ich feststellen, daß es hierzulande eine ebenfalls blonde Frau gibt, die sie in geistreichen Floskeln mühelos unterbietet. Und zwar so sehr, daß man Neuendorf eigentlich noch unterkellern müßte, um dafür ein angemessenes Niveau zu schaffen. Wer immer diese Frau für ihre antiquierten Platitüden bezahlt hat, muß eine Menge Geld investiert haben. Irgendwer kann offenbar Alice Schwarzer ü-ber-haupt nicht leiden.

Was ich überhaupt nicht leiden kann ist, wenn sich eine Ex-TV-Schranze über meinen Apfelkuchen mokiert. Meine Gäste pflegen ihn nämlich ausnahmslos ganz vorzüglich zu finden. Kein Wunder, bofrost* liefert schließlich nur 1A-Ware. Und weder wegen etwaiger Blumengebinde noch über zwecks Erzeugung romantischer Stimmung an stragischen Punkten in meiner Wohnung verteilte Kerzen hat sich je eines meiner Dates negativ ausgelassen. Deshalb verbitte ich mir derlei Diskriminierungen, die eine genetische Disposition oder das Ding zwischen meinen Beinen als Begründung anführen. Ich kann schließlich nichts dafür, daß mir irgendwann einmal solch ein Schwänzchen gewachsen ist.

Weiterhin kann ich es im Kloputzen mühelos mit jeder Frau aufnehmen. Mein Geschirr glänzt sauberer als die Gläser, die ich im Dunkel so manchen Frauenhaushaltsküchenschrankes vorgefunden habe. Frauen sind übrigens notorisch gut im Horten Aufbewahren abgelaufener Lebensmittel. Wer das als Frau nicht glaubt, braucht bloß einmal die Haltbarkeitsdaten von Reis, Mehl oder Puddingpulver im heimischen Vorratsschrank zu kontrollieren. Nichts gefunden? Nun, was ist dann mit der verklebten Maggiflasche aus dem vorigen Jahrhundert, dem versifften Speiseölkännchen hinten in der Ecke oder dem Curry von der Urlaubsreise vor über einem halben Jahrzehnt? Ha!

Von mir aus kann mich Frau Hermann einmal im Mondschein besuchen. Trotz der billigen Promokampagne für ihr "Buch" werde ich dieses Elaborat ganz gewiß nicht käuflich erwerben. Ich stehe halt nicht so auf Pulp Fiction. Aber sie darf gerne in einem frisch aus dem Ofen gezogenen Apfelkuchen Platz nehmen. Vielleicht inspiriert sie das zu weiteren geistigen Höhenflügen zum Thema neue Weiblichkeit. Meine Güte. Manche ZeitgenossInnen sollte man wirklich am heimischen Herd festketten und wirkungsvoll verhindern, daß jemals Mikrofone und Füllfederhalter in ihre Nähe gelangen. Die übrigen können sich dann beruhigt ihren Kindern und der Karriere widmen. "Männer [sind] aufgrund ihrer Veranlagung [zum Kinderaufziehen] auch nicht unbedingt vorgesehen", meint die Guteste. Ts. Zum Knochenkotzen.
Das werden wir ja noch sehen.