Das hier ist ein
Cobalt RaQ 3i, jetzt mit aktuellem
Kernel,
LVM und
Debian Etch. Vermutlich wird sich der eine oder andere nach dessem Nutzen fragen und weshalb man es sich antun sollte, eine derart alte Hardware wiederzubeleben. Darauf gibt es mehrere Antworten.
Erstens, weil diese Maschinen nur maximal 60 Watt Leistung verbrauchen, sich aber trotzdem noch gut für viele Aufgaben einsetzen lassen, die keine allzugroßen Anforderungen an die Rechenleistung stellen.
"Green IT" war bei mir schon lange vor dem jetzigen, von der jüngeren Klimaschutzdebatte ausgelösten Medienhype ein Thema. Denn eigentlich handelt es sich dabei um bereits jahrealte Bestrebungen.
Zweitens, und damit einhergehend, weil ich es nicht nur im Sinne der Ökobilanz bedauerlich finde, noch hundertprozentig funktionierende Hardware wegzuwerfen. Im Rechenzentrum will man diese Uraltmaschinen ganz bestimmt nicht mehr sehen. Dennoch gibt es immer noch Nischenbereiche, in denen sie verwendbar sind, und sei es als voll funktionsfähige Anschauungs-, Test- und Demontrationsobjekte für IT-Auszubildende. Als kleine Heimserver würden sie ebenfalls eine gute Figur machen, wäre da nicht die unüberhörbare Geräuschentwicklung der beiden viel zu kleinen Lüfter (35x35x10 mm). Für diesen Zweck ist ein mit einem neuen, langsamdrehenden Lüfter versehener
Qube wesentlich besser geeignet.
Drittens, weil sie einem Standard-Formfaktor genügen (19 Zoll, 1 HE), dabei aber trotzdem ansprechend aussehen und mit dem integrierten 2x16-Zeichen-LC-Display an der Stirnseite eine Besonderheit bieten, die nicht jede für den Serverbereich entwickelte Maschine mit sich bringt. Ich muß gestehen, ich finde das Design der RaQs insgesamt sogar ziemlich schnuckelig.
Viertens, weil es schlicht und ergreifend geht! Beim Einrichten einer solchen Maschine wird man außerdem ganz bestimmt nicht dümmer.
Und warum Debian? Nun, es gibt Leute, die Gentoo verwendet haben. Ubuntu funktioniert ebenso. Das ursprüngliche Betriebssystem war ein angepaßtes RedHat. Die zum Einsatz kommende Linux-Distribution spielt also eigentlich keine nennenswerte Rolle. Deshalb habe ich mich für diejenige entschieden, die ich persönlich bevorzuge und am liebsten verwalte.
Bekannt geworden sind die Cobalt-Server ursprünglich einmal durch ihre Webadministrationsoberfläche, die für die damalige Zeit leicht zu bedienen, richtungsweisend und innovativ war. Statt auf der Serverkonsole mühsam Konfigurationsdateien editieren zu müssen, klickte man sich einfach im Browser durch viele bunte Webseiten. Erst sehr viel später erschienen Suiten für andere Systeme wie Plesk, Webmin und was es nicht noch alles an Versuchen gab und gibt, textbasierte Konfigurationen vor dem Nutzer zu verbergen und über grafische Oberflächen "einfacher" wart- und verwaltbar zu machen.
Wir, das heißt, alle die Angestellten, die das außerordentliche Vergnügen hatten, diese Kisten mit der Originaldistribution benutzen zu müssen, haben sie allerdings ziemlich schnell hassen- und ab und an sogar fürchten gelernt. Um nicht mißverstanden zu werden, ich ziehe noch heute meinen Hut vor der immensen Leistung der Cobalt-Leute, ein stabiles, webbasiertes Serververwaltungssystem aus dem Nichts heraus entwickelt zu haben. Aber der Paketmanager und mit ihm dessen Software-Aktualisierungsfunktionen waren alles andere als fehler- und fehlbedienungsmöglichkeitsfrei. Und wenn man über den Rahmen dessen hinaus, was einem die Weboberfläche an Möglichkeiten bot, Änderungen am Webserver machen wollte, gerieten diese Aktionen nur allzuleicht zu Abenteuern oder auf direkte Abwege.
Das System bestand aus zwei Webservern, einem für das Webhosting und einem zweitem für die gesamte Administration. Diese hörten auf unterschiedlichen Ports, und zusammengehalten wurde das Ganze von einer Schicht Perl-Skripte. Die Weboberfläche war aber beispielsweise für das massenweise Anlegen von VirtualHost- oder DNS-Einträgen nicht ausgelegt. Umschreiberegeln, die bei uns häufig gebraucht wurden, konnten darüber gar nicht verwaltet und mußten daher ohnehin händisch eingepflegt werden. Dadurch landete man sehr schnell bei einer Praxis, die einen Teil der Konfigurationsänderungen über die Weboberfläche erzwang, andere jedoch nur durch direktes - und damit für die Lauffähigkeit des Produktions-Webservers nicht ungefährliches - Editieren von dessen Konfiguration möglich werden ließ.
