Der
Sheevaplug ist ein energieeffizienter Steckdosencomputer, der leistungsfähige Hardware auf kleinem Raum vereint. Er enthält 512 MB Flash- und 512 MB Hauptspeicher, einen ARM-Prozessor, dessen Rechenleistung in etwa mit der eines mit 800 MHz getakteten Pentium III vergleichbar ist, einen USB-, einen SDIO- und einen Gigabit-Ethernet-Port sowie eine JTAG- und serielle-zu-USB-Schnittstelle.
Der Stromverbrauch beträgt zwischen 4 W im Leerlauf über 7 W unter Last bis hin zu etwa 11 W bei gleichzeitig angeschlossenem Netzwerk, USB-Festplatte und 100% Prozessorlast. Dabei wird das Gerät nur etwa handwarm. Das Netzteil ist in dem kompakten Gehäuse gleich mit eingebaut. Es wird bloß noch ein handelsübliches Kleingerätekabel benötigt, und der Mini-Rechner ist betriebsbereit. Er kostet 99$ ohne Versandkosten, das sind etwa 75€, Stand heute.
Vertrieben wird der Sheevaplug als Entwicklungsplattform, aber natürlich läßt er sich im Heimbereich wesentlich vielseitiger einsetzen. Das ist auch der Grund dafür, weshalb sich viele
NSLU2-Nutzer auf das Gerät stürzen. Letztere weist ebenfalls einen geringen Stromverbrauch auf, krankt aber an einem schwachen Prozessor und dem zu geringen Hauptspeicher von nur 32 MB, so daß sie von vielen Aufgaben überfordert ist, die man heute an einem Heimserver stellen würde. Es sieht ganz danach aus, als könnte dieser Steckdosencomputer die NSLU2 ablösen, zumal er in etwa dasselbe kostet.
Der Sheevaplug wird mit einem vorinstallierten Ubuntu ausgeliefert. Die Unterstützung seitens des Debian-Projektes ist ebenfalls zugesagt und anscheinend bereits in Arbeit. Desweiteren ist es verschiedenen Nutzern inzwischen gelungen, Debian auf einer SD- oder SDHC-Karte zu installieren und erfolgreich davon zu booten.
Am 16. März war mein Exemplar bestellt worden, gestern ist es angekommen. Die Inbetriebnahme verlief dermaßen unspektakulär, daß man sie schon als langweilig bezeichnen muß: Netzstecker stecken, USB-Kabel anstecken, Strom einschalten und den Start des Mini-Rechners an der seriellen Konsole mitverfolgen. Nach dem Login als root eine sinnvolle Netzwerk-Konfiguration auflegen, Ethernet-Kabel stecken, fertig. Einziges Hindernis war das mitgelieferte, offenbar billig konfektionierte USB-Kabel, dessen Mini-Steckerseite nicht dem Standard entspricht und mechanisch zu klein ausfällt. Dadurch waren ein sicherer Sitz und Kontakt nicht möglich. Der Austausch mit einem handelsüblichen Kabel, wie sie Digitalkameras und anderen USB-fähigen Geräten beiliegen, brachte hier rasche Abhilfe.
Alle übrigen Arbeiten unterscheiden sich nicht von denen auf einer x-beliebigen anderen Entwicklungs-Hardware. Aufgaben wie das Anpassen des Kernels, Repartitionierung des Flash-Speichers oder Installation der favorisierten Linux-Distribution und zusätzlicher Applikationen sind dank des verfügbarem Ethernet, JTAG und serieller Konsole sofort in Angriff zu nehmen, ohne erst das Gerät zerlegen, den Lötkolben schwingen und mühselig Adapter basteln zu müssen.
Es ist durchaus möglich, daß sich hier eine neue Generation stromsparender, "immer an"-Computer für den Hausgebrauch ankündigt. Mit der derzeitigen Bestückung ist der Sheevaplug bereits sehr vielseitig einsetzbar. Falls er stabil zu betreiben ist, wird er hier tatsächlich die NSLU2 ablösen, die zur Zeit noch den internen Nameserver trägt und per USB-Steckerleiste als Schaltstelle für diverse weitere Geräte dient. Die Plattform, auf die der Sheevaplug aufsetzt, kann jedoch noch wesentlich mehr. So sind beispielsweise ein zusätzlicher USB- und Ethernet-Port sowie SATA-Schnittstellen möglich. Dadurch wäre der Einsatz als Router oder NAS denkbar. Entsprechende Entwicklungen sind anscheinend von verschiedenen Firmen geplant, so daß womöglich noch spannende Produkte auf der Basis dieser Plattform erscheinen werden.