Layout-Änderung bei Heise

12 08 2008

An und für sich wollte ich die lange Schreibpause nicht ausgerechnet mit einer Beschwerde beenden. Offenbar neige ich jedoch stärker dazu, aus Unzufriedenheit Artikel verfassen, denn aus purer Glückseligkeit. Diesmal ist es die heutige Layout-Änderung bei Heise, die mir sauer aufstößt. Schon die letzte Neugestaltung Anno 2004 war in meinen Augen eine Verschlechterung der Lesbarkeit des Newstickers. Sie machte auch einige Änderungen beim Leser notwendig, den Einsatz eines RSS-Feedreaders, beispielsweise. Später wurde aufgrund zunehmender Schaltung von Werbung in Artikeln auch der eines Werbeblockers unumgänglich, um eine Mindestlesbarkeit der Artikelübersicht und der einzelnen Beiträge zu erhalten.

Nachdem ich schon den Kauf der Printausgabe der c't wegen des mangelnden Mehrwerts gegenüber dem Newsticker eingestellt hatte, scheint es nun letzterer zu sein, von dem ich mich endgültig verabschieden werde. In den vergangenen Jahren habe ich mich immer wieder gerne über aktuelle Themen meiner Arbeitsbereiche informiert und mir über andere, die mich nur am Rande betrafen, zumindest einen groben Überblick verschafft. Dies gelang allerdings nur, weil ich eine relativ klare, zeitlich sortierte, eindeutige Struktur vorfand, die eine Navigation und - viel wichtiger! - eine rasche Filterung der uninteressanten Beiträge ermöglichte.

Mit dem jetzigen Layout ist dies nicht länger praktizierbar. Sowohl neues als auch unter "classic" abgelegtes Design zwingen zu einer unnötigen, überflüssigen Umgewöhnung. Der Newsticker nähert sich damit einen weiteren, großen Schritt den üblichen Newsportalen an, die ich ihrer chaotischen Unübersichtlichkeit wegen zu Informationszwecken allesamt meide. Ich brauche keine Links zu Telepolis, Technology Review, Resale, Foto, Auto und wie die Neben- und Tochterbereiche des Heise-Verlags noch heißen mögen. Ich brauche auch keine Eigen- und Fremdwerbung oder die Vorstellung anderer Portale. Alles, was ich lesen möchte, ist ein schlichter Nachrichtenticker, der mich über IT-Themen informiert und auf Stand hält. Wenn fefe so etwas im Alleingang schafft, wird es für eine Verlagsredaktion wohl ein Kinderspiel und ein Spaziergang sein.

Von mir aus bläht die Heise-Site auf, bis sie vollkommen überfrachtet und überladen und eine sinnvolle, zielgerichtete Navigation gänzlich unmöglich geworden ist. Werft jegliche Usability über Bord. Mir völlig egal. Ich nutze und lese solche Bereiche nicht. Aber kann ich in einer der hinteren, verstaubten Ecken der c't-Site den Newsticker mit dem Design von vor 2004 zurückhaben, bitte?

[Update 2008-08-13] URLs des entsprechenden Heise-Artikels und der Waybackmachine nachgereicht.

Bigottes Volk

16 10 2007

"Hier Videos gucken - Leichen-Suche im Botanischen Garten" titelt der Express. Gleich daneben wird ein Seitensprung-Portal beworben. Mich wundert dabei ja vor allem noch, daß sich die Dame sogar hinreichend bedeckt hält.



Wer dieses Boulevard-Blatt nicht kennt, das ist sowas wie die BLID-Zeitung für den Köln-Aachener Raum. Also eine Zeitung für's Volk. Wird von vielen gelesen: allein in der Mitte dieses Jahres von über 3,6 Millionen Besuchern. Man könnte also relativ sicher annehmen, was die schreiben und machen, sei meinungsbildend. Es hätte demnach auch Vorbildcharakter. Das ist wichtig. Ganz besonders für unsere Kinder.

Und ihr wollt denen - und uns - allen Ernstes Killerspiele verbieten?

Umgekehrt kann man mit tödlicher Sicherheit davon ausgehen, daß die nur schreiben, was sich auch gut verkauft. Also genau das, was das Volk lesen will.

Übrigens: Der Mörder ist höchstwahrscheinlich der Gärtner!einself!! Jedenfalls ist das zur Zeit der Hauptverdächtige.

I'm forever blowing bubbles

13 07 2007

Königin: "Dein Bier perlt viel stärker als meines!"
Sil53r: "Du trinkst ja auch Piiiep!einself! Das ist sowieso komisch."
Königin: "Ich will auch Kohlensäure haben!"

