Einige Telekom-Kunden sind gleicher als andere
"Du arbeitest doch bei der Telekom ... kannst du mir da nicht weiterhelfen?" - Wenn sich Freunde, Bekannte und Familienmitglieder über Dienste, Telefone, Rechnungen und Co beschweren, wird's mitunter ganz schön kniffelig. Nicht alles lässt sich aus dem Stegreif beantworten. Und dann im Konzern den richtigen Ansprechpartner zu finden, ist auch nicht immer leicht. Ein neuer Service sorgt jetzt dafür, dass die Anliegen schnell zur richtigen Stelle gelangen und dort bevorzugt geklärt werden.
Das T-Mobile Intranet ist seit heute um einen Service für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reicher: Der "Troubleshooter" (Problemlöser) garantiert, dass jede Beschwerde aus dem privaten Umfeld schnell bearbeitet wird. Wer eine Beschwerde von zu Hause mitgenommen hat, trägt einfach die Kundendaten in ein Online-Formular ("Ticket") ein, beschreibt das Anliegen und sendet es per Mausklick ab. Das gilt für alle Konzern-Produkte und -Dienstleistungen. T-Mobile Mitarbeiter können also über den Troubleshooter auch Beschwerden zu Festnetz- oder Internetanschlüssen einfach und schnell weitergeben.
Nachdem die Beschwerde eingereicht wurde, wird sie einem Thema zugeordnet. Mobilfunkfragen etwa gehen an Fachleute für die Gebiete "Handys", "Multimedia" und "Rechnungen". "Die eingestellten Tickets werden dann an den richtigen Ansprechpartner zur Bearbeitung geroutet", beschreibt Astrid Siebold-Schlug, die im Beschwerdemanagement des Kundenservice (K1) bei T-Mobile für das neue Intranettool verantwortlich ist. "Der Ansprechpartner meldet sich spätestens nach zwei Tagen beim Mitarbeiter, der das Ticket eingestellt hat, und beim betroffenen Kunden: entweder mit einer abschließenden Antwort oder einer Info zum Stand der Dinge."
Das Tool ist in seiner aktuellen Version zwar hauptsächlich auf Beschwerden über T-Com-/T-Online Produkte und Dienstleistungen ausgerichtet, für die eine Region ausgewählt werden muss. Aber auch T-Mobile Beschwerden können auf diesem Weg weitergeleitet werden. Weitere Anpassungen sind geplant, damit das neue Angebot noch bedienerfreundlicher wird. "Der Troubleshooter macht uns alle souveräner im privaten Kundenkontakt. Er hilft, Probleme zu beseitigen, die uns sonst vielleicht nicht erreicht hätten", ist Astrid Siebold-Schlug überzeugt. "Auch das bedeutet einen Schritt nach vorn hin zum besten Dienstleistungsunternehmen."
So der im Stil einer Pressemitteilung aufgemachte Wortlaut einer Nachricht, die ich heute in dreifacher Ausfertigung aus dem Spamfolder gefischt habe. Der Text stammt in voller Länge aus deren Unterschrift (
Signatur).
Dieses T-Com-/T-Online-Tool wäre ein sehr guter Ansatz, wenn dessen Möglichkeiten über eine öffentliche Schnittstelle für sämtliche Telekom-Kunden gleichermaßen zur Verfügung stünden. So aber sind Freunde, Bekannte und Familienmitglieder von Telekom-Angestellten gesondert privilegiert. Ein derartiges, künstliches Schaffen unterschiedlicher Kundenklassen läßt sich aus der Sicht eines Adressaten, der sich zum üblichen, "normalen" und damit unterprivilegierten Kundenkreis zählen müßte, absolut nicht gutheißen.
