Donnerwetter

31 10 2006

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Ich weiß, was du heute abend hören wirst

27 10 2006

MySpace: Dead UnitedDead UnitedEs ist vollbracht. Nach langer Wartezeit haben die Mannen von Dead United endlich ihr erstes Album fertiggestellt. Auf einer 9-Track-EP namens "3D Audio Horror" haben Buzz Vendetta, Sir Charles D. Vote, Dig van Grave, Mister Stiff und Dave Leppard unter so charmanten Titeln wie "Zombie Girl" oder "Space Rape" romantische Liebeserklärungen an die Welt der Toten und gleichzeitig eine Hommage an längst vergangene Zeiten versammelt. Stellenweise erinnert mich Mr. Vendettas Throating Getröte Gesang an eine etwas zeitgemäßere Fassung eines Stiv Bator von den Lords of the New Church. Was aus dem Mund eines erklärten Lords-Anhängers ein dickes Kompliment darstellt.

Es gibt Fleich, Baby!

Sir Charles läutet die GlockenRohe Kraft und rote RobePünktlich zu Samhain wird das Publikum anläßlich der Release-Party ihres aktuellen Longplayers im B-Hof zu Würzburg fette Frikadellen an die Ohren gebrüllt bekommen. Womöglich wird man dabei mit frisch ausgebeinten Koteletts beworfen, so daß man vorsichtshalber damit rechnen sollte, hinterher ein Schnitzel an der Backe kleben zu haben. Knöcheltief im Blut zu waten, gehört voraussichtlich ohnehin zu den unvermeidbaren Konzertnebenschauplatzereignissen. Also schnalle man sich die Lack-, Leder oder Latexstiefel unter oder laufe zumindest in flüssigkeitsresistenten Docs zu Buzzs Kettensägen-Show auf. Die Vampire unter der Gefolgschaft dürfen natürlich gern auf allen vieren die Kellertreppe zum Gewölbe herabkriechen. Sie können dann den übrigen Gästen als Sitzgelegenheiten dienen.

Freundlicherweise stellen die vereinten Toten ihr akustisches Elaborat zum höchst moderaten Preis von acht Silberlingen zur Verfügung. Das gibt's nirgendwo sonst und dazu eine 3D-Brille samt eines passenden Booklets. Das T-Shirt ist für 'nen schlappen Zehner erhältlich. Falls einer von euch also noch immer nicht weiß, was er letztes Halloween getan hat mir zur Feier des Tages schenken möchte, Spenden von Tonträgern und Naturalien sind immer gerne gesehen. Schlagt zu, bevor es die Mehrwertsteuer tut oder ein motorsägenschwingender Buzz Vendetta vor eurem mittlernächtlichen Bett auftaucht.
Mr. Vendetta‘s Chainsaw Massacre

Probleme mit der Telekom?

26 10 2006

Einige Telekom-Kunden sind gleicher als andere

"Du arbeitest doch bei der Telekom ... kannst du mir da nicht weiterhelfen?" - Wenn sich Freunde, Bekannte und Familienmitglieder über Dienste, Telefone, Rechnungen und Co beschweren, wird's mitunter ganz schön kniffelig. Nicht alles lässt sich aus dem Stegreif beantworten. Und dann im Konzern den richtigen Ansprechpartner zu finden, ist auch nicht immer leicht. Ein neuer Service sorgt jetzt dafür, dass die Anliegen schnell zur richtigen Stelle gelangen und dort bevorzugt geklärt werden.

Das T-Mobile Intranet ist seit heute um einen Service für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reicher: Der "Troubleshooter" (Problemlöser) garantiert, dass jede Beschwerde aus dem privaten Umfeld schnell bearbeitet wird. Wer eine Beschwerde von zu Hause mitgenommen hat, trägt einfach die Kundendaten in ein Online-Formular ("Ticket") ein, beschreibt das Anliegen und sendet es per Mausklick ab. Das gilt für alle Konzern-Produkte und -Dienstleistungen. T-Mobile Mitarbeiter können also über den Troubleshooter auch Beschwerden zu Festnetz- oder Internetanschlüssen einfach und schnell weitergeben.

