Werbepause

17 08 2009

Sil53r: (kommentiert einen Werbespot)
Die Königin: (entsetzt) "Du kannst doch Jessica Alba nicht 'Entenarsch' nennen!"

Das beste am Fernsehprogramm, und zwar einhellig über alle Sender hinweg, ist die Werbung. Es ist der einzige Part, in dem Werbeagenturen wirklich kreativ sein dürfen und Filmemacher sich noch richtig austoben können. Dort, wo Klischees auf Wunschdenken und die exaltierte Hoffnung treffen, man möge die angepeilte Zielgruppe tatsächlich erreichen, dort, wo das meiste Geld hineingesteckt wird, steckt auch die eigentlich Unterhaltung.
Ich liebe Werbefernsehen.

Ab und zu scheint ein Funken Intelligenz auf. Wie zum Beispiel in jenem Spot, der mit der Frage beginnt: "Ist ihnen schon einmal aufgefallen, daß in einem Auto die wirklich wichtigen Personen immer hinten sitzen?" Darauf werden verschiedene VIPs in ihren Luxusgefährten gezeigt. Anschließend Schwenk zu den Kindern auf dem Rücksitz einer Familienlimousine. Das ist brillant und dürfte seine Wirkung nicht verfehlen.

Am spannendsten ist Werbefernsehen aber dort, wo es am dämlichsten ist. Und damit meine ich nicht einmal Yodafail und seine fehlgeleitete Kampagne. Oft werden strunzdumme Sätze herausgehauen, die vor Blödheit nur so krachen. Deutschländerwürstchen sind da schon ziemlich nahe dran an einem hohen Unterhaltungswert.

Wie zum Beispiel: "Heilen Sie ihren Fußpilz!"
Ähm, hallo? Ich will den nicht heilen, sondern bekämpfen! Eine Fußpilzinfektion kann man mit dem beworbenen Mittelchen vielleicht heilen, aber auch dazu muß man zunächst mal den Pilz vernichten. Mit Heilung ist bei dem gar nichts zu wollen.

Oder: "Gegen jedes Anti-Aging-Problem gibt es eine Crème."
Das glaube ich zwar gerne, aber ob das den angepeilten Verbraucherinnen wirklich gefallen wird? Ich glaube, denen kann man besser mit Crèmes gegen Aging-Probleme kommen, die sie bei ihren Anti-Aging-Bemühungen auch tatkräftig unterstützen. Es ist stark zu bezweifeln, daß sie sich etwas ins Gesicht schmieren wollen, was sie noch älter aussehen lassen wird, als sie bereits sind. Jaja, die böse Buzzword-Falle. Ihr Bumerang kann einem schonmal harte Nackenschläge verpassen, wenn man mit Anglizismen um sich wirft, seiner Muttersprache aber nicht vollends mächtig ist.

Das allerbeste ist aber ein Produkt, das es wirklich so auf dem Markt gibt:
Vanish Oxi Action Intelligence Plus Powerweiß Gel.
Wow. Je dümmer die Hausfrau, desto intelligenter das Waschmittel.

Das muß man sich echt mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich liebe vor allem diese kreative Neuschöpfung "Powerweiß". Das einzige Wort im Produktnamen, das noch einen winzigen deutschen Restreinbestandteil enthält. Weiß der Fleckenteufel, warum. Mein verstorbener Großvater hätte kommentiert: "Ich weiß zwar nicht, was das ist, aber das ist so'n Wort!"

Sil53r: "Ich mag keine Lamas. Die spucken immer!"
Die Königin: "Das ist kein Lama!1!! Das ist ein Alpaka!"
Sil53r: (Pause) "Schmecken Alpakas gut?"
Die Königin: "Du Gierschlund! Das schreibt sich Lama, nicht Lamm!"

Enchanté, Madame Diener

16 08 2009

Einer meiner erlernten Berufe ist der des Reformhauskaufmanns. Nach einigen Jahren in der Szene habe ich ihn aufgegeben. Wahrscheinlich wäre ich sonst wahnsinnig geworden und irgendwann Amok gelaufen. Angeblich soll Fleischverzicht ja friedlich stimmen, aber ich hege den schlimmen Verdacht, daß all diese Surrogate auf Dauer äußerst aggressiv machen. Das liegt vermutlich an dem ganzen DDT in dem Soja oder womit die armen Bauern in der dritten Welt ihre Felder sonst noch düngen. Jedenfalls hätte ich am Ende für ein saftiges, englisches Steak töten können.

Daß, kleidungstechnisch betrachtet, gelegentlich an Schamanen erinnernde Gestalten durch die Gänge des heimischen Biohauses schlichen, daran gewöhnte man sich irgendwann. Wenn sie eines ihrer bizarren Rituale vor dem Regal mit den Würzkräutern verrichteten, blieben die schwingenden Messingpendel immerhin lautlos, störten die übrige Kundschaft nur unwesentlich und hinterließen darüberhinaus keine dauerhaften Spuren. Außerdem ist dies ein Land mit Religionsfreiheit.

Diskussionen über die Vorzüge antroposophischer Erziehung bei gleichzeitiger makrobiotischer Ernährung fand ich hingegen deutlich belastender. Noch heute betrachte ich es als die Kür der hohen Verkaufskunst, fortwährend freundlich lächelnd zu nicken, während einem bei jedem zweiten Wort der Bullshit-Detektor lauthals in die Ohren schrillt. Wer bereits solche Perlen der Makrobiotik gekostet hat wie beispielsweise Umeboshi-Aprikosen, wird Verständnis für mein Verlangen entwickeln, auf Speisen wie Tagliatelle al salmone oder Roquefort-Creme-Brûlée nicht verzichten zu wollen.

Interessant war auch zu beobachten, daß gerade diejenigen Leute, die einem weiszumachen suchten, sie ernährten sich besonders gesund, häufig aussahen wie die Protagonisten aus einem George-A.-Romero-Film. Der Gipfel des Kultischen aber war eine Geburtstagsfeier mit Essen, das ausschließlich mit Produkten aus biologisch-dynamischem Anbau hergestellt worden war. Dazu wurde ein Edelstein-Verkauf zur Stärkung der Chakras gereicht. Die musikalische Untermalung bestand aus Planeten-Gongs. Die CDs des Künstlers konnte man anschließend ebenfalls kaufen.
Nein, ich wurde nicht wahnsinnig.

Aber es genügt, um sich heute ehrfurchtsvoll vor Frau Diener zu verneigen. Chapeau!