Zeitjustage
15 03 2010Vergangene Woche trat bei mir ein größerer Zeitverschiebungseffekt auf. Beim Uhrenvergleich mit einem Freund stellte ich eine doch recht erhebliche temporäre Abweichung fest. Meine lag etwa eineinviertel Stunde hinter der seinen zurück, ein untrügliches Zeichen dafür, daß die Knopfzelle schwächelte. Schon wieder, denn der letzte Tausch war gefühlt noch gar nicht einmal so lange her.
Bei der Uhr handelt es sich um eine etwa zwei Jahre alte LAKS Memory Date mit 64 MB Flash, auf dem ich einen Cryptocontainer mit mir herumtrage. Als notorischer Grobmotoriker und Uhrglasverkratzer empfand ich damals ihr Verhältnis von Speichergröße zu einem Preis von unter 50 € als gerade richtig. Inzwischen scheint genau dieses Modell nicht mehr lieferbar zu sein. Ähnliche Uhren sind aber unter anderen Namen und mit diversen Brandings noch im Handel, weil sie eine zeitlang als Werbegeschenke oder -prämien auf den Markt geworfen wurden.
Passend ist die Alkali-Knopfzelle AG1 (andere Typenbezeichnungen: LR 621, LR 60), die überall relativ preiswert zu bekommen ist. Bei mir lag noch ein 42teiliges Blisterpack Knopfzellen herum, das ich einmal aus anderen Gründen notgedrungen hatte kaufen müssen. Es gibt außerdem noch einige günstigere Sets beim selben Händler.
Der Batteriewechsel ist ein wenig fitzelig, mit ein wenig Geduld aber kein Problem. Man braucht eine Büroklammer und einen 1,8 mm Kreuzschlitz-Schraubendreher, wie er in handelsüblichen "Uhrmacher"-Sets enthalten ist. Außerdem ist eine Schale oder ein kleiner Behälter als Ablage sinnvoll, um spätere langwierige Suchen nach Kleinteilen im Teppichflor oder anderen gutbeleuchteten und leicht erreichbaren Orten in Bodennähe zu vermeiden.
Mit der aufgebogenen Büroklammer löst man unter vorsichtigem Druck beidseitig die Haltestifte des Armbands und zieht dessen zwei Teile ab. Danach löst man am besten zunächst die beiden kurzen Schrauben über der Anschlußstelle des USB-Kabels im Uhrendeckel. Die übrigen vier Schrauben können danach über Kreuz gelöst werden, wobei man den Deckel in der Mitte niederhalten sollte. Darunter befinden sich nämlich mehrere feine Federn. Einen von ihnen hat sich beim ersten Öffnen weniger als Halte- denn als Sprungfeder verstanden und ist deshalb prompt quer durch den Raum fliegen gegangen.
Nach vorsichtigen Abheben des Deckels blickt man auf die Platine mit dem Flash-Speicherchip. Im Handbuch zur Uhr gibt es auf Seite vier dazu ein Foto. Diese Platine ist mit drei Schrauben gesichert. Vor dem Lösen sollte man eventuell die einzelne, lange Feder aus der Führung am Rand des Gehäuses ziehen, falls diese stört. Dann hält man die Platine wie zuvor den Uhrendeckel nieder, indem man leicht auf den mittig eingelöteten Chip drückt und dreht dann die Schrauben nacheinander heraus.
Die Platine ist auf vier Führungsstäbe aus Platik aufgesetzt, von denen einer zusätzlich eine Feder trägt. Auf derselben Seite des Gehäuses befindet sich eine weitere, versteckte Feder, die von unten gegen die Platine drückt. An der Anschlußstelle des USB-Kabels wird der Kontakt der Masse- und Datenkabel über vier parallel angelötete Federn hergestellt, die man aber nicht zu lösen braucht. Nach dem vorsichtigen Anheben der Platine vom gegenüberliegenden Ende aus läßt sich diese daran um 90 Grad nach oben klappen. Wahrscheinlich fällt dabei mindestens eine der beiden anfangs erwähnten Federn heraus. Man sollte sie sich deshalb sichern.
Jetzt liegt das Uhrwerk frei. Ein kleines Schaumstoffpad ist zur Isolation und als Abstandshalter auf die Knopfzelle aufgeklebt. Man kann diese daran einfach aus ihrer Fassung ziehen. Wenn man das Pad anschließend vorsichtig ablöst, läßt es sich auf die nächste Batterie aufkleben und auf diese Weise wiederverwenden. Weil die Knopfzelle recht klein ist, läßt sie sich außerdem mit dem Pad etwas besser handhaben. Man kann sie daran in ihre Fassung einsetzen und leicht andrücken, bis sie mit einem Klick einrastet.
Falls sich eine oder beide der als Abstandshalter dienenden Federn gelöst haben sollten, müssen sie nun wieder eingesetzt werden. Diejenige, die auf den Führungsstift gehört, hat zwei Durchmesser. Das dickere Ende wird nach unten zeigend auf den Führungsstift aufgesetzt (die Feder paßt auch nur in diese Richtung). Anschließend senkt man die Platine ab und setzt sie auf die Führungsstifte auf. Mit leichtem Druck auf den Chip wird sie danach fixiert, während man die Halteschrauben eindreht.
Vor dem Aufsetzen des Uhrdeckels sollte man den Sitz des Dichtungsgummis überprüfen, das um den Rand des Gehäuses gelegt ist. Es hat ein rundes Profil und löst sich beim Hantieren an der Uhr manchmal aus der Führungsrille, weil es darin etwas Spiel hat. In dem Fall sollte man es mit dem Schraubendreher oder einer Pinzette vorsichtig wieder passend einlegen. Wenn zu Beginn die lange Feder aus der Führung am Rand des Gehäuses entfernt wurde, muß diese nun ebenfalls eingesetzt werden. Anschließend kann der Deckel aufgesetzt, leicht angedrückt und überkreuz mit den vier längeren Schrauben fixiert werden. Danach werden die kurzen Schrauben über dem USB-Kabel eingedreht.
Zuletzt müssen noch die beiden Armbandhälften angebracht werden. Am leichtesten geht das, indem man die Haltestifte an einer Seite bündig durchschiebt, das Armbandteil an dieser Seite ansetzt und dann mit einem flachen Schraubendreher oder einem anderen geeigneten Gegenstand die Feder am anderen Ende des Stiftes so weit eindrückt, daß das Armband in seine Halterung einrastet. Da man das Klicken nicht immer hört, sollte man sich durch vorsichtiges Hin- und Herbewegen davon überzeugen, daß wirklich beide Enden des Haltestiftes eingerastet sind. Manchmal ist dies nur auf einer Seite der Fall, so daß sich das Armbandteil löst, sobald es etwas stärkerem Zug ausgesetzt ist. In dem Fall muß man den Schritt wiederholen. Mit dem zweiten Teil verfährt man dann ebenso.
Insgesamt dauert die ganze Aktion etwa zehn Minuten. Danach testet man sicherheitshalber, ob der Flash-Speicher noch funktioniert. In den zwei Jahren, seit ich die Uhr besitze, habe ich die Batterie bisher zweimal tauschen müssen. Der letzte Wechsel lag erst wenige Monate zurück. Diesmal habe ich das Datum notiert, weil ich die Lebensdauer der Batterie nachhalten möchte. Beim nächsten Mal möchte ich außerdem davon Fotos machen.
Weiß jemand zufällig, ob es nur diesen einen, billigen Knopfzellentyp oder auch einen von höherer Qualität und größerer Lebensdauer gibt?
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