Nachdem die Beschwerde eingereicht wurde, wird sie einem Thema zugeordnet. Mobilfunkfragen etwa gehen an Fachleute für die Gebiete "Handys", "Multimedia" und "Rechnungen". "Die eingestellten Tickets werden dann an den richtigen Ansprechpartner zur Bearbeitung geroutet", beschreibt Astrid Siebold-Schlug, die im Beschwerdemanagement des Kundenservice (K1) bei T-Mobile für das neue Intranettool verantwortlich ist. "Der Ansprechpartner meldet sich spätestens nach zwei Tagen beim Mitarbeiter, der das Ticket eingestellt hat, und beim betroffenen Kunden: entweder mit einer abschließenden Antwort oder einer Info zum Stand der Dinge."

Das Tool ist in seiner aktuellen Version zwar hauptsächlich auf Beschwerden über T-Com-/T-Online Produkte und Dienstleistungen ausgerichtet, für die eine Region ausgewählt werden muss. Aber auch T-Mobile Beschwerden können auf diesem Weg weitergeleitet werden. Weitere Anpassungen sind geplant, damit das neue Angebot noch bedienerfreundlicher wird. "Der Troubleshooter macht uns alle souveräner im privaten Kundenkontakt. Er hilft, Probleme zu beseitigen, die uns sonst vielleicht nicht erreicht hätten", ist Astrid Siebold-Schlug überzeugt. "Auch das bedeutet einen Schritt nach vorn hin zum besten Dienstleistungsunternehmen."


So der im Stil einer Pressemitteilung aufgemachte Wortlaut einer Nachricht, die ich heute in dreifacher Ausfertigung aus dem Spamfolder gefischt habe. Der Text stammt in voller Länge aus deren Unterschrift (Signatur).

Dieses T-Com-/T-Online-Tool wäre ein sehr guter Ansatz, wenn dessen Möglichkeiten über eine öffentliche Schnittstelle für sämtliche Telekom-Kunden gleichermaßen zur Verfügung stünden. So aber sind Freunde, Bekannte und Familienmitglieder von Telekom-Angestellten gesondert privilegiert. Ein derartiges, künstliches Schaffen unterschiedlicher Kundenklassen läßt sich aus der Sicht eines Adressaten, der sich zum üblichen, "normalen" und damit unterprivilegierten Kundenkreis zählen müßte, absolut nicht gutheißen.

Ohnehin gibt es bei deutschen Dienstleistungsunternehmen des öfteren ein mangelndes und - leider viel zu oft auch - mangelhaftes Verständnis dessen zu beklagen, was Dienstleistungen ausmacht. Insbesondere gilt dies für den Supportbereich. Wer schon einmal das zweifelhafte Vergnügen hatte, wiederholt in kostenpflichtigen, werbejingle-beschallten Callcenter-Warteschleifen zu verhungern, des Deutschen nicht wirklich mächtigen Callcenter-Agents sein Anliegen in einer Grammatik auf Kleinkindniveau schildern zu müssen oder vergeblich nach Antworten auf per E-Mail gestellte Anfragen Ausschau zu halten, wird an dieser Stelle sicherlich zustimmend nicken. Manchen Unternehmen scheinen Kunden nach dem Erwerb eines Produktes, der Unterzeichnung eines Vertrages oder der Inanspruchnahme einer sonstigen Leistung bloß noch lästig. In diesem Zusammenhang ist die Bevorzugung eines bestimmten Kundenkreises gegenüber anderen durchaus kritisch zu betrachten.

Im dazugehörigen, anredelosen Anschreiben heißt es übrigens:

Ich habe die Lösung.
Seit heute haben wir – die Mitarbeiter des Konzerns – die Möglichkeit, als ‚Troubleshooter’ bei Beschwerden zum Thema Festnetz- oder Internetanschlüsse zu helfen.
Wenn ihr also Probleme haben solltet, meldet euch bitte bei mir, vielleicht kann ich die Lösung etwas beschleunigen, ok?


