Intrigation

14 02 2008

Sil53r (bastelt an einem seiner museumsreifen Antik-Server herum, deren innerer Aufbau schon aus Stabilitätsgründen fragwürdig bis riskant erscheint, von der Verwendbarkeit der Montagebleche als Hobbyskalpelle einmal abgesehen): "Dieses Teil war schonmal integriert, also kriege ich es intregiert. Und wenn ich intrigieren muß, um es zu integrieren!"

Seitenschinder

12 02 2008

Es ist wieder ein Schwergewicht geworden. Die gebundene deutsche Ausgabe des neuen Ken Follett, "Die Tore der Welt", Fortsetzung seines bereits 1990 erschienenen, ebenfalls nicht gerade dünnen Bestsellers "Die Säulen der Erde", ist sage und 1294 Seiten stark. Das kleinbedruckte Papier ist dabei außerdem dünner als sonst üblich. Ja, wer will denn solch einen Schinken noch lesen?

Ich behaupte mitunter: "Was ein Autor auf 300 Seiten nicht auszudrücken vermag, das gelingt ihm auch auf 600 Seiten nicht." Das ist eine pauschale Unterstellung und darum natürlich falsch. Aber damit beziehe ich mich auf eine anscheinend wachsende Tendenz zu regelrechten Wälzern bei bestimmten Genres. Manches davon mag man als Pulp Fiction und reine Unterhaltungsliteratur abtun. Dennoch scheint diese Entwicklung auch vor anspruchvolleren Gattungen nicht haltzumachen.

Über die Halbwertszeit von Werken wie der Trilogie "Die Gilde der schwarzen Magier" von Trudi Cavanan läßt sich beispielsweise sicher streiten. Einen Großteil von Stephen Kings Romanen könnte man vermutlich ohne nennenwerte Verluste um mindestens ein Drittel eindampfen. Wer sich einmal durch den ersten Band der Otherland-Saga von Tad Williams gequält hat, muß schon Eigenschaften wie große Anspruchlosigkeit und eine Engelsgeduld in sich vereinen sowie darüberhinaus notorische Langeweile und eine gehörige Portion Masochismus besitzen, um zu dessen Fortsetzung zu greifen. Bücher dieser Art sind bloße Popcorn-Literatur: aufgeblähter Text, der zwar vorübergehend den Geist füllt, aber den Hunger nach Inhalt nicht stillt.

Nehmen wir also ein anderes Beispiel. Jonathan Littells Ende dieses Monats auf Deutsch erscheinender Roman "Die Wohlgesinnten" beschreibt auf 1381 Seiten die fiktive Lebensgeschichte des schwulen SS-Offiziers Dr. iur. Max Aue. Das muß man betonen: Fiktiv! Biographie! Schwuler Offizier! Drittes Reich!
Nazis and sex! Als ob über das Dritte Reich nicht bereits genug fiktives geschrieben worden wäre. Während die einen - halb widerwillig, halb bewundernd - das Buch als polarisierende Weltliteratur feiern, sprechen andere von einem Produkt der "Hitler-Industrie". Was immer man als Leser insgesamt davon halten wird, selbst die positive Rezension erwähnt die streckenweise unerträglichen Längen darin. Muß ein Roman über das tausendjährige Reich zwangsläufig auf einen Stand jenseits der tausend Seiten aufgeblasen sein?

Ich wünsche mir wieder dichtere, kompaktere Werke. Eine reiche Sprache. Konzentrierte Texte ohne Füllsätze, überflüssige Nebenstränge und inhaltsleere, handlungsferne Kapitel. Bücher, die sich nach Antoine de Saint-Exupérys Satz richten, daß ein Text nicht dann vollkommen sei, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen könne. Ich möchte phantastische Literatur sehen, die den Mut aufbringt, das Ausmalen von Szenen und die Entwicklung auf Nebenschauplätzen der Phantasie ihrer Leser zu überlassen. Ich wünsche mir Gegenwartsliteratur, die sich nicht in Gefasel verliert oder in endlosen Repetitionen von Klischees und Standardelementen gefällt.

