Sylvester, Silvester

30 12 2008

Auch wenn die Schreiberlinge beim Stern das Wort in diesem sachlich und neutral betitelten Text - Artikel kann man das nicht nennen, denn das setzte voraus, er wäre sorgfältig recherchiert und redigiert worden - insgesamt siebenmal falsch schreiben:
Es heißt Silvester! Silvester, Herrgottnochmal. Schlagt's im Duden nach und schreibt es euch hinter die Ohren. Mal wieder Qualitätsjournalismus vom Feinsten. Siebenmal falsch, und das bei einem derart kurzen Text. Das wäre mir peinlich.

What's the rumpus?

24 12 2008


Don't let the truth get in the way of a good story
No harm no foul no crime
Don't let the truth get in the way of a good story
It'll get 'em every time.


[Gaelic Storm]

Vielleicht ist es aufgefallen, daß ich seit längerem keine politischen Themen mehr kommentiere. Ich kann es einfach nicht. Angesichts dieser Tage, in denen die Hauswände wieder mit übermannshohen Plakaten halbverhungerter Kinder tapeziert sind, die mit großen Augen dem Betrachter entgegenblicken, oder mit Reisschüsseln, in denen eine dekorative Wenigkeit Körner drapiert ist, kann ich nur ein ums andere Mal Max Liebermann aus der Tasche ziehen:

Ick kann jar nich soville fressen, wie ick kotzen möchte.

Verdammte Bigotterie. Erst predigen wir den Segen der Globalisierung, beuten die Drittländer nach Kräften aus, und zu Weihnachten werfen wir einen symbolischen Obolus in den moralischen Klingelbeutel, um unser Gewissen zu beruhigen. Das tut ja nicht weh. Hilft aber auch nicht.

Leute, diese Kinder verhungern, weil wir uns hier die Bäuche vollschlagen und auf Breitbild-LCD-TV, Glam-Deluxe-Handy und das Bling-Bling, das wir uns um die Hälse hängen, nicht verzichten wollen! Nicht? Nun gut, sie verhungern, weil deren Machthaber unser Treiben beobachten und uns nach Kräften nacheifern. Man muß zugeben, einige sind darin recht konsequent.

Gleichzeitig jammern wir hierzulande, wie schlecht es uns doch allen geht. Finanzkrise, ohauerha! Man muß nur diese Wahnsinnigen einmal näher beobachten, die dieser Tage die Läden stürmen. Da werden Berge von Lebensmitteln nach Haus geschleppt, als stünde der dritte Weltkrieg vor der Tür. Anschließend spendet man zur Beruhigung des schlechten Gewissens einen Fünfer an "Brot für die Welt" und setzt "Abnehmen" auf die Liste der Ziele für das kommende Jahr. Hallo? Geht's noch?

Moment ... Das war die falsche Karte. Eigentlich wollte ich einen Rether ziehen. Anderes Thema, aber im Grunde ganz ähnliches Spiel. Überhaupt bin ich inzwischen ja sowas von verunsichert, was die innere Sicherheit betrifft! Nein, war ein Witz. Denn eines ist zumindest sicher: daß unsere Grundrechte hierzulande nicht mehr sicher sind. Ich dachte immer, ich sei bloß paranoid. Stellt sich stattdessen raus, ich hatte die ganze Zeit über recht.

Die Frage, die sich unweigerlich anschließt, ist: Was kann man tun? Oder, deutscher formuliert: Was sollte man tun? Womit wir bei Martin Niemöller angelangt wären. Nicht die erste Reminiszenz an die die jüngere deutsche Geschichte.

Andererseits, was soll's. Uns ist doch im Grunde genommen sowieso nichts heilig. Und wo wir schon bei dem Buch der Bücher sind: Nach uns die Sintflut. Machen wir einfach weiter wie bisher. Auf der Titanic hat das ja damals auch gut geklappt. Großes Geschrei und wenig Aktionen, das erinnert mich entfernt an unsere Bundesregierung und an eine weitere Karte, die ich noch in der Tasche habe. Diesmal den Pispers.

Wir müssen also alle Angst haben. Große Angst. Vor der Erderwärmung und der Finanzkrise, vor allem aber von dem bösen Islam und Terrorzellen in und auf deutschem Blut und Boden. Vermutlich sind wir alle schon infiziert. Infiltriert! Infiltriert, sollte das heißen. Laßt und in Angst und Schrecken leben! So wie unsere amerikanischen Freunde, denen inzwischen auch bloß noch der Galgenhumor und die Verspottung vermeintlicher Minoritäten übrigbleibt.

Obwohl, angesichts der über uns schwebenden Seidenfäden und dieses Schwerts des Damokles, der ständigen Terrorgefahr, sollten wir uns alle bei den Händen fassen und gemeinsam christliche Lieder singen. Lest fefe und Ravenhorst! Nehmt euch vor, im nächsten Jahr euer Kreuz an die richtige Stelle zu setzen und tragt es bis dahin mit Geduld und Fassung. Denn, nicht zu vergessen, schlimmer geht immer. Im übrigen und ansonsten: Frohe Weihnacht.

Leaving

11 12 2008


Remember me for what I was
Not as I am now
I'll merge into the shadows
I'll disappear into the rain

Remember me for what I was
Not as you see me now
I'll walk out into tomorrow
I'll melt into the sun

Remember me for what I was
A glance in your direction at the right time
A smile breaking into a crescent moon
A word of reassurance

[...]

Remember me for what I was
Not what I couldn't be
Remember me for what I was
And shall never be again


[Anne Clark, 1987]

Schlußstück

07 12 2008


Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.


[Rainer Maria Rilke, 1906]