John Ajvide Lindqvist: So finster die Nacht

17 11 2008

Thriller

Originaltitel: Låt den rätte komma in

Bastei Lübbe
ISBN-13: 978-3-404-15755-6


In dem Stockholmer Vorort Blackeberg wird die Leiche eines Jungen gefunden. Sein Körper enthält keinen Tropfen Blut mehr. Alles deutet auf einen Ritualmörder hin. Noch ahnt niemand, was tatsächlich geschehen ist. Auch der zwölfjährige Oskar verfolgt fasziniert die Nachrichten. Wer könnte der Mörder sein? Und warum sind in der Nachbarwohnung die Fenster stets verhangen ... (Klappentext)

Mein persönlicher Favorit auf den 50. Nordischen Filmtagen in Lübeck war die Verfilmung dieses Romans. Deshalb war ich auf das Buch so gespannt, daß ich es gleich von dort mitgenommen und noch auf der Rückfahrt zu lesen begonnen habe. Die Übersetzung des schwedischen Titels lautet übrigens in etwa "Laß den Richtigen herein". Weshalb werden für deutsche Publikationen eigentlich immer derart reißerische Bezeichnungen gewählt?

Um es gleich vorwegzunehmen: Das war keine gute Idee. Vielleicht hätte ich das gedankliche "Oh-oh!" beim Anblick des Verlages, indem es erscheint, ernster nehmen sollen. Jedenfalls fragte mich die Königin bei meiner Rückkehr sofort, was ich denn mit dem schrecklichen Buch, diesem miesen Thriller, wolle - während sie eine zweite Ausgabe davon aus ihrem Regal zog ... Die Bilder des Films noch vor dem geistigen Auge verstand ich zunächst nicht recht, was sie damit meinte. Nun, da ich es gelesen habe, kann ich ihr nur beipflichten.

Wenn man das Buch, wie der Klappentext suggeriert, als einen Kriminalroman liest, wird man zunehmend über Elemente stolpern, die nicht ins Genre passen wollen. Schließlich gelangt man an Stellen wie die folgende:

Dann stieß Håkan vorwärts und warf gleichzeitig seinen Kopf nach unten. Mit dem schmatzenden Laut eines Löffels, der in Brei gepresst wird, drang die Holzspitze in sein Auge.

Wer auf im Detail ausformulierten Splatter wie diesen Ausschnitt einer Vergewaltigungsszene steht, kommt in "So finster die Nacht" zumindest teilweise auf seine Kosten. Diese Schilderungen sind jedoch weder dem Fortgang der Handlung förderlich noch dienen sie irgendwelchen anderen als rein effektheischenden Zwecken. Manche von ihnen treten sogar in ansonsten recht gut ausgestaltete Szenen störend auf, wie unerwartete Blutspritzer auf einem Blumenbouquet.

Nach meinem Geschmack sind darin zuviele Einzelheiten enthalten. Dort, wo der Film durch Weglassen von Details glänzt und dem Zuschauer dadurch die Gelegenheit gibt, entstehende Freiräume mit seiner Phantasie zu füllen, erschlägt einen das Buch mit einer überfrachteten Fülle unnötiger Kleinigkeiten. Den feuchtglänzenden Schrecken frisch ausgeweideter Leichname zu schildern, gelingt anderen Schriftstellern deutlich besser. Allen voran Clive Barker mit seinen Büchern des Blutes.

Hinzu kommt, daß sich der Autor anscheinend nicht recht darauf festlegen kann, welche Art von Geschichte er eigentlich erzählen möchte. So wechseln Pubertätsprobleme, Sexuelle Identitätsfindung, Erste Liebe, Krimi-, Thriller-, Splatter- und Horror-Elemente einander in einem munterem Reigen ab, ohne eine eindeutige und klare Linie dabei erkennen zu lassen.

Diejenigen, die das Buch als Thriller lesen, wie es im Deutschen angekündigt wird, werden von einigen der anderen Elemente enttäuscht werden, zumal diese teilweise seitenlang abgehandelt werden. Spätestens das Umschlagen in eine Vampirgeschichte mit kurzen Anspielungen an den Stil von Anne Rice dürfte Irritationen hervorrufen.