Noah Gordons aktueller Roman "Der Katalane", der im August diesen Jahres erscheinen wird, ist in der gebundenen deutschen Ausgabe 474 Seiten stark, bei dickem Papier und großem Druck. Es sieht ganz danach aus, als sei dies ein Buch, das ich gern zur Hand nehmen und mit Freude lesen werde.

Handwerk ist ...

12 02 2008

Die Königin sieht Sil53r beim Lesen eines Kaufwut-Beitrags über die Schulter.

Sil53r (halblaut zu sich): "Das ist bei Männern auch so."

Königin (LOL!): "Blog das..!einself!"

Zu Befehl.

Na bitte, es geht doch!

10 02 2008

Das hier ist ein Cobalt RaQ 3i, jetzt mit aktuellem Kernel, LVM und Debian Etch. Vermutlich wird sich der eine oder andere nach dessem Nutzen fragen und weshalb man es sich antun sollte, eine derart alte Hardware wiederzubeleben. Darauf gibt es mehrere Antworten.

Erstens, weil diese Maschinen nur maximal 60 Watt Leistung verbrauchen, sich aber trotzdem noch gut für viele Aufgaben einsetzen lassen, die keine allzugroßen Anforderungen an die Rechenleistung stellen. "Green IT" war bei mir schon lange vor dem jetzigen, von der jüngeren Klimaschutzdebatte ausgelösten Medienhype ein Thema. Denn eigentlich handelt es sich dabei um bereits jahrealte Bestrebungen.

Zweitens, und damit einhergehend, weil ich es nicht nur im Sinne der Ökobilanz bedauerlich finde, noch hundertprozentig funktionierende Hardware wegzuwerfen. Im Rechenzentrum will man diese Uraltmaschinen ganz bestimmt nicht mehr sehen. Dennoch gibt es immer noch Nischenbereiche, in denen sie verwendbar sind, und sei es als voll funktionsfähige Anschauungs-, Test- und Demontrationsobjekte für IT-Auszubildende. Als kleine Heimserver würden sie ebenfalls eine gute Figur machen, wäre da nicht die unüberhörbare Geräuschentwicklung der beiden viel zu kleinen Lüfter (35x35x10 mm). Für diesen Zweck ist ein mit einem neuen, langsamdrehenden Lüfter versehener Qube wesentlich besser geeignet.

Drittens, weil sie einem Standard-Formfaktor genügen (19 Zoll, 1 HE), dabei aber trotzdem ansprechend aussehen und mit dem integrierten 2x16-Zeichen-LC-Display an der Stirnseite eine Besonderheit bieten, die nicht jede für den Serverbereich entwickelte Maschine mit sich bringt. Ich muß gestehen, ich finde das Design der RaQs insgesamt sogar ziemlich schnuckelig.

Viertens, weil es schlicht und ergreifend geht! Beim Einrichten einer solchen Maschine wird man außerdem ganz bestimmt nicht dümmer.

Und warum Debian? Nun, es gibt Leute, die Gentoo verwendet haben. Ubuntu funktioniert ebenso. Das ursprüngliche Betriebssystem war ein angepaßtes RedHat. Die zum Einsatz kommende Linux-Distribution spielt also eigentlich keine nennenswerte Rolle. Deshalb habe ich mich für diejenige entschieden, die ich persönlich bevorzuge und am liebsten verwalte.

Bekannt geworden sind die Cobalt-Server ursprünglich einmal durch ihre Webadministrationsoberfläche, die für die damalige Zeit leicht zu bedienen, richtungsweisend und innovativ war. Statt auf der Serverkonsole mühsam Konfigurationsdateien editieren zu müssen, klickte man sich einfach im Browser durch viele bunte Webseiten. Erst sehr viel später erschienen Suiten für andere Systeme wie Plesk, Webmin und was es nicht noch alles an Versuchen gab und gibt, textbasierte Konfigurationen vor dem Nutzer zu verbergen und über grafische Oberflächen "einfacher" wart- und verwaltbar zu machen.

