G8-Klimabeschlüsse: Etwas konkretes?

09 07 2009

"Die Klimabekenntnisse von L'Aquila" und "Jetzt sind die Schwellenländer am Zug" titelt die Tagesschau. Das klingt ein bißchen nach Beichte und Buße von Heiligen. Und nach gemütlichem Zurücklehnen: Wir haben gemacht. Unsere Arbeit ist erstmal getan, unser Soll ist erfüllt. Jetzt, liebe Schwellenländer, seid ihr dran. Aber hallo!

Ungeachtet der Komplexität der Problematik und der Brisanz des Themas Erderwärmung machen es sich die G8-Staaten dabei ziemlich einfach, wie ich finde. Die Schwellenländer heißen schließlich nicht umsonst so. Die haben ganz andere Themen im Fokus, als daß sie "die zwei Grad" höhere Temperatur irgendwo auf dem Globus in irgendeiner Form jucken könnte. Wenn man gerade dabei ist, seine Landeswirtschaft oder gar den kläglichen Lebensunterhalt auf der Türschwelle der reichen Länder zusammenzukratzen, ist man womöglich sogar froh darüber. Dann braucht man im Winter weniger zu heizen.

Die G8 stehlen sich wieder einmal mit hübschen Worten aus der Affäre. Dabei könnte auch das reiche Deutschland so sehr viel mehr in Richtung erneuerbare Energiequellen tun. Und vom wem lernen die da auf der Schwelle wohl alle ihr Verhalten? Wer hat's erfunden?

Wir könnten forschen in Richtung Schadstoffvermeidung, vielleicht sogar in Richtung Temperatursenkung (wie immer das zu bewerkstelligen wäre). Ach, ich vergaß - geht ja nicht. Wir haben unser Bildungssystem bereits unangespitzt in den Boden zukünftiger Wüsten gerammt. Permafrost gibt's dann bald nur noch in Geschichtsbüchern und den heimischen Tiefkühltruhen. Aber Politiker, die große Reden schwingen, während der Planet langsam vor sich hinköchelt, die wird es wohl bis ganz zuletzt geben. Wie Kakerlaken, die überleben auch sämtliche Katastrophen. Man, man, man.

Und die Tageschau, diese Speerspitze modernen Journalismus, feiert die neue Politreligiosität ("Ich glaube, wir haben diesmal wirklich etwas erreicht") mit einem unnachahmlichen Satz. Wer immer den sich ausgedacht hat, der ist mein Held und bisher heißester Kandidat für den diesjährigen Pulitzer-Preis. Den muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: "Der Durchbruch war das noch nicht - aber immerhin wurde es etwas konkret."

"Herzlichen Glückwunsch, ein Dammriß war das noch nicht. Aber immerhin sind Sie schonmal ein bißchen schwanger."

[Update] Offenbar erschien anderen der scheinheilige Geist in L'Aquila ebenfalls:
"So tun, als täten sie was"

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