Das Hauptproblem von "So finster ..." scheint mir neben einer fehlenden klaren Linie daher auch zu sein, das man sich stellenweise an andere Autoren und deren Erzählweise erinnert fühlt. Beim Lesen beschlich mich mehrmals der Eindruck, Ähnliches woanders bereits schon einmal gefunden zu haben. Zwei Autoren habe ich stellvertretend genannt.

Es ist selbstverständlich schwer, klischeeüberfrachtete Themen in einem neuen Licht erscheinen zu lassen und abgegriffene Geschichten neu zu erzählen. Was dem Film jedoch hervorragend und scheinbar mühelos gelingt, läßt das ihm zugrundeliegende Buch leider deutlich vermissen.

Ich gebe nur deshalb zwei Punkte, weil man beim Lesen immer wieder an Szenen des Films erinnert wird. Einige von ihnen sind mit nur geringen Abwandlungen ins Drehbuch übernommen worden. Die dadurch entstandene Visualisierung wertet das Buch unbeabsichtigt und rückblickend etwas auf.

Obwohl ich sonst von Buchverfilmungen nicht viel halte, gebe ich in diesem Fall die dringende Empfehlung ab, unbedingt zuerst den Film anzusehen! Besteht danach noch Interesse, kann man das Buch folgen lassen. Ansonsten zählt es nicht zu denjenigen, die man unbedingt gelesen haben sollte.

Meine Wertung: 2 Punkte ("kann man zweimal lesen")

Ein Satz heißer Ohren

16 11 2008

So, ich habe heute mal ein grob geschätztes Zwanzigstel der Original-CDs, die hier in den Regalen herumstehen und allmählich Rost ansetzen alterbedingte Verfallserscheinungen zeigen, auf die Festplatte gezogen und archiviert. Knapp 24 GB audiophiles Material sind dabei bisher zusammengekommen.

Selbst schuld. Beim Ablegen als MP3-Dateien mit konstant 128 kbps ließe sich eine Menge Platz einsparen. Dumm nur, daß ich auf FLAC und, wenn schon MP3, dann auf VBR bestehe. Ich weiß, ich weiß, ich muß es immer übertreiben.

Now Playing: The Jesus and Mary Chain - Half Way to Crazy

Verfallende Digitalmedien

16 11 2008

Gerade halte ich eine 1995 gepreßte CD in den Händen, die, nun ja, physisch äußerst interessant aussieht. Man könnte auch von galoppierendem Lochfraß sprechen. Höchste Zeit, dasjenige von ihrem Inhalt zu sichern, was noch zu sichern ist. Zwar mag man argumentieren, daß er nicht sonderlich wichtig sein kann, wenn ich ihm so lange keine Beachtung geschenkt habe. Aber ich wüßte jetzt doch gerne, weshalb ich diesen Datenträger 13 Jahre lang aufbewahrt habe ...

[Update] Track 4, "Ich", ist über den Jordan. War der Beste. Schade, aber sei's drum.

Now Playing: The Ramones - Mama's Boy

Codemasters sperren Lotro-Client

15 11 2008

Codemaster haben einen kapitalen Bock geschossen, fetter geht es bald gar nicht mehr. Wer die Lotro-Erweiterung "Die Minen von Moria" vorbestellt hatte und sich nach Erhalt der Lieferung in freudiger Erwartung an deren Installation machte, dürfte abschließend eine Überraschung erlebt haben: Rien ne va plus - nichts geht mehr.

Im sich nach der Installation automatisch öffnenden Client gelangt man gerade noch bis zu dem vierten Schritt des Anmeldevorgangs, der Überprüfung der Spiele-Daten. Nach kurzer Wartezeit wird dann die folgende Meldung ausgegeben:

Bei der Aktualisierung ist ein Fehler aufgetreten:
Unknown Error.


Genauere Hinweise erhält man nicht. Sieht man jedoch genauer nach und beginnt, nach der Ursache zu forschen, findet sich die Erklärung in der dritten von insgesamt vier News-Meldungen, die im Nachrichtenfenster des Clients angezeigt werden.

Wichtige Information für Moria-Kunden
Moria noch nicht installieren!
11-Nov-2008

Vielen Dank, dass du eine Kopie von Die Minen von Moria gekauft hast.

Wir möchten alle Moria-Kunden, die die Installations CDs vor dem 18. November erhalten, darauf hinweisen, dass die Installation erst am 18. November 2008 ab 0:00 Uhr (GMT+1) durchgeführt werden sollte.

