Großraumabteilunterhaltung

03 01 2010

Auf der Rückfahrt vom Vintage Electronic Festival sitze ich im Zug von Düsseldorf nach Bonn neben zwei Medizinstudentinnen, die sich mit ihrem Wissen über EMG großtun und vorgeben, dabei zu lernen. Der einen rollt immer wieder der Trolley über den Gang davon, bis ihr eine alte Dame rät, das Ding doch einfach querzustellen.

Sie daraufhin: "Oh, das klappt ja wirklich!"

Medizin studieren, aber von angewandter Physik keine Ahnung haben; ohauerha ...

Kontaktaufnahme mit dem Formatechaos

02 01 2010

Wenn ich geahnt hätte, wie schwierig es ist, eine brauchbare, freie Videokonvertierungs- und Schnittsoftware zu finden, dann hätte ich von vorneherein darauf verzichtet, den Aufwand für die Erzeugung dieses billigen, kleinen Filmschnipsels zu betreiben.

Im Ernst, gibt es 2010 immer noch keine Komplettprogramme, die solch simple Aufgaben wie das Schneiden eines Videos und die anschließende Umwandlung in ein beliebiges Zielformat für den Anwender transparent erledigen können? Ohne großartige vorherige Einstellungsorgien und die Voraussetzung, daß man darüber zuallererst zum Formatspezialisten und Filmprofi mutieren muß? Fast kann ich es mir nicht vorstellen.

Im allgemeinen bin ich recht technikaffin. Es gibt aber einige Anwendungsfälle, bei denen ich möchte, daß die Aufgabe möglichst schnell erledigt ist und der Ablauf für mich simpel vonstatten geht. Mich interessiert dabei nicht, in welchem - vermutlich proprietären - Drecksformat meine Kamera ihr Bildmaterial speichert. Und auch nicht, welches andere, vermutlich nicht hundertprozentig kompatible Format irgendein xbeliebiges Stück Software für die Bearbeitung oder Darstellung meines Bildmaterials als Input erwartet. Und auf eine Netzverbindung für irgendwelche Online-Geschichten will ich erst recht nicht angewiesen sein. Meine Filme will ich überall und jederzeit bearbeiten können. Also lokal. Punkt. Und offline. Doppelpunkt:

Ich will eine Videodatei nehmen und auf eine Software werfen können, und die ermöglicht mir dann, dieses Bildmaterial zu schneiden. Dazu muß es natürlich gleichzeitig abspielbar sein. Anschließend will ich den fertigen Film in einem möglichst massentauglichen Format speichern können. Im Idealfall dabei selbstredend ohne Qualitätsverlust. So daß, wenn ich diesen Film Tante Marta per Mailanhang oder als Datei auf einem Datenträger zukommen lasse, diese per Mausklick meine Künste als Regisseur bewundern kann, weil ihr Standard-0815-Videoabspielprogramm damit umzugehen weiß.

Damit dürfte klar werden, daß auch ein paar andere Dinge überhaupt gar nicht gehen. Zum Beispiel, daß ich irgendeinem Hersteller eines Stücks proprietärer Software, deren Qualität ich vor dem Ausprobieren logischerweise noch gar nicht einschätzen kann, zunächst mal die Farbe meiner Unterhose und die Höhe meines Gehaltes nennen muß, bevor mir gnädigerweise erlaubt wird, eine 10-Tage-Testversion seines Produktes herunterzuladen. Äh, hallo?
Also: Accounterstellungszwang beim Anbieter = kein Interesse und garantiert kein Kauf.

Ebensowenig will ich einen Kredit aufnehmen müssen, um besagtes Stück Software käuflich erwerben zu können. Meine Kamera ist ein simples Consumer-Produkt. Ihr Preis bewegt sich in einem niedrigen dreistelligen Bereich. Da bin ich nicht bereit, eine vierstellige Summe auszugeben, um von einem fingernagelgroßen Sensor erzeugtes grisseliges Bildmaterial weiterverarbeiten zu können. Wenn ich richtig filmen will, kaufe ich mir so etwas ähnliches wie eine PMW-EX1.
Also: Die Kosten für das Schnittprogramm - wenn überhaupt dabei welche entstehen - dürfen sich maximal im niedrigen zweistelligen Rahmen bewegen.

Geht das? Gibt es das? Hey Leute, wir haben 2010! Wir haben tolle Computer! Und jede Menge Rechenpower. Nur an der Kompatibilität und Nutzbarkeit diverser Softwareprodukte und damit verbundener Arbeitsabläufe scheint es immer noch gewaltig zu hapern. Nicht nur auf diesem weiten Feld, das mir im Augenblick eher wie eine ziemlich große Wüste vorkommt.