Dann ihres probiert. Festgestellt, daß wenn man auf grünbetakelten Segelschiffen über die Weltmeere schippernd krächzenden Barden lauschen müßte und dazu keine königlichen Getränke gereicht bekäme, freiwillig Seewasser saufen würde anstatt solch einer Plörre. Störtebeker würde sich im Grabe umdrehen, bzw. kopflos das Weite suchen.

Wo wir gerade von Kopflosigkeit reden, diesen Part der Bildserie Meine Kettensäge und ich kann ich ganz besonders empfehlen. Aber es lohnt sich auch, vor und zurück und zum Hauptartikel zu blättern, wenn man sich ein Bild über das Innenleben der Deutschen verschaffen möchte. Und ich dachte bislang immer, nur ich wäre bekloppt:

They're coming to take me away, haha
They're coming to take me away, hoho, hehe, haha
To the funny farm where life is beautiful all the time
And I'll be happy to see those nice young men in their clean white coats
And they're coming to take me away, haha!


Also ist das gar nicht von mir. Sondern von einem der unzähligen Adligen, die Anspruch auf den Namen Napoleon erheben. Manche von denen sollen ja nicht recht ticken, habe ich läuten hören. Sogar der Titel des heutigen Artikels ist geklaut:

I'm forever blowing bubbles
Pretty bubbles in the air
They fly so high
Nearly reach the sky
Then like my dreams
They fade and die
Fortune's always hiding
I've looked everywhere
I'm forever blowing bubbles
Pretty bubbles in the air


Dazu muß man sich das dezente Klingeln in den Ohren vorstellen, das nur eine PA mit entsprechender Leistung & Lautstärke zustandebringen kann. Und das sanfte, wohltemperierte Organ von Cockney Rejects Frontmann Jefferson "Oi!" Turner. Prost!

Neue Freiheiten für den Rechtsstaat

08 07 2007

Nicht schon wieder ... Allein, daß ein Politiker derartige Interviews geben kann, ohne gravierende Konsequenzen seiner Äußerungen befürchten zu müssen, läßt mich die Forderung meines Namensvetters unterstützen. Zur Verdeutlichung zeichnet er folgendes Schema:



Fefes Idee hat deshalb ebenfalls etwas für sich. Ich frage mich nur, von wem Herr Schäuble vorgeschickt wird. Es ist ziemlich klar, daß er nur Sprachrohr und Prügelknabe für eine Fraktion gibt, die einen wesentlich größeren Personenkreis umfaßt. Ohne gleich auf paranoide Verschwörungstheorien zu verfallen, kann man wohl mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, daß die Fäden im Hintergrund von noch ganz anderen Kalibern gezogen werden.

(Via Kai Raven, Fefe und Isotopp)

Update: Bei F!XMBR ist man ähnlicher Ansicht.

Boxen: Klitschko gegen Brewster

08 07 2007

Was war denn das, bitte? Ich gebe zu, ich habe absolut keine Ahnung vom Boxen, und das ist vielleicht auch ganz gut so. Trotzdem habe ich die Revanche von Wladimir Klitschko gegen Lamon Brewster mehr oder minder zufällig gesehen. Als Unbedarfter und Außensteher konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, einem Schauspiel beigewohnt zu haben, einer abgesprochenen, abgekarteten Sache. Der Kampf wirkte wie ein "ok, wir müssen das jetzt zwar machen, aber wir sehen zu, wie wir das mit minimalem Aufwand und maximalem Gewinn über die Bühne kriegen, okay?" Er wirkte inszeniert und gestellt. Brewster kämpfte nicht, oder zumindest nur pro forma. Er stand einfach bloß da, hielt seine Hände irgendwohin und ließ sich von Klitschko vor den Kopf donnern. Und der hielt sich dabei sogar noch zurück. Einen wirklichen Kampf etwa gleichstarker Gegner stellt man sich anders vor. Für Klitschko muß dieser Sieg ein schales Gefühl hinterlassen. Er war keine Herausforderung, er war zu leicht, viel zu einfach. Für die 19.500 Zuschauer in der Kölnarena muß er eine Enttäuschung gewesen sein. Hätte ich schweres Geld für ein Ticket hingelegt, wäre ich jetzt jedenfalls verärgert.

Aufgeben? Auswandern?

