Das Nokia 770: Ein Rückblick
22 01 2008Als ich das Nokia 770 vor über zwei Jahren aus dem Entwicklerprogramm erwarb, war ich von dem Angebot zunächst begeistert. Ein mobiles Gerät noch vor der offiziellen Markteinführung kaufen und schon vorab darauf entwickeln zu können, erschien mir durchaus reizvoll. Argumente, die außerdem dafür sprachen, waren
• es lief unter Linux,
• der Verkaufserlös wurde der GNOME Foundation gespendet, und
• der Preis lag auf zweistelligem Niveau.
Zusammen haben mich diese drei Punkte bewogen, ein 770 aus dem Programm zu bestellen. Daß die Software zum Auslieferungszeitpunkt vielleicht noch nicht ganz fertiggestellt sein würde, bedeutete dabei keine Hürde. Bei Kleingeräten dieser Art habe ich schon mehrmals lange nach deren Veröffentlichung Firmware in katastrophalem Zustand erlebt, weshalb man in der Hinsicht vielleicht weniger von Patches, sondern eher von Verschlimmbesserungen sprechen sollte. Vermutlich hat jeder andere auch ein oder zwei solcher Geräte in seinem Besitz, die selbst noch nach mehreren Updates einfach "so ihre Macken" in der Software haben. Benutzt man davon gleichzeitig mehrere, ist man Kummer und Schmerzen gewohnt. Nein, allzu hohe Erwartungen an die Software hatte ich daher nicht.
Es wäre unfair, zu behaupten, daß es womöglich daran gelegen hätte, daß ich so gar nicht enttäuscht wurde. Die Firmware des 770 war tatsächlich von Anfang an von brauchbarer Qualität und trug dazu bei, daß man das Gerät gerne benutzte. Über deren kleinere Schwächen ließ sich leicht hinwegsehen. Unglücklicherweise gab es trotzdem zwei Punkte, die mich daran hinderten, mehr als nur kleine Portierungen durchzuführen und eine Handvoll Skripte für das 770 zu schreiben. Der eine war, daß ich im Jahr der Auslieferung und danach privat recht ausgelastet war und schlicht aus Zeit- und anderen Gründen kaum dazu kam. Der andere, daß es mir bis heute nicht gelingen will, einen sinnvollen Verwendungszweck für das Gerät zu finden. Offenbar zähle ich nicht zu dessen Zielgruppe.
Eine Zeitlang habe ich mir den Spaß erlaubt, die allerorts vorhandenen, offenen Funknetze damit zu nutzen. Im Waschsalon sitzen und beim Kaffee die Nachrichten diverser Webportale lesen zu können, war jedoch nur begrenzt reizvoll. Später folgten Ebooks. Diese wurden jedoch sehr rasch gefolgt von der Erkenntnis, daß ich bei aller eventuell vorhandenen Geekiness deutlich stärker zu altmodischen, auf handfestem Papier gedruckten Werken tendiere. Was die Handhabung und das Lesevergnügen betrifft, sind Bücher EBooks haushoch überlegen und werden das für mich sicher auch immer bleiben.
Das Monitoring der hauseigenen Server und Netze mittels Nagios et al. war mir darüber sehr schnell zu fummelig. Der WLAN-Accesspoint auf meiner Büroetage wurde außerdem irgendwann aus Sicherheitsgründen abgeschaltet. Wohl auch, weil ich mit meinem Zaurus, dem 770 und ein weiterer Kollege mit seinem Nokia Communicator die einzigen Nutzer gewesen waren. Emails hatte ich darüber nie abgerufen, da ich ohnehin den gesamten Arbeitstag und ebenso einen Teil meiner Freizeit an stationären Computern verbringe. In dieser Hinsicht war ich niemals gezwungen, mir die Beschränkungen mobiler Geräte aufzuerlegen. Als Fernbedienung habe ich es nicht gebraucht, da ich es vorziehe, mich aus meinem Sessel zu erheben und Geräte direkt zu bedienen. Navigationssoftware habe ich nie benötigt und bin bis heute mit herkömmlichen Karten und netter Beifahrerschaft ausgekommen. An all dem mag es liegen, daß die Energie und vielleicht auch die Phantasie fehlten, mir kreativere Verwendungsmöglichkeiten für das 770 auszudenken. Der ersten Generation folgten inzwischen sogar zwei weitere.
Was bleibt also nach gut zwei Jahren übrig? Ich habe es zuletzt dazu verwendet, auf dem Weg zur Arbeit Mah-Jongg Solitaire zu spielen und dabei Musik zu hören. Sicher nicht die kreativsten Anwendungsmöglichkeiten für ein Gerät, das heute immer noch zu Preisen um die 200,- € bei verschiedenen Online-Händlern geführt wird.
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