Sollte der Moria-Client vor dem 18. November installiert werden, wird dieser inkompartibel zur aktuellen Version des Spiels sein, so dass du dich nicht mehr im Spiel anmelden kannst, bis Moria veröffentlicht wird.

Vielen Dank.


Dieses Fenster ist jedoch so klein, daß immer nur eine Nachricht direkt sicht- und von der nächstälteren gerade noch die Titelzeile lesbar ist. Die "Wichtige Information" ist also gerade nicht auf Anhieb erkennbar und muß erst durch explizites Scrollen im Nachrichtenfenster herausgesucht werden. Das Allerschärfste daran ist noch, daß sich der Client mit ebendieser Information erst nach der Installation öffnet. Also dann, wenn es für eine Warnung sowieso längst zu spät ist.

Der Verkaufsverpackung liegt kein Warnzettel bei. Im Handbuch wird der Umstand, daß man sich durch die Installation der Erweiterung vom Spiel aussperrt, mit keiner Silbe erwähnt. Der Installer warnt bei seinem Aufruf ebenfalls nicht. Hätte ich nicht bereits in der Betaphase des Spiels eine lebenslange Mitgliedschaft erworben, sondern würde Monatsgebühren entrichten, dann wäre ich spätestens jetzt stinksauer. Aber sowas von! Jeden Tag, den Codemasters mich auf diese Weise aussperren, zahlte ich dann für eine nichterbrachte Leistung.

Als jemand, der täglich mit Computersystemen und Software umgeht und gelegentlich selbst welche entwickelt, weiß ich, daß dieses Verhalten vermeidbar gewesen wäre. Eine solche Vorgehensweise ist schlichtweg eine Schlamperei. Es hätte erstens mehrere Möglichkeiten gegeben, die Kunden rechtzeitig zu informieren und deutlich zu warnen, und zweitens bin ich mir sicher, daß kein konkreter Grund besteht, weshalb sich der Client so verhält und nicht anders. Außer dem, daß man an den Kosten gespart hat, eine Aktualisierungsmöglichkeit für die Erweiterung zu entwickeln, die mit dem bisherigen Spiele-Client kompatibel gewesen wäre. Und das wiederum ist ein Argument, das ich als zahlender Kunde selbstverständlich nicht akzeptiere.

Nun könnte man Spielern, die in diese Falle laufen, vorwerfen, daß sie sich ja vor der Installation auf der Website des Herstellers hätten informieren können. Nur wird, wer diese Website kennenlernt, sehr schnell eines besseren belehrt. Es handelt sich um ein Flash-Film- und werbungüberladenes Portal, das bei im Browser eingeschaltetem Skript- und Werbeblocker praktisch unbenutzbar ist und deshalb aus Sicherheitsgründen ohnehin schon nicht benutzt werden sollte. Die Hersteller-Website scheidet als zuverlässige Informationsquelle daher definitiv aus.

Als berufstätiger Mensch mit einem realen Leben, also in der Rolle des Freizeit- und Gelegenheitsspielers, empfinde ich es außerdem als unzumutbar, mir den kostbaren Feierabend mit der Aktualisierung mehrerer Spiele-Clients (insgesamt sind es hier drei) um die Ohren schlagen zu müssen.

Der Download eines 500MB-Standalone-Patches zusätzlich zu den auf den DVD-Medien enthaltenen Installern und die eigentliche Aktualisierung fressen in meinen Augen erheblich zuviel Zeit. Das möchte ich nicht an einem Montagabend nach einem anstrengenden Arbeitstag kurz vor der Freischaltung der Erweiterung machen. Da habe ich durchaus besseres mit meiner Freizeit vor: Deshalb die Installation zu Beginn des Wochenendes. Die Interessen der berufstätigen Spieler hätte der Hersteller bei der Spieleentwicklung meines Erachtens nach mitberücksichtigen müssen.

Ich bezweifle außerdem massiv, daß die notorisch langsame Arbeitsweise der verschiedenen Lotro-Installer und das Patchen des Clients im Schneckentempo wirklich notwendig sind und so gar nicht zu beschleunigen wären. Die Aktualisierungen des Spiels sind wahrhaft quälende Zeitfresser, von einer Neuinstallation gar nicht erst zu reden. Und damit mir nicht unterstellt wird, das auf unterbelichteter Hardware zu versuchen: wir reden hier von 3GHz-Dualcore-Rechnern an einer Breitband-ADSL2+-Anbindung.