Wir, das heißt, alle die Angestellten, die das außerordentliche Vergnügen hatten, diese Kisten mit der Originaldistribution benutzen zu müssen, haben sie allerdings ziemlich schnell hassen- und ab und an sogar fürchten gelernt. Um nicht mißverstanden zu werden, ich ziehe noch heute meinen Hut vor der immensen Leistung der Cobalt-Leute, ein stabiles, webbasiertes Serververwaltungssystem aus dem Nichts heraus entwickelt zu haben. Aber der Paketmanager und mit ihm dessen Software-Aktualisierungsfunktionen waren alles andere als fehler- und fehlbedienungsmöglichkeitsfrei. Und wenn man über den Rahmen dessen hinaus, was einem die Weboberfläche an Möglichkeiten bot, Änderungen am Webserver machen wollte, gerieten diese Aktionen nur allzuleicht zu Abenteuern oder auf direkte Abwege.

Das System bestand aus zwei Webservern, einem für das Webhosting und einem zweitem für die gesamte Administration. Diese hörten auf unterschiedlichen Ports, und zusammengehalten wurde das Ganze von einer Schicht Perl-Skripte. Die Weboberfläche war aber beispielsweise für das massenweise Anlegen von VirtualHost- oder DNS-Einträgen nicht ausgelegt. Umschreiberegeln, die bei uns häufig gebraucht wurden, konnten darüber gar nicht verwaltet und mußten daher ohnehin händisch eingepflegt werden. Dadurch landete man sehr schnell bei einer Praxis, die einen Teil der Konfigurationsänderungen über die Weboberfläche erzwang, andere jedoch nur durch direktes - und damit für die Lauffähigkeit des Produktions-Webservers nicht ungefährliches - Editieren von dessen Konfiguration möglich werden ließ.

Letztlich bin ich der Ansicht, daß solche Ansätze zwar insgesamt recht nett sind und für einige Anwendungsszenarios durchaus brauchbar sein mögen, jedoch bei weitem nicht sämtliche Einsatzgebiete abdecken können, die in der Praxis oder während der Lebensdauer einer solchen Maschine auftreten können. Darüberhinaus skalieren sie bei einer größeren Anzahl von Maschinen äußerst schlecht. Nach Murphy trifft bei jeder IT ab einer gewissen Größe mindestens eines dieser beiden Negativkriterien zu, so daß man diese Oberflächen dann entweder doch immer wieder umgehen oder sogar gänzlich eigene Verfahren zur automatisierten Verwaltung der Systeme entwickeln muß.

Als schlichte kleine, nicht übermäßig geforderte reine (Web-)Server sind diese Maschinen allemal noch zu gebrauchen.
cobalt:~# cat /proc/cpuinfo
processor       : 0
vendor_id       : AuthenticAMD
cpu family      : 5
model           : 8
model name      : AMD-K6(tm) 3D processor
stepping        : 12
cpu MHz         : 298.805
cache size      : 64 KB
fdiv_bug        : no
hlt_bug         : no
f00f_bug        : no
coma_bug        : no
fpu             : yes
fpu_exception   : yes
cpuid level     : 1
wp              : yes
flags           : fpu vme de pse tsc msr cx8 pge mmx syscall 3dnow k6_mtrr
bogomips        : 598.09
clflush size    : 32

cobalt:~# cat /proc/cobalt/raminfo
0 [SDRAM]: 256 MB
1 [SDRAM]: 256 MB

cobalt:~# lspci
00:00.0 Host bridge: ALi Corporation M1541 (rev 04)
00:01.0 PCI bridge: ALi Corporation M1541 PCI to AGP Controller (rev 04)
00:02.0 USB Controller: ALi Corporation USB 1.1 Controller (rev 03)
00:03.0 Non-VGA unclassified device: ALi Corporation M7101 Power Management Controller [PMU]
00:07.0 ISA bridge: ALi Corporation M1533/M1535 PCI to ISA Bridge [Aladdin IV/V/V+] (rev c3)
00:0e.0 SCSI storage controller: LSI Logic / Symbios Logic 53c875 (rev 04)
00:0f.0 IDE interface: ALi Corporation M5229 IDE (rev c1)
00:10.0 Ethernet controller: Intel Corporation 8255xER/82551IT Fast Ethernet Controller (rev 09)
00:12.0 Ethernet controller: Intel Corporation 8255xER/82551IT Fast Ethernet Controller (rev 09)