Darauf zu antworten, kann ich mir nun nicht verkneifen: Prima, dann fehlt ja bloß noch ein dazu passendes Problem! ;-)

Weshalb fühle ich mich nur an den Ex-Kollegen erinnert, der mich nach einigen Jahren "der alten Zeiten wegen" unbedingt aufsuchen wollte? Ah ja, der Vermischung von Geschäfts- und Privatleben wegen. Er wollte mir damals bloß eine Versicherung verkaufen. Auch ich könnte Freunden und Bekannten ohne weiteres ähnlich gelagerte Hilfsangebote auf breit gefächerten IT-Dienstleistungssektoren unterbreiten. Doch schon aus Prinzip würde ich solch eine Offerte im privaten Umfeld weder anbieten noch darauf eingehen. Wer geschäftlich mit mir in Kontakt treten möchte, kann dies auf der geschäftlichen Ebene jederzeit gerne tun. Im Privatleben hat derartiges jedoch nichts zu suchen und muß außen vor bleiben.

Für mich kommen die Möglichkeiten des T-Com-/T-Online-Tools außerdem um mehrere Jahre zu spät. Was das betrifft, hat die Telekom in ihrer Ganzheit Entwicklungen auf verschiedenen technischen Sektoren offenbar schlicht verschlafen und es darüberhinaus versäumt, ihre hausintern vorhandenen Datenbestände konsistent zu halten, beziehungsweise die unterschiedlichen Datenbanksysteme rechtzeitig zusammenzuführen.

Daher habe ich die ständigen Probleme mit der Telekom, ihrem nach meinen Erfahrungen nur als mangelhaft zu bezeichnenden Support und den immer wieder fehlerhaften oder zumindest anzweifelbaren Rechnungen für mich und mein Umfeld bereits vor einigen Jahren erfolgreich gelöst: Indem ich konsequent keine Telekom-Produkte mehr nutze und privat jedem von ihrer Verwendung abrate, habe ich mich des damit verbundenen Aufwands, den Kommunikationsschwierigkeiten und den Problemen in ihrer Gänze erfolgreich entledigt.

Als bestes Gegenargument hat sich in diesem Fall immer wieder die Aufschlüsselung der tatsächlichen, realen Kosten für die diversen T-Com-/T-Online-Produkte erwiesen. Die meisten Menschen blicken schon lange nicht mehr durch den Wust der Fußnoten in der Telekom-Werbung noch durch deren Tarifdschungel durch und neigen deshalb dazu, beides geflissentlich zu ignorieren. Dem einen oder anderen gingen schon die Augen über, wenn man ihm das Kleingedruckte auseinandernahm und dessen tatsächliche Kosten im Vergleich zu leistungsmäßig ebenbürtigen Konkurrenzprodukten übersichtlich aufgeschlüsselt gegenüberstellte.

Ein eindeutiger, unterm Strich aufzubringender Kostenfaktor ist für viele, nicht zu den Besserverdienenden zählende Menschen immer noch das überzeugendste Argument für oder gegen ein Produkt.

Ich weiß, was du heute abend essen wirst!

13 10 2006

Weil heute erstens Freitag, der 13., und zweitens außerdem Halloween nicht mehr fern ist, empfehle ich ausnahmsweise einmal den Vorfilm zum Hauptwerk eines kommerziellen Administrator-Überlebensdienstes. Bereits dreimal hat letzterer in allergrößter Not - Koffeinvorrat alle und Kühlschrank leer - ausgeholfen und jedes Mal durch Qualität und guten Geschmack zu überzeugen gewußt. "Rosemaries Pizza" bringt durch sanfte Schärfe nach der Sättigung auf Gedanken, die wahlweise mit Babys oder schwarzen Messen, auf jeden Fall aber mit Sünde zu tun haben. An "Hexenmeister" sollten sich nur solche wagen, die sich im Besitze brandlöschender Zaubersprüche befinden. Der diskret angebrachte Hinweis, daß Jalapeños scharf sind, ist nämlich eine halloweenische Untertreibung. Sie sind in Wahrheit höllisch scharf. Wie mexikanische Feuerfürzefüchse. Und in "Vampis Beste" befindet sich nochmal die doppelte Dosis davon. Willkommen im Club.