• Warum wird nicht auf oder in der Packung, spätestens aber bei der Installation davor gewarnt, daß die Erweiterung den Spiele-Client bis zu ihrem offiziellen Start unbrauchbar macht?
• Warum steht diese Warnung nicht als feste Top-Meldung an der Spitze aller Nachrichten im Client?
• Warum ist die Website des Herstellers nicht als leicht zu navigierende Informationsquelle ausgelegt?

Echt klasse, Codemasters, das habt ihr prima hingekriegt!

Vielen Dank.

Dafür nicht.

World of Warcraft: Wrath of the Lich King

13 11 2008

Wie Golem und andere berichten, kam es beim Mitternachtsverkauf der neuesten World-of-Warcraft-Erweiterung zwar durchaus zu längeren Schlangen und dadurch bedingten Wartezeiten, der von den Medien erhoffte Ansturm und die damit verbundenen tumultartigen Szenen blieben jedoch aus.

Ich möchte mich am weit verbreiteten "Mein MMORPG ist viel besser als deines!"-Bashing wohlweislich nicht beteiligen. Jeder mag spielen, was und wie es ihm gefällt, solange er seinen Mitspieler gleiches einräumt.

Wenn ich mir die Bilder der neuesten Erweiterung ansehe, laßt sich aber sehr leicht eine Erklärung dafür finden, weshalb ich mit World of Warcraft nichts anzufangen weiß. Offenbar lege ich großen Wert auf über die Grafik vermittelte Spielatmosphäre. Mit dem stellenweise an Comic-Zeichnungen erinnernden, bonbonbunten und bisweilen mangaähnlichen Stil der WoW-Umgebung werde ich einfach nicht warm. Mir scheinen die Hintergrundbilder außerdem teils arg flächig und detailarm zu sein. Schon beim Betrachten der Screenshots will keine rechte Stimmung aufkommen.

Die Bilder aus Lotro wirken detailreicher, etwas realistischer und - auf mich - deshalb stimmungsvoller. Wenn man sich etwas Mühe gibt, kann man beim Spielen durchaus den Eindruck gewinnen, sich durch eine zwar stark idealisierte, aber immerhin beinahe real scheinende Landschaft zu bewegen. Mehr als einmal haben ich und meine Mitspieler unterwegs angehalten, um den Anblick einer besonders spektakulären Aussicht im Spiel zu genießen. Selbst heute noch, nach über einem Jahr und sogar bei genauer Kenntnis der verschiedenen Gebiete, laufe ich gerne durch bestimmte Landstriche. Nichts geht über einen Blick vom Nördlichen Hohen Paß auf das Nebelgebirge bei Vollmond, wenn unten aus dem Tal die Feuer verstreuter Bilwisshorden heraufleuchten.

Vemu ai-menu! Auf nach Moria!

12 11 2008

Die Welt ist grau, der Berg ist alt,
Die Essen leer, die Aschen kalt,
Kein Harfner singt, kein Hammer fällt;
Das Dunkel herrscht in Durins Welt,
Sein Grab liegt unter Schatten da
In Khazad-dûm, in Moria.

[J. R. R. Tolkien]

Heute ist sie eingetroffen, die Erweiterungsbox zum Online-Spiel Der Herr der Ringe Online, kurz Lotro. Ihr Titel, "Die Minen von Moria", verrät, in welche Gegenden es uns Spieler ab kommenden Dienstag verschlagen wird: nach Lothlórien und weiter nach Khazad-dûm, nach Zwergenbinge, in die größte und schönste Stadt der Zwerge, die jetzt verlassen ist. Wer weiß, welche Schönheiten den Wanderer auf seinem Weg durch den Dämmer des Waldes von Lothlórien erwarten, und was sein Fuß in den Tiefen der Zwergenmine aufstöbern wird? Vielleicht findet ein besonders Glücklicher dort sogar noch etwas Mithril, das unschätzbar kostbare Moria-Silber ... Warum aber haben die Zwerge diesen für sie so bedeutenden Ort einst fluchtartig verlassen?