cobalt:~# cat /proc/cobalt/sensors/thermal
0 [CPU]: 32

cobalt:~# cat /proc/cobalt/systype
Pacifica

cobalt:~# uname -a
Linux cobalt 2.6.24.1-ks-raq-586 #1 Sun Feb 10 18:33:22 CET 2008 i586 GNU/Linux

cobalt:~# lsmod
Module                  Size  Used by
dm_snapshot            17472  0
dm_mirror              21376  0
dm_mod                 58564  15 dm_snapshot,dm_mirror
loop                   16996  0
sym53c8xx              75188  0
scsi_transport_spi     24672  1 sym53c8xx
evdev                  11360  0
scsi_mod              149068  2 sym53c8xx,scsi_transport_spi
ohci_hcd               25796  0
e100                   35756  0
usbcore               141868  2 ohci_hcd
pcspkr                  2752  0
mii                     5568  1 e100
ssb                    30852  1 ohci_hcd

cobalt:~# mount
/dev/hda1 on / type ext3 (rw,noatime,errors=remount-ro)
tmpfs on /lib/init/rw type tmpfs (rw,nosuid,mode=0755)
proc on /proc type proc (rw,noexec,nosuid,nodev)
sysfs on /sys type sysfs (rw,noexec,nosuid,nodev)
udev on /dev type tmpfs (rw,mode=0755)
tmpfs on /dev/shm type tmpfs (rw,nosuid,nodev)
devpts on /dev/pts type devpts (rw,noexec,nosuid,gid=5,mode=620)
/dev/mapper/debian-home on /home type ext3 (rw,noatime)
/dev/mapper/debian-opt on /opt type ext3 (rw,noatime)
/dev/mapper/debian-tmp on /tmp type ext3 (rw,noatime)
/dev/mapper/debian-usr on /usr type ext3 (rw,noatime)
/dev/mapper/debian-var on /var type ext3 (rw,noatime)

cobalt:~# cat /etc/debian_version
4.0

Guten Abend, Mister Murphy

10 02 2008

Merke: wenn du bei einem uralten headless System - einer Maschine ohne Grafikkarte, Maus- und Tastaturanschluß - erfolgreich

• den Netzteil- und den CPU-Lüfter ausgetauscht,
• die SRAM-Batterie auf dem Motherboard gewechselt,
• den Auslieferungszustand des Betriebssystems wiederhergestellt und
• die Fimware (das Äquivalent zum BIOS eines PCs) mit einer aktuelleren Version geflasht hast,

... dann wird bei dem danach fälligen Neustart die einzige darin enthaltene Festplatte ausfallen.

Großbrand im Londoner Stadtteil Camden

10 02 2008

Auf dem Markt in Camden ist gestern Abend ein großflächiges Feuer ausgebrochen, das anscheinend von einem kleinen T-Shirt-Laden ausging und sich von dort rasch verbreitet hat. Die Flammen sollen zeitweilig über 10 Meter hoch gelodert haben, so daß sie im Norden der Stadt weithin zu sehen waren. Nach drei Stunden hatte die Feuerwehr den Brand jedoch unter Kontrolle. Wenn ich die Fotostrecken richtig deute, hat es dabei eines der besonders attraktiven älteren Gebäude erwischt. Darin müßten sich eine der Markthallen und ein gemütliches Café befunden haben, falls ich mich recht entsinne. Aber es gibt bisher glücklicherweise keine Hinweise auf Verletzte.

[Update] Weitere Nachrichtenquellen:

Deutsch:

Tagesschau
Tagesspiegel
Yahoo!
Focus

Englisch:

msnbc
FOXNews
BBC News
Sky News
CBC news
Seattle Times
Reuters

Und inzwischen tauchen auch die ersten Bilder auf flickr auf.