Ohnehin gibt es bei deutschen Dienstleistungsunternehmen des öfteren ein mangelndes und - leider viel zu oft auch - mangelhaftes Verständnis dessen zu beklagen, was Dienstleistungen ausmacht. Insbesondere gilt dies für den Supportbereich. Wer schon einmal das zweifelhafte Vergnügen hatte, wiederholt in kostenpflichtigen, werbejingle-beschallten Callcenter-Warteschleifen zu verhungern, des Deutschen nicht wirklich mächtigen Callcenter-Agents sein Anliegen in einer Grammatik auf Kleinkindniveau schildern zu müssen oder vergeblich nach Antworten auf per E-Mail gestellte Anfragen Ausschau zu halten, wird an dieser Stelle sicherlich zustimmend nicken. Manchen Unternehmen scheinen Kunden nach dem Erwerb eines Produktes, der Unterzeichnung eines Vertrages oder der Inanspruchnahme einer sonstigen Leistung bloß noch lästig. In diesem Zusammenhang ist die Bevorzugung eines bestimmten Kundenkreises gegenüber anderen durchaus kritisch zu betrachten.
Im dazugehörigen, anredelosen Anschreiben heißt es übrigens:
Ich habe die Lösung.
Seit heute haben wir – die Mitarbeiter des Konzerns – die Möglichkeit, als ‚Troubleshooter’ bei Beschwerden zum Thema Festnetz- oder Internetanschlüsse zu helfen.
Wenn ihr also Probleme haben solltet, meldet euch bitte bei mir, vielleicht kann ich die Lösung etwas beschleunigen, ok?
Darauf zu antworten, kann ich mir nun nicht verkneifen: Prima, dann fehlt ja bloß noch ein dazu passendes Problem! ;-)
Weshalb fühle ich mich nur an den Ex-Kollegen erinnert, der mich nach einigen Jahren "der alten Zeiten wegen" unbedingt aufsuchen wollte? Ah ja, der Vermischung von Geschäfts- und Privatleben wegen. Er wollte mir damals bloß eine Versicherung verkaufen. Auch ich könnte Freunden und Bekannten ohne weiteres ähnlich gelagerte Hilfsangebote auf breit gefächerten IT-Dienstleistungssektoren unterbreiten. Doch schon aus Prinzip würde ich solch eine Offerte im privaten Umfeld weder anbieten noch darauf eingehen. Wer geschäftlich mit mir in Kontakt treten möchte, kann dies auf der geschäftlichen Ebene jederzeit gerne tun. Im Privatleben hat derartiges jedoch nichts zu suchen und muß außen vor bleiben.
Für mich kommen die Möglichkeiten des T-Com-/T-Online-Tools außerdem um mehrere Jahre zu spät. Was das betrifft, hat die Telekom in ihrer Ganzheit Entwicklungen auf verschiedenen technischen Sektoren offenbar schlicht verschlafen und es darüberhinaus versäumt, ihre hausintern vorhandenen Datenbestände konsistent zu halten, beziehungsweise die unterschiedlichen Datenbanksysteme rechtzeitig zusammenzuführen.
Daher habe ich die ständigen Probleme mit der Telekom, ihrem nach meinen Erfahrungen nur als mangelhaft zu bezeichnenden Support und den immer wieder fehlerhaften oder zumindest anzweifelbaren Rechnungen für mich und mein Umfeld bereits vor einigen Jahren erfolgreich gelöst: Indem ich konsequent keine Telekom-Produkte mehr nutze und privat jedem von ihrer Verwendung abrate, habe ich mich des damit verbundenen Aufwands, den Kommunikationsschwierigkeiten und den Problemen in ihrer Gänze erfolgreich entledigt.
Als bestes Gegenargument hat sich in diesem Fall immer wieder die Aufschlüsselung der tatsächlichen, realen Kosten für die diversen T-Com-/T-Online-Produkte erwiesen. Die meisten Menschen blicken schon lange nicht mehr durch den Wust der Fußnoten in der Telekom-Werbung noch durch deren Tarifdschungel durch und neigen deshalb dazu, beides geflissentlich zu ignorieren. Dem einen oder anderen gingen schon die Augen über, wenn man ihm das Kleingedruckte auseinandernahm und dessen tatsächliche Kosten im Vergleich zu leistungsmäßig ebenbürtigen Konkurrenzprodukten übersichtlich aufgeschlüsselt gegenüberstellte.
Ein eindeutiger, unterm Strich aufzubringender Kostenfaktor ist für viele, nicht zu den Besserverdienenden zählende Menschen immer noch das überzeugendste Argument für oder gegen ein Produkt.