Die Box der Special Edition
Der Schuber mit den Intarsien des Nordtores von Moria
Inhalt: Soundtrack-CD, Spiele-DVDs, Box mit Handbuch, Karte von Moria, Ring und Brosche, Karten mit Codes für Probezugänge


















Die Box kam in einem einfachen Luftpolsterumschlag aus Warwickshire, Großbritannien. Er war reichlich groß, so daß sie darin hin- und herrutschen konnte. Außerdem war er viel zu dünn, um den Inhalt sicher vor Beschädigungen auf dem Versandweg zu schützen. Meine Lieferung war denn auch vor der Zustellung postalisch wiederverschlossen worden, weil die Verpackung unterwegs an der Verschlußseite aufgerissen war. Dabei hatte ich noch Glück, denn die Pappschachtel der Box war bloß an einer Ecke etwas eingedellt, ansonsten aber unbeschädigt. Trotzdem bin ich einigermaßen verärgert darüber, daß Codemasters bei einem Verkaufspreis von fast 70 € ausgerechnet an der Versandverpackung sparen.

Vom Inhalt interessieren mich das ganze Klimbim wie der wertlose Ring, die Brosche und die Buddy-Codes überhaupt nicht. Was ich davon haben wollte, waren ein jetzt hoffentlich vollständiger und aktueller Spiele-Client auf DVD, die drei Ingame-Gegenstände und die Soundtrack-CD. Die Karte von Moria mag sich vielleicht noch als netter Bonus erweisen. Ich glaube jedoch eher, daß sie keine große Hilfe bei der Orientierung sein wird. Was das betrifft, verlasse ich mich doch lieber auf die eifrigen Mitspieler vom Widerstand.

Der Soundtrack zum Spiel klingt beim ersten Hereinhören ganz nett - wenn man auf Film-Soundtracks steht. Er hat zwar aus Lizenzgründen mit den Filmen von Peter Jackson nichts gemein, erweckt aber den Anschein, als sei er für einen Kinofilm epischen Ausmaßes entworfen. Auffällig ist die professionell klingende Produktion. Die Königin merkte dazu an, es klänge danach, als hätten sich Codemasters die Sache richtig etwas kosten lassen. Ich kann dem ganzen Gezimbel und Gepaukenschlage über Streicherteppichen an Violinsamples nicht wirklich etwas abgewinnen, habe allerdings auch gerade einmal hineingehört und die ersten paar Stücke angespielt. Für mich wird das aber wohl eher nichts werden, da bin ich ich kein Fan ...

Die Nacht senkt sich herab über dem Caradhras und den Gipfeln von Celebdil und Fanuidhol im Nebelgebirge. Myriaden von Sternen beginnen in den dunklen Wassern des Kheled-zâram zu scheinen wie harte, stille Lichter in der Tiefe. Laßt uns aufbrechen! Ein weiter und beschwerlicher Weg durch die Dunkelheit liegt vor uns.

Tan matu selek lanun naman.

X-Fi-Soundkarte unter Linux einrichten

09 11 2008

Wie Golem und Pro-Linux berichten, haben Creative endlich quelloffene Linux-Treiber für Soundkarten der X-Fi-Reihe herausgegeben. Sie können in Form eines kleinen Tarballs von der Support-Seite des Herstellers heruntergeladen werden. Nach dem Auspacken kann der passende Treiber dann mit einem einfachen "make" und "make install" installiert werden. Gestetet habe ich ihn mit einer X-Fi XtremeGamer Fatal1ty Pro.

Befinden sich mehrere Soundkarten im System, zum Beispiel, weil der Onboard-Sound des Motherboards aktiviert ist, kann es vorkommen, daß die X-Fi nicht als primäre Karte benutzt wird. Ob das so ist, läßt sich mit einem Aufruf von "aplay -l" herausfinden. Er listet die vorhandenen Karten und ihre Nummern auf. Anschließend kann man die Kanäle der gewünschten Karte mit dem Alsamixer einstellen, wenn man ihm die passende Kartennummer mitgibt: "alsamixer -c <Kartennummer>".

Trotzdem ändert das nichts an der Reihenfolge, mit der die Soundkarten genutzt werden. Das Ausführen von alsaconf hilft an dieser Stelle nicht weiter, weil der ALSA-Konfigurator die X-Fi nicht (er)kennt. Ebensowenig nützt es, den X-Fi-Treiber ctxfi beispielsweise durch einen Eintrag in /etc/modules frühzeitig zu laden.

