Meinungsfreiheit!
09 07 2009It's a sinking ship
Drip, drip, drip
Chumbawamba
Das Zitat des Tages stammt ganz eindeutig von fefe. Der klopft nochmal kräftig mit dem Schuh auf den Tisch, und ich muß das jetzt einfach mal in voller Länge wiedergeben, denn man kann es gar nicht oft genug wiederholen:
"Ich finde es immer wieder unglaublich, dass die Leute nicht verstehen, dass die Meinungsfreiheit IMMER die Freiheit des stinkenden Arschlochs ist, seine widerliche Hasspropaganda zu äußern. Die Fälle, wo jemand eine unkontroverse Meinung zu sagen hat, sind eh frei und brauchen kein Recht der Meinungsfreiheit. Und gerade immer die, die es besser wissen sollten! Mann Mann Mann.
Bei allen Grundrechten geht es darum, dass sie auch dem widerlichsten Feind zugestanden werden müssen. Das Recht auf einen Verteidiger vor Gericht und auf ein faires Verfahren gilt auch und insbesondere für den Kinderschänder, von dem der Polizist zu Protokoll gibt, ihn in flagranti erwischt zu haben. Unsere ganzen Rechte sind nichts wert, wenn wir sie nur unseren Freunden zugestehen wollen." (Quelle: fefe)
Unglaublich ist darunter auch der anscheinend untilgbare Glaube der Internetausdrucker, jedem, der virtuell seine Gosche aufreißt, einen Knebel verpassen zu können. Die haben die Funktionalität des Netzes sowas von nicht begriffen, da kann man wahrscheinlich argumentieren und faktisch belegen, bis der Arzt kommt. Das ist ungefähr so sinnvoll, wie Wasser in ein Sieb oder Sand in einen Fluß zu schaufeln. Aktuell ist es mal wieder Frau Zypries, der ein goldener Orden am Band für Merkbefreiung gebührt.
Wir müssen leben mit dem Haß und der Feindseligkeit, die es gibt auf der Welt. Mit den kranken Gedanken, die kranken Köpfen entspringen. Das sind Binsenweisheiten. Haßpropaganda bekämpft man nicht, indem man zensiert und verbietet. Das ist dasselbe, als wolle man einen Schwelbrand mit einem Eimer Benzin löschen: Dabei geht auch gleich all das mit in Flammen auf, was man eigentlich schützen wollte. Dabei kann man nur verlieren.
Your olfactory nerves
All up the spout
You can't smell a rat
When your nose is out
Haßpropaganda bekämpft man am wirksamsten, indem man Medienkompetenz lehrt, indem man unaufhörlich und unermüdlich aufklärt und sie dann ächtet und ignoriert isoliert. Eine gesunde Demokratie, eine moderne, stabile Gesellschaft muß mit solch negativen Stimmen umgehen können. Kann sie das nicht, wird es allerhöchste Zeit, es schleunigst zu lernen. Das ist der Preis der Zivilisation und der Meinungsfreiheit.
Nahezu unglaublich ist auch, daß jahrelang nach Globalisierung gerufen und sie immer wieder gefeiert wurde wie eine neuerstandene Gottheit, kaum daß sie sich über den Horizont erhob. Nun haben wir sie auch in der Form von weltumspannenden Informationsnetzen, die keine physischen Staatengrenzen mehr kennen und brauchen. Und urplötzlich ist das Erschrecken groß. Wahrscheinlich gäbe es heute immer noch mehr als genug Deppen, die eine Büchse selbst dann öffnen würden, wenn die Überbringerin in großen, schwarzen Lettern PANDORA auf die Stirn tätowiert trüge. Die dann, von der Welle der Innovation überrollt, anschließend hilflos mit den Armen rudern und bloß noch Luftblasen absondern würden.
Löschversuche sind im Internet zum Scheitern verurteilt. Das Netz vergißt nie. Wir müssen also lernen, mit unliebsamen Inhalten zu leben. Auch mit dem Haß und dem Dreck, der uns aus dessen Gossen entgegensuppt. Je schneller wir das lernen, desto reifer wird unsere Gesellschaft sein, und desto stabiler. Sich Scheuklappen aufzusetzen oder den Bürgern dieses Staates Augenbinden verpassen zu wollen, wird ganz sicher nicht auf den Weg zu einer medienkompetenten und modernen, zukunfts- und tragfähigen Demokratie führen.
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Kategorien : Außenwelt, Medienwelt
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