Nachgebloggt: ARD mit ELENA

01 01 2010

Falls irgendwer noch die Hoffnung hegte, in punkto Datenschutz versus Vorratsdatenspeicherung könne 2010 noch nicht jedes Kind in den Brunnen gefallen sein, konnte er sie gleich wieder fahren lassen. In die erste 20:00-Uhr-Tagesschau des neuen Jahres stieg die ARD mit einem relativ kritischen Beitrag über den Elektronischen Einkommensnachweis ein, der eigentlich auch hartgesottenen Ignoranten die Haare hätte zu Berge stehen lassen müssen. Die gesendete Kurzversion schien mir deutlichere Töne anzuschlagen ais die nun auf der ARD-Website stehende Langfassung, deshalb erwähne ich es überhaupt hier. Ich kann mich darin aber auch irren.

Normalerweise blogge ich nicht mehr über Datenschutzthemen. Wollte ich das konsequent tun, käme ich aus dem Schreiben gar nicht mehr heraus und müßte sie zum alleinigen und zentralen Thema des Blogs machen. Informiert euch selbst. Seid kritisch. Werdet aktiv. Wählt richtig. Schützt euch, wo es irgend geht und noch möglich ist.

Frohes neues Jahr!

01 01 2010

Ein frohes neues Jahr, Gesundheit, Glück und einen guten Start in die neue Dekade wünsche ich allerseits!







Übrigens, und weil es andernorts anderen angemeckert wird, ist mir die kalendarische Festlegung des Jahrzehnts durchaus bewußt. Trotzdem beginne ich, wie bei der Indexierung von Array-Elementen, bei Null zu zählen, nicht bei Eins. Demnach gibt es auch Nullerjahre. Und eine Dekade ist eine Dekade ist eine Dekade, ein Zeitraum von zehn Jahren. Kleiner Wink mit dem Zaunpfahl: wen das stört, der kann gerne am Ende dieses Jahres bei Null beginnen und mit mir in die neue Dekade hineinfeiern. Daraus ergibt sich für mich der charmante Vorteil, ihren Start gleich zweimal begehen zu können.

2010: Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen

01 01 2010

Die neue Dekade soll mit etwas besonderem beginnen. Deshalb wird als erstes mein Gaumen Kontakt aufnehmen, und zwar mit einem Tyrconnell, den ich zu Weihnachten geschenkt bekam.

Aus dem Umstand, daß ich lieber mit einem Single Malt Whiskey anstoße als mit einem beliebigen Schaumwein, läßt sich berechtigterweise der Schluß ableiten, daß ich mich für blasses Blubberwasser wenig begeistern kann. Auch für Champagner kann ich mich kaum erwärmen, zumal es sich dabei eigentlich um ein Kaltgetränk handelt.

Für mich deshalb bitte nur ein wenig Quellwasser auf den Tisch; danke, James.

Werbepause

17 08 2009

Sil53r: (kommentiert einen Werbespot)
Die Königin: (entsetzt) "Du kannst doch Jessica Alba nicht 'Entenarsch' nennen!"

Das beste am Fernsehprogramm, und zwar einhellig über alle Sender hinweg, ist die Werbung. Es ist der einzige Part, in dem Werbeagenturen wirklich kreativ sein dürfen und Filmemacher sich noch richtig austoben können. Dort, wo Klischees auf Wunschdenken und die exaltierte Hoffnung treffen, man möge die angepeilte Zielgruppe tatsächlich erreichen, dort, wo das meiste Geld hineingesteckt wird, steckt auch die eigentlich Unterhaltung.
Ich liebe Werbefernsehen.

Ab und zu scheint ein Funken Intelligenz auf. Wie zum Beispiel in jenem Spot, der mit der Frage beginnt: "Ist ihnen schon einmal aufgefallen, daß in einem Auto die wirklich wichtigen Personen immer hinten sitzen?" Darauf werden verschiedene VIPs in ihren Luxusgefährten gezeigt. Anschließend Schwenk zu den Kindern auf dem Rücksitz einer Familienlimousine. Das ist brillant und dürfte seine Wirkung nicht verfehlen.