Den Onboard-Sound meines Motherboards möchte ich ohnehin nicht nutzen. Deshalb habe ich als Lösung das Laden des entsprechenden Treiber durch den Kernel unterdrückt, indem ich der Datei /etc/modprobe.d/blacklist den Eintrag "blacklist snd_hda_intel" hinzugefügt habe. Welcher Treiber geblacklistet werden muß, kann man über die Identifikation der Soundkarten mit "aplay -l" und einem anschließendem "lsmod" herausfinden. Danach kann man ihn mittels "rmmod" entladen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, startet den Rechner stattdessen neu.

Nach dem Reboot läuft die Audio-Ausgabe über die X-Fi als einzige Soundkarte im System. Der Alsamixer kann nun ohne Angabe von Argumenten aufgerufen werden, um die Kanäle einzustellen.

[Update 2008-11-10]
• Auch Heise berichten in ihrem Kernel-Log über den neuen Treiber.
• Soundkartentyp ergänzt.

Kernel 2.6.27.5 und ATI-Treiber fglrx

09 11 2008

Der ATI Treiber-Installer ati-driver-installer-8-10-x86.x86_64.run bricht unter Kernel 2.6.27.5 beim Kompilieren des Kernelmoduls mit mehreren Fehlermeldungen ab:
[Message] Kernel Module : Trying to install a precompiled kernel module.
[Message] Kernel Module : Precompiled kernel module version mismatched.
[Message] Kernel Module : Found kernel module build environment, generating kernel module now.
ATI module generator V 2.0
==========================
initializing...
doing Makefile based build for kernel 2.6.x and higher
rm -rf *.c *.h *.o *.ko *.GCC* .??* *.symvers
make -C /lib/modules/2.6.27.5-ks-dtp-686/build SUBDIRS=/lib/modules/fglrx/build_mod/2.6.x modules
make[1]: Entering directory `/opt/kernel/linux-2.6.27.5'
  CC [M]  /lib/modules/fglrx/build_mod/2.6.x/firegl_public.o
/lib/modules/fglrx/build_mod/2.6.x/firegl_public.c: In function ‘__ke_flush_cache’:
/lib/modules/fglrx/build_mod/2.6.x/firegl_public.c:2791: error: too many arguments to function ‘smp_call_function’
/lib/modules/fglrx/build_mod/2.6.x/firegl_public.c: In function ‘__ke_vm_phys_addr_str’:
/lib/modules/fglrx/build_mod/2.6.x/firegl_public.c:3522: warning: return makes pointer from integer without a cast
/lib/modules/fglrx/build_mod/2.6.x/firegl_public.c:3523: warning: return makes pointer from integer without a cast
/lib/modules/fglrx/build_mod/2.6.x/firegl_public.c:3524: warning: return makes pointer from integer without a cast
/lib/modules/fglrx/build_mod/2.6.x/firegl_public.c:3526: warning: return makes pointer from integer without a cast
/lib/modules/fglrx/build_mod/2.6.x/firegl_public.c: In function ‘KCL_enable_pat’:
/lib/modules/fglrx/build_mod/2.6.x/firegl_public.c:4063: error: too many arguments to function ‘smp_call_function’
/lib/modules/fglrx/build_mod/2.6.x/firegl_public.c: In function ‘KCL_disable_pat’:
/lib/modules/fglrx/build_mod/2.6.x/firegl_public.c:4082: error: too many arguments to function ‘smp_call_function’
/lib/modules/fglrx/build_mod/2.6.x/firegl_public.c: At top level:
/lib/modules/fglrx/build_mod/2.6.x/firegl_public.c:5774: warning: initialization from incompatible pointer type
/lib/modules/fglrx/build_mod/2.6.x/firegl_public.c:5800: warning: initialization from incompatible pointer type
make[2]: *** [/lib/modules/fglrx/build_mod/2.6.x/firegl_public.o] Error 1
make[1]: *** [_module_/lib/modules/fglrx/build_mod/2.6.x] Error 2
make[1]: Leaving directory `/opt/kernel/linux-2.6.27.5'
make: *** [kmod_build] Error 2
build failed with return value 2
[Error] Kernel Module : Failed to compile kernel module - please consult readme.
Erkennbar ist, daß das Problem von Aufrufen der Funktion smp_call verursacht wird. Im Arch Linux Forum gibt es dazu eine Lösung. Ich habe die darin aufgeführten Änderungen durch manuelles Editieren in firegl_public.c eingebracht und kann ihr Funktionieren für Kernel 2.6.27.5 und ATI Catalyst 8.10 unter Debian Lenny bestätigen.

