Gern gebe ich es zu: Ich neige zu altmodischen Ansichten. Zum Beispiel zu der, daß ein solides, geschirmtes Kabel allemal eine stabilere und sichere Verbindung gewährleistet als jede noch so aufgebohrte, das neueste "Jetzt-mit-noch-mehr-Datendurchsatz!"-
Draft implementierende Funk-Hardware. WLAN saugt, und das aus allen Rohren. Nicht nur die Sicherheitsimplikationen, die man sich damit einhandelt, sondern auch auf demselben Kanal oder dicht beieinanderliegenden Kanälen sendende Nachbarn, Treiberprobleme und Konfigurationshürden tun ein übriges, für kräftigen Spaß an der Sache zu sorgen.
Hat man einen Access-Point und WLAN-Karten gefunden, die den aktuellen Verschlüsselungsstandard beherrschen (was bei Neuanschaffung zugegebermaßen inzwischen die Regel sein dürfte), sieht man sich gleich darauf mit allen übrigen der eben aufgezählten Hindernisse konfrontiert. Natürlich allesamt gleichzeitig. Auch wenn ich als langjähriger Systemtechniker und -administrator mit der Lösung solcher Probleme in der alltäglichen Praxis inzwischen mehr als vertraut bin, liebe ich sie deswegen nicht unbedingt. Nachdem man seiner individuellen Spiel- und Frickelphase entwachsen ist, stellt man zwangsläufig gewisse Ansprüche an Produkte und an die zugrundeliegende Technik.
Manchmal möchte man auch als Fachmensch (Medienjargon: "
Experte"), daß eine Sache einfach funktioniert. Turnkey-Applications, "Auspacken, starten, läuft" und "It should just work!™" sind hier die Stichworte. Ein Hardware-Hersteller stellt beispielsweise Windows-Treiber zur Verfügung, deren Versionen beinahe schneller wechseln als ich meine Unterwäsche, ohne daß sich das in irgendeiner anderen Namensgebung der Download-Archive niederschlägt. Einzige Unterscheidungsmöglichkeit
vor der Installation sind deren Größe bzw. ein selbst durchgeführter Prüfsummen-Vergleich. Es gibt zwar Linux-Treiber (immerhin etwas!), die allerdings werden schon seit über einem Jahr nicht mehr weiterentwickelt, befinden sich deshalb noch im Betastadium und gelten zudem als instabil. Das KO-Kriterium schlechthin ist dabei allerdings, daß sie nur ein Verschlüsselungsverfahren unterstützen, das inzwischen als leicht knackbar und deshalb als hochgradig unsicher gilt. Undsoweiter.
Also muß ein Wrapper her, ein Stück Software, das den Nutzer in die Lage versetzt, die proprietären, aktuellen Windows-Treiber auch unter Linux einsetzen zu können. Prinzipiell ist das eigentlich gar keine so schlechte Idee. Vor allem für den Hersteller hat es den Vorteil, daß er sich jetzt nur noch auf die Entwicklung eines einzigen Treibers für die verschiedenene Windows-Varianten konzentrieren muß.
Die Nachteile, die man sich als Nutzer dadurch jedoch einhandelt sind unter anderem die, daß sich dadurch die Komplexität des Zusammenspiels der einzelnen Software-Komponenten unweigerlich erhöht. Nun müssen die Versionen und Konfigurationen des Linux-Kernels, des Wrappers, der Verwaltungstools, des jeweiligen Windows-Treibers und der Gegenstelle sorgfältig aufeinander abgestimmt werden, damit überhaupt eine Verbindung zustande kommt. Dabei treten dann Probleme auf wie das, daß zwei aufeinanderfolgende Versionen des Wrappers zwar tadellos funktionieren, die nächsten beiden dafür aber gar nicht.
Nicht zuletzt ist der gravierendste Nachteil, der sich aus dem Vorhandensein und der Funktionsfähigkeit des Wrappers für den Benutzer ergibt der, daß er den Druck vom Hersteller nimmt, seinen Kunden überhaupt aktuelle und funktionierende Linux-Treiber zur Verfügung stellen zu müssen.
Bei einem ausschließlich per WLAN ans Netz angebundenen Client ist der Ausfall des Wrappers gleichbedeutend mit einer gekappten Leitung. Hat man nicht sorgfältig geplant und entsprechend vorgesorgt, kann man dadurch weder nach Informationen zur Problembehebung suchen noch etwaige lauffähige Software-Archive herunterladen. Man steht dann aus der Perspektive des Clients vor einem kompletten Netzausfall - und damit vor einem gravierenden Problem. Verschärft wird das ganze dadurch, daß möglicherweise gar keine kabelgebundene Infrastruktur (mehr) existiert, auf die man als Fallback zurückgreifen könnte. Von einem "It should just work!™" ist das dann jedenfalls ziemlich weit entfernt.
WLAN saugt. Und deshalb liegt hier vorsichtshalber eine 20-Meter-Rolle CAT5-Kabel bereit. Nur für den Fall der Fälle.