Am spannendsten ist Werbefernsehen aber dort, wo es am dämlichsten ist. Und damit meine ich nicht einmal Yodafail und seine fehlgeleitete Kampagne. Oft werden strunzdumme Sätze herausgehauen, die vor Blödheit nur so krachen. Deutschländerwürstchen sind da schon ziemlich nahe dran an einem hohen Unterhaltungswert.

Wie zum Beispiel: "Heilen Sie ihren Fußpilz!"
Ähm, hallo? Ich will den nicht heilen, sondern bekämpfen! Eine Fußpilzinfektion kann man mit dem beworbenen Mittelchen vielleicht heilen, aber auch dazu muß man zunächst mal den Pilz vernichten. Mit Heilung ist bei dem gar nichts zu wollen.

Oder: "Gegen jedes Anti-Aging-Problem gibt es eine Crème."
Das glaube ich zwar gerne, aber ob das den angepeilten Verbraucherinnen wirklich gefallen wird? Ich glaube, denen kann man besser mit Crèmes gegen Aging-Probleme kommen, die sie bei ihren Anti-Aging-Bemühungen auch tatkräftig unterstützen. Es ist stark zu bezweifeln, daß sie sich etwas ins Gesicht schmieren wollen, was sie noch älter aussehen lassen wird, als sie bereits sind. Jaja, die böse Buzzword-Falle. Ihr Bumerang kann einem schonmal harte Nackenschläge verpassen, wenn man mit Anglizismen um sich wirft, seiner Muttersprache aber nicht vollends mächtig ist.

Das allerbeste ist aber ein Produkt, das es wirklich so auf dem Markt gibt:
Vanish Oxi Action Intelligence Plus Powerweiß Gel.
Wow. Je dümmer die Hausfrau, desto intelligenter das Waschmittel.

Das muß man sich echt mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich liebe vor allem diese kreative Neuschöpfung "Powerweiß". Das einzige Wort im Produktnamen, das noch einen winzigen deutschen Restreinbestandteil enthält. Weiß der Fleckenteufel, warum. Mein verstorbener Großvater hätte kommentiert: "Ich weiß zwar nicht, was das ist, aber das ist so'n Wort!"

Sil53r: "Ich mag keine Lamas. Die spucken immer!"
Die Königin: "Das ist kein Lama!1!! Das ist ein Alpaka!"
Sil53r: (Pause) "Schmecken Alpakas gut?"
Die Königin: "Du Gierschlund! Das schreibt sich Lama, nicht Lamm!"

Enchanté, Madame Diener

16 08 2009

Einer meiner erlernten Berufe ist der des Reformhauskaufmanns. Nach einigen Jahren in der Szene habe ich ihn aufgegeben. Wahrscheinlich wäre ich sonst wahnsinnig geworden und irgendwann Amok gelaufen. Angeblich soll Fleischverzicht ja friedlich stimmen, aber ich hege den schlimmen Verdacht, daß all diese Surrogate auf Dauer äußerst aggressiv machen. Das liegt vermutlich an dem ganzen DDT in dem Soja oder womit die armen Bauern in der dritten Welt ihre Felder sonst noch düngen. Jedenfalls hätte ich am Ende für ein saftiges, englisches Steak töten können.

Daß, kleidungstechnisch betrachtet, gelegentlich an Schamanen erinnernde Gestalten durch die Gänge des heimischen Biohauses schlichen, daran gewöhnte man sich irgendwann. Wenn sie eines ihrer bizarren Rituale vor dem Regal mit den Würzkräutern verrichteten, blieben die schwingenden Messingpendel immerhin lautlos, störten die übrige Kundschaft nur unwesentlich und hinterließen darüberhinaus keine dauerhaften Spuren. Außerdem ist dies ein Land mit Religionsfreiheit.

Diskussionen über die Vorzüge antroposophischer Erziehung bei gleichzeitiger makrobiotischer Ernährung fand ich hingegen deutlich belastender. Noch heute betrachte ich es als die Kür der hohen Verkaufskunst, fortwährend freundlich lächelnd zu nicken, während einem bei jedem zweiten Wort der Bullshit-Detektor lauthals in die Ohren schrillt. Wer bereits solche Perlen der Makrobiotik gekostet hat wie beispielsweise Umeboshi-Aprikosen, wird Verständnis für mein Verlangen entwickeln, auf Speisen wie Tagliatelle al salmone oder Roquefort-Creme-Brûlée nicht verzichten zu wollen.