Bianca Ryan: And I'm Telling You I'm Not Going

13 10 2006


YouTube-Fundstück: Die damals noch elfjährige Bianca Ryan verschlägt mit ihrer Interpretation des Stücks "And I'm Telling You (I'm Not Going)" von Jennifer Holliday dem Jurorenteam der Show "America's Got Talent" die Sprache.

Gesichtserkennung und Foto-Fahndung im Hauptbahnhof Mainz

10 10 2006

"Es geht nicht um die totale Überwachung, sondern um die gezielte Suche nach bekannten Personen. Mit dem System wird kein Überwachungsstaat installiert." Jürgen Stock, Vizepräsident des BKA

Laut Berichten des SWR, von Spiegel Online und Heise werden in einem mit rund 210.000 Euro finanzierten Projekt bis Ende Januar 2007 drei verschiedene Gesichtserkennungssysteme an der Öffentlichkeit im Mainzer Hauptbahnhof getestet. Entgegen dem Tenor aller drei Berichte werden diese Tests nicht bloß anhand von 200 freiwilligen Probanden durchgeführt. Denn die bis zu 20.000 Personen, die den Mainzer Hauptbahnhof täglich frequentieren, werden selbstredend ebenfalls von den Gesichtserkennungssystemen erfaßt, sofern sie in den Erkennungsbereich der aufgestellten Kameras gelangen. Einen wichtiger Hinweis hierzu enthält der Heise-Artikel, der als einziger erwähnt, daß nicht nur Teilbereiche der Aufgangstreppe gefilmt werden.

Die Bildmontage des BKA und die Bildunterschriften der Artikel suggerieren, daß der rechte Aufgang nicht erfaßt wird. Wörtlich heißt es dazu: "Die Kameras überwachen nur einen Teil des Eingangsbereichs." Dies ist zwar korrekt, denn es werden tatsächlich bloß die Treppenaufgänge überwacht. Es gibt aber beim Betreten des Hauptbahnhofs durch den vorderen Eingang keine andere Möglichkeit, als über die Treppen zu den Gleisbereichen hinauf zu gelangen. Die getroffene Einschränkung ist damit irrelevant.

Im Artikel widerspricht sich Heise außerdem selbst. Denn in der Bildunterschrift heißt es: "Von den Kameras wird der linke Teil der Treppen erfasst. Wer nicht gefilmt werden möchte, muss den rechten Teil nehmen." Dies ist schlichtweg falsch. Denn im krassen Widerspruch hierzu steht eine Aussage im Artikeltext selbst, in dem es heißt: "Eine normale Videokamera zwischen den Testsystemen überwacht den gesamten Treppenbereich¹ und ist mit der Videozentrale verbunden."

Es gibt also während der Laufzeit des Projektes keine Möglichkeit, den Mainzer Hauptbahnhof durch den vorderen Eingang zu betreten, ohne dabei gefilmt zu werden.

Kommentare:

• Das Boykottblog meint dazu: BKA sucht meine Oma
• Einige Kommentare aus dem Heise-Forum:
• Eine Sondererwähnung samt Nominierung zum konkurrenzlosen Preisträger in Sachen Sprachverhunzung gebührt dem Satz "Jeweils zwei Kameras [...] versuchen, [...] Testkandidaten zu finden, deren Templates nach einem Enrolment in einer Facecheck-Datenbank gespeichert sind." aus dem Heise-Artikel. Einem Forumsteilnehmer ist dieses grauenhafte Denglisch ebenfalls ins Auge gestochen, worauf sich dessen Autor um eine Erklärung bemüht, die meiner Meinung nach aber nicht überzeugend ausfällt. Sie zeigt lediglich, wie weit sich einige Journalisten bereits von grundlegendem Sprachgefühl und dem Bemühen um eine Mindestpflege deutschen Sprachguts entfernt haben. Ansonsten hätte es auffallen müssen, daß drei englische Nomen in einem derart kurzen Satz weder zu dessen Verständlichkeit beitragen noch anderweitig sinnvoll sind, Fachbegriffe hin oder her.

¹ Hervorhebung: Sil53r Surf3r