17 01 2006

   »Das Meer erhebt sich gegen den Menschen, wie unanständig von dem lausigen Gewässer. Wo wir doch bloss ein bisschen Müll versenken und die Fische und die Wale ausrotten.«
Aufgelesen bei Frank Schätzing, in "Der Schwarm".

16 01 2006

Allmählich kam er sich vor wie ein biologischer Ermittler: Haben sie diesen Wurm gesehen? Können sie ihn beschreiben? Würden sie ihn wiedererkennen, wenn wir ihn mit fünf anderen Würmern zu einer Gegenüberstellung laden? Hat dieser Wurm der alten Frau die Handtasche entrissen? Sachdienliche Hinweise nimmt die nächste Forschungsstelle entgegen.
Aufgelesen bei Frank Schätzing, in "Der Schwarm".

15 01 2006

Ford zögerte nicht lange und schlug seinerseits Awanak als Berater vor, der von allen Wissenschaftlern Nordamerikas und Kanadas vermutlich mehr als jeder andere wusste, was einem Wal im Kopf herumging. Denn nur dort konnte die Antwort liegen: Wenn Wale über Intelligenz verfügten – hatten sie dann noch alle Tassen im Schrank?
Aufgelesen bei Frank Schätzing, in "Der Schwarm".

14 01 2006

   Jérôme ging in die Hocke. Er war nun ganz dicht an dem Tier, auf Augenhöhe sozusagen.
   Der Hummer richtete leicht den Oberkörper auf. Eine Sekunde schien er Jérôme aus seinen schwarzen Augen anzusehen.
   Dann platzte er.

Aufgelesen bei Frank Schätzing, in "Der Schwarm".

13 01 2006

   »Lass dich nicht von der Angst einholen. Du hast recht, du bist schnell. Sei schneller als die Angst.« Er sah sie an. »Ich war es damals nicht. Alles, was du ohne Angst entscheidest, entscheidest du richtig.«
Aufgelesen bei Frank Schätzing, in "Der Schwarm".

12 01 2006

   Er lachte leise. »Kennst du diesen wunderbaren Film mit Cher und Nicolas Cage? Mondsüchtig. Jemand fragt, warum wollen Männer mit Frauen schlafen? Und die Antwort ist: Weil sie Angst vor dem Tod haben. Mhm. Wie komme ich jetzt darauf?«
   »Weil alles mit Angst zu tun hat. Angst vor dem Alleinsein, Angst davor, nicht gefragt zu sein - aber schlimmer ist die Angst, wählen zu können und dich falsch zu entscheiden.«

Aufgelesen bei Frank Schätzing, in "Der Schwarm".

11 01 2006

Das übliche Procedere. Es funktionierte immer. Es wurde gegessen, getrunken, geredet, zusammengerückt. Es folgte, was eben folgt, wenn ein alternder Bohemien und eine junge Frau an einen einsamen, romantischen Ort fuhren.
   Verdammte Automatismen!

Aufgelesen bei Frank Schätzing, in "Der Schwarm".

10 01 2006

   Lund sah hinaus.
   »Und das hast du alles für dich alleine?«, fragte sie.
   »Meistens.«
   Sie schwieg eine Weile.
   »Du musst ziemlich gut mit dir selber klarkommen, schätze ich.«
   Johanson lachte leise. »Wieso glaubst du das?«
   »Wenn du hier niemanden findest außer dich selber ... ich meine, deine Gesellschaft muss dir angenehm sein.«
   »Oh ja. Ich kann hier draußen mit mir umspringen, wie ich will. Mich mögen, mich verabscheuen ...«
   Sie wandte ihm den Kopf zu.
   »So was kommt vor? Dass du dich verabscheust?«
   »Selten. Und wenn, verabscheue ich mich dafür.«

Aufgelesen bei Frank Schätzing, in "Der Schwarm".

09 01 2006

Mitunter gab es Situationen, da verliebte er sich in sein eigenes Charisma. Dann wieder erkannte er den Charismatiker nicht wieder, besonders in den frühen Morgenstunden. Bis jetzt hatten ein paar Tassen Tee und ein bisschen kosmetische Pflege immer noch ausgereicht, das schnell wieder in Ordnung zu bringen. Eine Studentin hatte ihn unlängst mit dem deutschen Schauspieler Maximilian Schell verglichen, und Johanson hatte sich geschmeichelt gefühlt, bis ihm bewusst wurde, dass Schell über siebzig war. Danach war er auf eine andere Hautcreme umgestiegen.
Aufgelesen bei Frank Schätzing, in "Der Schwarm".

