Aufrüstung - jetzt!

23 12 2006

Alle Jahre wieder kommt der Tag, an dem ich mich etwas gründlicher als gewöhnlich im Teletubby- Teleworker-Büro in der heimischen Werkstätte umsehe. Dabei beschleicht mich meist das Gefühl, in einen subtropischen Lianenwald aus fliegend verlegten Cat5- und Kaltgerätekabeln geraten zu sein. Im Stillen denke ich dann bei mir: "Hier muß mal dringend aufgeräumt Hardware aktualisiert werden."

Einerseits bin ich ein überzeugter Langzeitverwender technisch einwandfrei funktionierender Geräte. Bei mir fristen diverse Maschinen ein elektronisches Gnadenbrot, die andernorts in tadelnswerter Schnellebigkeit als antiquiert abgestempelt und anschließend quasi mit Licht- oder anderen Geschwindigkeiten entsorgt wurden. Die beiden Amiga 2000 mit M68030-Turbokarten, Flickerfixern und in mühevoller Handarbeit gelöteten ZIP-RAM-Erweiterungen bereichern allein schon aus nostalgischen Gründen meine Historiensammlung. Wii? Spielkonsolen? Pah! Das waren Spielkonsolen! Und von dem Panasonic EASA-PHONE KX-T1451, einem mit Kompaktkassetten(!) sowohl für die Ansage als auch für die Aufzeichnung betriebenen Anrufbeantworter werde ich mich erst dann trennen, wenn mein Tapedeck seinen Geist aufgibt oder die Welt endgültig auf VOIP umsteigt. Was in Zeiten zunehmenden Preisverfalls für Telefonie-Flatrates sicher noch eine Weile dauern dürfte.

Andererseits gibt es auch Grenzen. Zum Beispiel die der ewig zu eng gesteckten Festplattenkapazität. Dann diejenige des hohen Stromverbrauchs von Altgeräten. Aus finanzökonomischer Sicht mag der Weiterbetrieb eines Pentium-I- oder Pentium-II-Servers in den heimischen vier Wänden vielleicht gerade noch vertretbar sein. Aus Gründen des Umweltschutzes und einer langfristigen Energieeinsparung ist er das sicher nicht mehr. Heutzutage gibt es Kleingeräte und Appliances, die praktisch die gleiche Leistung bei deutlich reduziertem Verbrauch liefern. Berücksichtigt man dann noch Vorteile wie eine eventuelle Lärmreduktion (bei den lüfterlosen Geräten) sowie den Geek- und WA-Faktor, gelangt man irgendwann unweigerlich zu dem Schluß: Etwas neues muß her.

Angesichts solcher und solcher Meldungen notorisch merkbefreiter Sinnlosigkeiten ist eine weitere Grenze auch diejenige der Toleranz von zu lasch gehandhabter lokaler Sicherheit. Sozusagen der "Schnauze-voll-Faktor". Wenn die Politik Gesetze zum Schutz der Privatsphäre und der informationellen Selbstbestimmung ihrer unbescholtenen, mündigen Bürger systematisch abrüstet, dann müssen diese ihren Selbstschutz eben sinnvoll aufrüsten, bis der Status Quo vom Ende des vorigen Jahrhunderts wenigstens annähernd wiederhergestellt ist. Kauft vernünftige Firewalls! Verschlüsselt E-Mails! Gebt keine Personendaten unnötig preis! Mein PGP-Key befindet sich übrigens hier. Entsprechende Mail ist willkommen.

Da die nötige Sensibilisierung hierzu jedoch anderweitig stattfindet, trage ich an dieser Stelle nicht noch Eulen nach Athen.

Nach diversen Experimenten mit dem WGT634U unter OpenWRT und der Fritz!Box 7170 habe ich vorerst die Nase voll von Kompilier- und Konfigurationsorgien oder Spielzeugboxen für den unbedarften Endverbraucher. Die ersteren kosten mich kostbare Zeit, die ich entweder nicht habe oder zumindest inzwischen anderen Dingen widmen möchte, denn es gibt auch noch ein Leben in der wirklichen Welt. Die anderen erfüllen einfach grundlegendste (Schutz-)Bedürfnisse nicht. Deshalb hat in den vergangenen Wochen ein vorweihnachtliches Wettrennen diverser IT-Ausstatter etliche, zum Teil erstaunlich kleine Pakete in das heimische Postfach befördert. Ein damit einhergehender, praktischer Nebeneffekt war der Test verschiedener Online-Versender und deren Webshops, über den ich an anderer Stelle später noch ausführlicher berichten werde. Nur soviel sei vorab dazu gesagt, daß ich nicht klagen kann und mit den gebotenen Leistungen insgesamt recht zufrieden bin.

Was die Geräte betrifft ... Nun, der für Backup- und sonstige Zwecke zur Verfügung stehende Speicherplatz tendiert inzwischen deutlich gegen zwei Terabyte, und das Netzwerk wird jetzt von einer in Hardware gegossenen Firewall eines der marktführenden Hersteller auf diesem Gebiet abgesichert. Deren Arbeit ließe sich zwar möglicherweise auch vollständig in Software erledigen, und sie ist außerdem für diesen Zweck - kleine Heimnetze zu schützen - ziemlich überdimensioniert. Dafür aber ist sie mit geringem Arbeitsaufwand so aufgesetzt, daß ein wirksamer Schutz vorhanden ist und dieser transparent für den Administrator ist. Für mich bedeutet das erstens eine ganz enorme Zeitersparnis, und zweitens läßt sich gleichzeitig damit im Detail verfolgen, was im Netz geschieht.
Eine Appliance, deren Firewall-Regelsätze nicht einsehbar sind oder lediglich in eine Richtung greifen, kann all das nicht bieten. Deshalb ist z. B. die Fritz!Box nur ein DSL-Router und eine Telefonanlage, aber keine vollwertige Firewall. Allerdings verursacht sie dafür auch bloß einen Bruchteil der Anschaffungskosten.

Die übrigen Gerätschaften werden hier in den nächsten Wochen und Monaten sicher immer wieder zur Erwähnung kommen...

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