Weihnachten ist der stillste Tag im Jahr

24 12 2006

Rainer Maria RilkeWeihnachten ist der stillste Tag im Jahr.
Da hörst du alle Herzen gehn und schlagen
wie Uhren, welche Abendstunden sagen.
Weihnachten ist der stillste Tag im Jahr.

Da werden alle Kinderaugen groß,
als ob die Dinge wüchsen, die sie schauen
und mütterlicher werden alle Frauen
und alle Kinderaugen werden groß.

Da mußt du draußen gehn im weiten Land
willst du die Weihnacht sehn, die unversehrte,
als ob dein Sinn der Städte nie begehrte,
so mußt du draußen gehn im weiten Land.

Dort dämmern große Himmel über dir,
die auf entfernten, weißen Wäldern ruhn,
die Wege wachsen unter deinen Schuhn,
und große Himmel dämmern über dir.

Und in den großen Himmeln steht ein Stern,
ganz aufgeblüht zu selten großer Helle,
die Fernen nähern sich wie eine Welle,
und in den großen Himmeln steht ein Stern.


[Rainer Maria Rilke]

Absolut harmloser Abendausklang

05 12 2006

Herr: es ist Zeit. Das Netzwerk war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Studiseiten,
und in den Foren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Trollen voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei spamreichere Tage,
dränge sie zur Sinnleere hin und jage
die letzte Süße aus dem schönen Heim.

Wer jetzt kein VZ hat, holt sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Postings schreiben
und wird in den Userforen hin und her
unruhig wandern, während die Weblogs bleiben.


(frei nach Rainer Maria Rilke)

Lust auf ein wahlweise anregendes oder beruhigendes Getränk bei geistreichem Geplauder an der Blogbar? Ich nehme einen deutschen Cappucino, danke. Und möchte dabei angelegentlich empfehlen, auch der Unterhaltung der übrigen Anwesenden ein Ohr zu leihen. Es befinden sich durchaus vernünftige Stimmen darunter. Und deutliche Anzeichen von Lernfähigkeit. Es gibt noch Hoffnung.

P.S.: Das weihnachtliche Wettrüsten ist abrupt deeskaliert, nachdem wegen Abreißens des Versorgungsnachschubs bzw. aufgrund sträflichen Einsatzes nicht kriegstauglichen Materials bereits weit über die Hälfte der nachbarlichen Leuchtkraft den unwirtlichen Witterungsverhältnissen (inoffizieller Sprachgebrauch: Nieselregen) an der Beleuchtungsfront zum Opfer gefallen ist. Insofern besteht unsererseits vorerst kein Handlungsbedarf.

P.P.S.: Ist es unnötig, zu erwähnen, daß besagtes soziales Netz bei weiter bestehender Kommunikationsunfähigkeit derzeit noch offline ist? Ja? - Dachte ich mir.