08 01 2006

»Aber die meisten Menschen brauchen die Vorstellung, dass Leben umso schützenswerter ist, je mehr es nach dem Menschen schlägt. Es ist und bleibt leichter, ein Tier zu töten als einen Menschen. Es wird erst dann schwieriger, wenn wir das Tier als nahen Verwandten betrachten. Die meisten Menschen sind mittlerweile dazu bereit, aber die wenigsten wollen sich mit dem Gedanken anfreunden, dass wir vielleicht nicht die Krone der Schöpfung sind und dass wir auf der Werteskala des Lebens nicht vor allen anderen, sondern neben ihnen stehen. Das führt zu einem Dilemma: Wie soll ich einem Tier oder einer Pflanze die gleiche Achtung entgegenbringen wie einem Menschen, wenn ich zugleich den Wert menschlichen Lebens höher einschätze als den Lebenswert einer Ameise oder eines Affen oder Delphins?«
Aufgelesen bei Frank Schätzing, in "Der Schwarm".

07 01 2006

   »Ihr Biologen seid komische Leute. Wie kriegt ihr so was raus?«
   »Wir tun schreckliche Dinge. Wir trocknen den Wurm und zermahlen ihn zu Wurmpulver, und das kommt dann in die Messmaschine.«

Aufgelesen bei Frank Schätzing, in "Der Schwarm".

06 01 2006

Es gab verschiedene Möglichkeiten, einen Wurm zu töten. Die gängige war, ihn in Alkohol zu legen, in Wodka oder klaren Aquavit. Aus menschlicher Sicht entsprach das einem Tod im Vollrausch, also nicht die schlechteste Art des Ablebens. Die Würmer sahen das anders und zogen sich im Todeskampf zu einem harten Klumpen zusammen, wenn man sie nicht vorher entspannte. Dazu diente das Magnesiumchlorid. Die Muskeln der Tiere erschlafften, und im Folgenden konnte man mit ihnen anstellen, was man wollte.
Aufgelesen bei Frank Schätzing, in "Der Schwarm".

Frank Schätzing: Der Schwarm

05 01 2006

Frank Schätzing: Der SchwarmVor Peru verschwindet ein Fischer. Spurlos. Norwegische Ölbohrexperten stoßen auf merkwürdige Organismen, die Hunderte Quadratkilometer Meeresboden in Besitz genommen haben. Währenddessen geht mit den Walen entlang der Küste British Columbias eine unheimliche Veränderung vor. Nichts von alledem scheint miteinander in Zusammenhang zu stehen. Doch Sigur Johanson, Biologe und Schöngeist, glaubt nicht an Zufälle. Auch der indianische Walforscher Leon Awanak gelangt zu beunruhigenden Schlüssen: Eine Katastrophe kündigt sich an. Die Suche nach dem Urheber konfrontiert die Forscher mit ihren schlimmsten Albträumen. (Klappentext)

Als ich bei der Bescherung am heiligen Abend mit einem Mal diesen Roman von Frank Schätzing in der Hand hielt, war meine erste Reaktion beim Lesen des Klappentextes ein innerliches Aufstöhnen: "Oh nein, nicht noch ein Öko-Thriller!" Mein Bruder sah zudem meinen skeptischen Blick angesichts des Umfangs von knapp 1000 Seiten und machte gleich eine Bemerkung, die auf meine Haltung gegenüber derartigen Wälzern anspielte. Meine "These" ist ihm natürlich bestens bekannt. Ungeachtet einer gewissen Skepsis schlug ich den Band dennoch auf und las die erste Seite - eins meiner Rituale. Zwanzig Seiten später hatte Schätzing mich. Nach einhundert Seiten wußte ich, daß ich dieses Buch lesenswert nennen würde.

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Das Seitenlimit

04 01 2006

These: "Was ein Autor auf 300 Seiten nicht auszudrücken vermag, das gelingt ihm auch auf 600 Seiten nicht." (Eigenzitat)

Mit diesem Satz pflege ich meiner ausgeprägten Abneigung gegenüber Romanen in Schinkenformat Ausdruck zu verleihen, die sich ursprünglich auf die Lektüre von Stephen Kings "Es" gründet. Ein Wälzer desjenigen Autoren, "der sich morgens beim Pinkeln mal eben einen Roman aus dem Ärmel schüttelt", wie ein Rezensent einmal launig bemerkte. Er hatte das als Kompliment gemeint. Ich hingegen faßte es als Wertung der literarischen Qualität von King-Romanen auf: bestenfalls Klolektüre, eben. Der Ausdruck paßt jedenfalls gut zu der häufig darin verwendeten Vulgärsprache. Ich meine, fluchbeladene Haushaltsgeräte, angriffslustige Toaster, Killer-Kaninchen und bösartige Autos in Erzählungen von epischer Breite - ich bitte sie! Sollte das wirklich Ernst sein? Kann man so etwas ernst nehmen?

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