Kraan live, reloaded

05 11 2008

Bereits im vergangenen Jahr war ich auf einem genialen Kraan-Gig in der Harmonie in Bonn. Dieses Mal habe ich nur durch einen reinen Zufall davon erfahren, daß sie wieder auftreten: die Königin sah ein entsprechendes Plakat auf einem Spaziergang durch Endenich und simste mir die Information nach Lübeck.

Für eine Vorbestellung war es längst zu spät, also verließen wir uns darauf, daß an der Abendkasse noch genügend Karten erhältlich sein würden und waren vorsichtshalber rechtzeitig vor Ort. Der Eintrittspreis war fair, und freie Plätze fanden sich noch auf der Empore. Von dort hatte man außerdem einen guten Blick auf die Bühne.

Normalerweise stehe ich auf Konzerten lieber, weil ich mich zu der Musik bewegen möchte. Nicht nur wegen der Länge ihres Auftritts war ich diesmal jedoch froh, dabei sitzen zu können. Dadurch konnte ich Hellmut Hattler besser am Baß beobachten. Außerdem spielen sie eine Musik, bei der man sich gut und gerne auch einmal zurücklehnen und die Augen schließen möchte. Wenn es einen Soundtrack zum Drogenrausch für mich gäbe, Horrortrips einmal ausgenommen, dann stammte er definitiv von Kraan.

War im vergangenen Jahr noch Ingo Bischof an den Keyboards mit von der Partie, besteht die derzeitige Besetzung aus dem Trio Jan Fride und Peter Wolbrandt sowie Hellmut Hattler. Angekündigt als das erste einer Reihe von nur fünf Konzerten, sieht es nach dem aktuellen Terminplan jedoch eher so aus, als sei dies der Auftakt einer kleinen Tournee gewesen.

Ihr Zusammenspiel war wie zu erwarten routiniert und professionell, und was den Sound angeht, werde ich ihn gar nicht erst beschreiben, sondern möchte unbedingt das Hereinhören in das letzte Album "Psychedelic Man" empfehlen. Live sind Kraan jedenfalls immer wieder ein Erlebnis; vor allem Hattler, die coole Sau. Im Vergleich zum Auftritt vom vorigen Jahr, bei dem er für mich etwas abweisend, arrogant und mit Starallüren herüberkam, wirkte er diesmal deutlich gelöster, locker und humorvoll. Spieltechnisch wirklich ein Ausnahme-Bassist in meinen Augen.

Nach ihren Bemerkungen zu urteilen, blieb auch die Königin diesmal nicht ganz unbeteiligt. Da er die Ansagen übernahm, meinte sie feststellen zu können, daß Hattler dabei schüchtern wirke und erst hinter seinem Instrument voll auflebe. Mich hingegen hatte er bei einer Feststellung nach dem Gig, als er sagte, daß es je eine CD und eine DVD von "Psychedelic Man" gäbe, und trocken hinzufügte: "Die CD reicht vollkommen aus."

Das Album stammt bereits vom vergangenen Jahr. Damals war es mir die Sache nicht wert, obwohl sein Preis fair ist. Das lag und liegt weniger an der Musik, sondern daran, daß ich mich seit vielen Jahren in Kaufabstinenz übe, was Produkte der Musikindustrie betrifft. Die großen Label haben bereits übergenug an mir verdient. Was die allenfalls noch verdienen, sind beidhändig ausgeführte Stinkefinger.

Diesmal nahm ich die CD allerdings mit mit, denn die Künstler selbst können schließlich nichts für die Aktionen der Majors. Nach zwei Konzerten, auf denen ich jeweils gut unterhalten wurde, fand ich den Kauf außerdem mehr als angemessen. Und ich habe es nicht bereut, denn das Album geht bei mir gerade heftig in die Feierabend-Rotation.