Letztlich bin ich der Ansicht, daß solche Ansätze zwar insgesamt recht nett sind und für einige Anwendungsszenarios durchaus brauchbar sein mögen, jedoch bei weitem nicht sämtliche Einsatzgebiete abdecken können, die in der Praxis oder während der Lebensdauer einer solchen Maschine auftreten können. Darüberhinaus skalieren sie bei einer größeren Anzahl von Maschinen äußerst schlecht. Nach Murphy trifft bei jeder IT ab einer gewissen Größe mindestens eines dieser beiden Negativkriterien zu, so daß man diese Oberflächen dann entweder doch immer wieder umgehen oder sogar gänzlich eigene Verfahren zur automatisierten Verwaltung der Systeme entwickeln muß.
Als schlichte kleine, nicht übermäßig geforderte reine (Web-)Server sind diese Maschinen allemal noch zu gebrauchen.
cobalt:~# cat /proc/cpuinfo
processor : 0
vendor_id : AuthenticAMD
cpu family : 5
model : 8
model name : AMD-K6(tm) 3D processor
stepping : 12
cpu MHz : 298.805
cache size : 64 KB
fdiv_bug : no
hlt_bug : no
f00f_bug : no
coma_bug : no
fpu : yes
fpu_exception : yes
cpuid level : 1
wp : yes
flags : fpu vme de pse tsc msr cx8 pge mmx syscall 3dnow k6_mtrr
bogomips : 598.09
clflush size : 32
cobalt:~# cat /proc/cobalt/raminfo
0 [SDRAM]: 256 MB
1 [SDRAM]: 256 MB
cobalt:~# lspci
00:00.0 Host bridge: ALi Corporation M1541 (rev 04)
00:01.0 PCI bridge: ALi Corporation M1541 PCI to AGP Controller (rev 04)
00:02.0 USB Controller: ALi Corporation USB 1.1 Controller (rev 03)
00:03.0 Non-VGA unclassified device: ALi Corporation M7101 Power Management Controller [PMU]
00:07.0 ISA bridge: ALi Corporation M1533/M1535 PCI to ISA Bridge [Aladdin IV/V/V+] (rev c3)
00:0e.0 SCSI storage controller: LSI Logic / Symbios Logic 53c875 (rev 04)
00:0f.0 IDE interface: ALi Corporation M5229 IDE (rev c1)
00:10.0 Ethernet controller: Intel Corporation 8255xER/82551IT Fast Ethernet Controller (rev 09)
00:12.0 Ethernet controller: Intel Corporation 8255xER/82551IT Fast Ethernet Controller (rev 09)
cobalt:~# cat /proc/cobalt/sensors/thermal
0 [CPU]: 32
cobalt:~# cat /proc/cobalt/systype
Pacifica
cobalt:~# uname -a
Linux cobalt 2.6.24.1-ks-raq-586 #1 Sun Feb 10 18:33:22 CET 2008 i586 GNU/Linux
cobalt:~# lsmod
Module Size Used by
dm_snapshot 17472 0
dm_mirror 21376 0
dm_mod 58564 15 dm_snapshot,dm_mirror
loop 16996 0
sym53c8xx 75188 0
scsi_transport_spi 24672 1 sym53c8xx
evdev 11360 0
scsi_mod 149068 2 sym53c8xx,scsi_transport_spi
ohci_hcd 25796 0
e100 35756 0
usbcore 141868 2 ohci_hcd
pcspkr 2752 0
mii 5568 1 e100
ssb 30852 1 ohci_hcd
cobalt:~# mount
/dev/hda1 on / type ext3 (rw,noatime,errors=remount-ro)
tmpfs on /lib/init/rw type tmpfs (rw,nosuid,mode=0755)
proc on /proc type proc (rw,noexec,nosuid,nodev)
sysfs on /sys type sysfs (rw,noexec,nosuid,nodev)
udev on /dev type tmpfs (rw,mode=0755)
tmpfs on /dev/shm type tmpfs (rw,nosuid,nodev)
devpts on /dev/pts type devpts (rw,noexec,nosuid,gid=5,mode=620)
/dev/mapper/debian-home on /home type ext3 (rw,noatime)
/dev/mapper/debian-opt on /opt type ext3 (rw,noatime)
/dev/mapper/debian-tmp on /tmp type ext3 (rw,noatime)
/dev/mapper/debian-usr on /usr type ext3 (rw,noatime)
/dev/mapper/debian-var on /var type ext3 (rw,noatime)
cobalt:~# cat /etc/debian_version
4.0