Interessant war auch zu beobachten, daß gerade diejenigen Leute, die einem weiszumachen suchten, sie ernährten sich besonders gesund, häufig aussahen wie die Protagonisten aus einem George-A.-Romero-Film. Der Gipfel des Kultischen aber war eine Geburtstagsfeier mit Essen, das ausschließlich mit Produkten aus biologisch-dynamischem Anbau hergestellt worden war. Dazu wurde ein Edelstein-Verkauf zur Stärkung der Chakras gereicht. Die musikalische Untermalung bestand aus Planeten-Gongs. Die CDs des Künstlers konnte man anschließend ebenfalls kaufen.
Nein, ich wurde nicht wahnsinnig.

Aber es genügt, um sich heute ehrfurchtsvoll vor Frau Diener zu verneigen. Chapeau!

Knicklicht-Grufties

31 07 2009

Die Königin & Sil53r: (sehen einen Pro7-Beitrag über Cyber Gothics) "LOL!"
Sil53r: "WTF?!"
Die Königin: "Neuer Trend? Ich kann mich nicht mehr genau an die Jahre davor erinnern, aber die rannten bereits Anno 2003 auf dem WGT herum."
Sil53r: (gähnt) "Und seit 20 Jahren schwallt die Gothic-Szene denselben Schmu, wenn eine Kamera auf sie gerichtet wird."
Die Königin: "Herzlich willkommen bei 'Unnützes Wissen & Dinge, die die Welt nicht braucht'." (schaltet den Verblödungsstrahler ab)

(Fünf Minuten später)

Sil53r: (logt sich in Mass Effect ein) "Weia!1!11!"
Die Königin: (lugt ihm über die Schulter) "Was denn?"
Sil53r: (zeigt auf die Quarianerin in seiner Squad) "Guck mal da, ein Cyber Goth!"
Die Königin: "LOL!"
Sil53r: "He!" (Pause) "Aber cooles Outfit, oder..?"

Disclaimer: Sil53r sympathisiert durchaus mit Cyber Goths, auch wenn sein Schwerpunkt auf Steampunk liegt.

Offene Türen

19 07 2009

Die Königin: (liest das heutige Line-up für das Amphi-Festival am Kölner Tanzbrunnen) "Jetzt habe ich mich doch glatt gefragt, wer zum Teufel eigentlich "Doors Open" ist..?!"






SWAT-Team stürmt Geburtstagsfeier

18 07 2009

Das ist der Beweis, wie gefährlich soziale Netzwerke sind: Mann kündigt eine Feier im Freundeskreis zu seinem 30. Geburtstag für 17 Leute auf Facebook an, und es erscheinen auch unangemeldete Besucher. Vier Einsatzwagen, ein Randale-Van und ein Hubschrauber, aus dem sich ein acht Mann starkes SWAT-Team in voller Rüstung abseilt. Um den illegalen "Rave" von 15 Burger-Essenden bei lautloser Musik zu beenden. Die war nämlich noch nicht einmal eingeschaltet, und zwei der geladenen Gäste fehlten auch noch. Würde sagen, das war ein Geburtstag, den man so schnell nicht vergißt. Der Klopper ist aber die offizielle Stellungnahme des Polizeisprechers, der dazu meinte: "We were extremely concerned how the event had been advertised on the internet as an all-night party." Yeah, right. Deescalation, my ass. (via fefe)






Demo "Freiheit statt Angst"

17 07 2009

Die Demo "Freiheit statt Angst" findet am 12. September 2009 in Berlin statt.






(via Kristian Köhntopp)

Meinungsfreiheit!

09 07 2009

It's a sinking ship
Drip, drip, drip


Chumbawamba

Das Zitat des Tages stammt ganz eindeutig von fefe. Der klopft nochmal kräftig mit dem Schuh auf den Tisch, und ich muß das jetzt einfach mal in voller Länge wiedergeben, denn man kann es gar nicht oft genug wiederholen:

"Ich finde es immer wieder unglaublich, dass die Leute nicht verstehen, dass die Meinungsfreiheit IMMER die Freiheit des stinkenden Arschlochs ist, seine widerliche Hasspropaganda zu äußern. Die Fälle, wo jemand eine unkontroverse Meinung zu sagen hat, sind eh frei und brauchen kein Recht der Meinungsfreiheit. Und gerade immer die, die es besser wissen sollten! Mann Mann Mann.

Bei allen Grundrechten geht es darum, dass sie auch dem widerlichsten Feind zugestanden werden müssen. Das Recht auf einen Verteidiger vor Gericht und auf ein faires Verfahren gilt auch und insbesondere für den Kinderschänder, von dem der Polizist zu Protokoll gibt, ihn in flagranti erwischt zu haben. Unsere ganzen Rechte sind nichts wert, wenn wir sie nur unseren Freunden zugestehen wollen." (Quelle: fefe)

Unglaublich ist darunter auch der anscheinend untilgbare Glaube der Internetausdrucker, jedem, der virtuell seine Gosche aufreißt, einen Knebel verpassen zu können. Die haben die Funktionalität des Netzes sowas von nicht begriffen, da kann man wahrscheinlich argumentieren und faktisch belegen, bis der Arzt kommt. Das ist ungefähr so sinnvoll, wie Wasser in ein Sieb oder Sand in einen Fluß zu schaufeln. Aktuell ist es mal wieder Frau Zypries, der ein goldener Orden am Band für Merkbefreiung gebührt.

Wir müssen leben mit dem Haß und der Feindseligkeit, die es gibt auf der Welt. Mit den kranken Gedanken, die kranken Köpfen entspringen. Das sind Binsenweisheiten. Haßpropaganda bekämpft man nicht, indem man zensiert und verbietet. Das ist dasselbe, als wolle man einen Schwelbrand mit einem Eimer Benzin löschen: Dabei geht auch gleich all das mit in Flammen auf, was man eigentlich schützen wollte. Dabei kann man nur verlieren.

Your olfactory nerves
All up the spout
You can't smell a rat
When your nose is out


Haßpropaganda bekämpft man am wirksamsten, indem man Medienkompetenz lehrt, indem man unaufhörlich und unermüdlich aufklärt und sie dann ächtet und ignoriert isoliert. Eine gesunde Demokratie, eine moderne, stabile Gesellschaft muß mit solch negativen Stimmen umgehen können. Kann sie das nicht, wird es allerhöchste Zeit, es schleunigst zu lernen. Das ist der Preis der Zivilisation und der Meinungsfreiheit.

Nahezu unglaublich ist auch, daß jahrelang nach Globalisierung gerufen und sie immer wieder gefeiert wurde wie eine neuerstandene Gottheit, kaum daß sie sich über den Horizont erhob. Nun haben wir sie auch in der Form von weltumspannenden Informationsnetzen, die keine physischen Staatengrenzen mehr kennen und brauchen. Und urplötzlich ist das Erschrecken groß. Wahrscheinlich gäbe es heute immer noch mehr als genug Deppen, die eine Büchse selbst dann öffnen würden, wenn die Überbringerin in großen, schwarzen Lettern PANDORA auf die Stirn tätowiert trüge. Die dann, von der Welle der Innovation überrollt, anschließend hilflos mit den Armen rudern und bloß noch Luftblasen absondern würden.

Löschversuche sind im Internet zum Scheitern verurteilt. Das Netz vergißt nie. Wir müssen also lernen, mit unliebsamen Inhalten zu leben. Auch mit dem Haß und dem Dreck, der uns aus dessen Gossen entgegensuppt. Je schneller wir das lernen, desto reifer wird unsere Gesellschaft sein, und desto stabiler. Sich Scheuklappen aufzusetzen oder den Bürgern dieses Staates Augenbinden verpassen zu wollen, wird ganz sicher nicht auf den Weg zu einer medienkompetenten und modernen, zukunfts- und tragfähigen Demokratie führen.

G8-Klimabeschlüsse: Etwas konkretes?

09 07 2009

"Die Klimabekenntnisse von L'Aquila" und "Jetzt sind die Schwellenländer am Zug" titelt die Tagesschau. Das klingt ein bißchen nach Beichte und Buße von Heiligen. Und nach gemütlichem Zurücklehnen: Wir haben gemacht. Unsere Arbeit ist erstmal getan, unser Soll ist erfüllt. Jetzt, liebe Schwellenländer, seid ihr dran. Aber hallo!

Ungeachtet der Komplexität der Problematik und der Brisanz des Themas Erderwärmung machen es sich die G8-Staaten dabei ziemlich einfach, wie ich finde. Die Schwellenländer heißen schließlich nicht umsonst so. Die haben ganz andere Themen im Fokus, als daß sie "die zwei Grad" höhere Temperatur irgendwo auf dem Globus in irgendeiner Form jucken könnte. Wenn man gerade dabei ist, seine Landeswirtschaft oder gar den kläglichen Lebensunterhalt auf der Türschwelle der reichen Länder zusammenzukratzen, ist man womöglich sogar froh darüber. Dann braucht man im Winter weniger zu heizen.

Die G8 stehlen sich wieder einmal mit hübschen Worten aus der Affäre. Dabei könnte auch das reiche Deutschland so sehr viel mehr in Richtung erneuerbare Energiequellen tun. Und vom wem lernen die da auf der Schwelle wohl alle ihr Verhalten? Wer hat's erfunden?

Wir könnten forschen in Richtung Schadstoffvermeidung, vielleicht sogar in Richtung Temperatursenkung (wie immer das zu bewerkstelligen wäre). Ach, ich vergaß - geht ja nicht. Wir haben unser Bildungssystem bereits unangespitzt in den Boden zukünftiger Wüsten gerammt. Permafrost gibt's dann bald nur noch in Geschichtsbüchern und den heimischen Tiefkühltruhen. Aber Politiker, die große Reden schwingen, während der Planet langsam vor sich hinköchelt, die wird es wohl bis ganz zuletzt geben. Wie Kakerlaken, die überleben auch sämtliche Katastrophen. Man, man, man.

Und die Tageschau, diese Speerspitze modernen Journalismus, feiert die neue Politreligiosität ("Ich glaube, wir haben diesmal wirklich etwas erreicht") mit einem unnachahmlichen Satz. Wer immer den sich ausgedacht hat, der ist mein Held und bisher heißester Kandidat für den diesjährigen Pulitzer-Preis. Den muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: "Der Durchbruch war das noch nicht - aber immerhin wurde es etwas konkret."

"Herzlichen Glückwunsch, ein Dammriß war das noch nicht. Aber immerhin sind Sie schonmal ein bißchen schwanger."

[Update] Offenbar erschien anderen der scheinheilige Geist in L'Aquila ebenfalls:
"So tun, als täten sie was"

Schwarzweißfernsehen

30 06 2009

The piper is playing just the right song
Pretty faces smiling so convincing
They are all doing it, they got it all
What are you waiting for, follow the leader

It all seems so perfect, make love not war
Pick and choose a cure for boredom
We're so close to the edge now, but nobody cares
Far away, in the arms of morpheus

We all agree this ship is going down
And what goes around comes around ...


[Apoptygma Berzerk: Black Versus White]

Kurze Durchsage: Apoptygma Berzerk sind cool. Vor allem live. "Non-Stop Violence" wird für mich immer ein Tanzbodenkracher bleiben. Nachdem sie etwas Rocket Science betrieben haben, sind sie derzeit auf Mondfahrt. Aber auch auf sonstigen Reisen ist ihre akustische Begleitung gerne willkommen.

Ganz großes Kino. Aber damit meine ich jetzt nicht die Musik.

Vitaminbomben

30 06 2009

Pleased to meet you, we came to drop bombs on you
Shatter illusions, connect the dots and yell the truth


[Apoptygma Berzerk: Weight Of The World]

Hier mal was Krasses aus dem Ernährungsbereich. Alles soweit bekannt, soweit besorgniserregend. Sehr spannend finde ich aber den Schluß, der da gezogen wird. Der beschriebene Zyklus geht etwa wie folgt:
VITAMIN="A, C, E";

Schritt 1: Wir haben gerade wissenschaftlich nachgewiesen,
daß hohe $VITAMIN-Gaben nicht nur nix nützen, sondern
schaden und schlimmstenfalls sogar deutlich lebensverkürzend
sind.

Schritt 2: VITAMIN="Folsäure, D";
Hmm, in Deutschland haben viele Menschen gravierenden
$VITAMIN-Mangel.

Schritt 3: IDEE! Laßt uns eine hochdosierte $VITAMIN-Pille
basteln und den Leuten verabreichen, dann leben die alle
viel länger!1elfen!!

Schritt 4: GOTO Schritt 1.
In Schritt 2 wird dann beim nächsten Durchlauf die Variable VITAMIN durch den allerneusten Schrei auf dem $VITAMIN-Markt ersetzt, den man sich per Einlauf, Entschuldigung, Infusion zuführen soll. Cholecalciferol - Vitamin D - kommt dabei schonmal besonders cool. Ist ja bloß ein Prohormon, ey, da macht das bestimmt nichts, wenn man das mal kräftig überdosiert!1!! Oda Gips Muckis wie Schworzenegger, boah ey, ischwör!

Mal gucken, was könnte man denn auf dem Rundflug durch die dritte Runde noch alles so vertickern? Ha, ich hab's! Vitamin K war bisher noch nicht dran. K wie koool. Das wird bestimmt der Hammer!

*facepalm*