06 07 2007

Eigentlich wollte ich mich zu den Themen rund um Stasi 2.0, unseren Mielke auf Rädern und sonstige Dinge, bei denen man wahlweise sämtliche Hände vors Gesicht oder die Zähne in diverse Tischkanten schlägt, nicht weiter äußern. Bei Rädern muß ich ohnehin immer gleich an moderne Zeiten denken, in denen wir alle friedlich, frei und froh breit grinsend im Gras auf der Blümchenwiese liegen und uns den Rest der Welt kräftig am Arsch vorbeigehen lassen.¹

Nachdem der Bundesrat den verschärften Hackerparagrafen durchgewunken hat, ziehen die ersten die Konsequenzen, und andere schließen aufgrund zunehmend restriktiver Rechtsprechung ihre Blogs (diese Links reiche ich ggfs. nach). Auswandern wäre angesichts der glänzenden Aussichten auf die kommende Vorratsdatenspeicherung oder weitere bürgerfreundliche BGH-Urteile inzwischen eine ernsthafte Überlegung wert, wäre das nicht feige und könnte man sich sicher sein, daß es woanders um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit wirklich besser bestellt ist. Dennoch gibt einem angesichts solcher Nachrichten und der Gesamtsituation ein Blick auf's Zifferblatt mehr als genug zu grübeln.

¹ Dies ist im Übrigen keine Aufforderung zu verschärftem Drogenkonsum, sondern eine zum Nachdenken. Wie heißt es in der Rocky Horror Picture Show doch so schön? "A mental mind-fuck can be nice!"

(Via Fefe, Isotopp u. a.)

Fundstelle

30 04 2007

"Der Konsum aller MacGyver-Folgen qualifiziert [...] noch nicht zur Elektro-Fachkraft." (Stefan Schumacher)

Herrlich. So schön läßt sich "Don't try this at home, kids!" auf Deutsch sagen. Gefunden hier und hier.

Verteufelt gebeutelte Beutelteufel

15 03 2007

Beutelteufel in Verteidigungshaltung; Picture © Wayne McLeanArtikel des Tages in der deutschen Wikipedia war heute der über den tasmanischen Beutelteufel. Diese armen, rotohrigen Gizmos sind durch einen grassierenden, offenbar ansteckenden Gesichtskrebs in ihrem Bestand akut gefährdet. Bei einem wieder einmal gar nicht durch vornehme Zurückhaltung glänzenden, deutschen Nachrichtenmagazin liest sich das - unter der Rubrik "Wissenschaft" - als die Schlagzeile "Tödlicher Sex für Tasmanische Teufel". Dabei ist erstens noch gar nicht zweifelsfrei nachgewiesen, daß es sich um eine übertragbare Krankheit handelt, zweitens schon gar nicht um eine sexuelle. Aber das passiert ja auch alles im - huhuu...! - exotischen Australien. Zusammen mit den Begriffen "Tod", "Sex" und "Teufel" haben wir damit unschlagbare Awareness-Garanten auf nur sechs Worten. Toller Titel! Die Kollegen vom Spiegel waren da, bereits im vergangenen Jahr, noch deutlich dezenter.

"Ich fresse einen tasmanischen Beutelteufel mit sämtlichen Federn und Schwimmhäuten, wenn ..." (Eigenzitat)

23C3: Tag 2

28 12 2006

23rd Chaos Communication Congress: Who can you trust?Online-Pressestimmen des heutigen Tages; eine umfassendere Übersicht findet sich in der Presseschau im offiziellen Wiki des 23C3. Und natürlich gibt es auch ein CCC Events-Weblog.

• Heise: Tor-Gründer beklagt staatlichen "Diebstahl" von Anonymisierungsservern
• Heise: Proteste gegen Nutzerkontrolle durch "ID-Management"
• Heise: Fingerabdruck-Systeme lassen sich noch immer leicht austricksen
• Heise: "Das Bundesinnenministerium hat das Wahlrecht gehackt"
• Heise: Drohnen Marke Eigenbau
• Heise: "Sind wir paranoid genug?"
• Tagesschau: Wie Linux einen Subkontinent verändert
• Golem: Bericht über Erfolge gegen holländische Wahlcomputer

23rd Chaos Communication Congress: Who can you trust?

27 12 2006

23rd Chaos Communication Congress: Who can you trust?Eigentlich hatte ich von heute an und die kommenden drei Tage in Berlin sein wollen. Aber auch dieses Jahr hat das zeitlich und organisatorisch leider wieder nicht gepaßt. Trotzdem bin ich im Geiste bei den Jungs vom CCC, den Kollegen vor Ort und allen Freunden und Bekannten, die dort anwesend sind. Und vielleicht klappt das ja bei euch auch mit den Streams später noch. :)

Der 23C3 bisher in den Online-Medien:

• Heise: 23C3: Geplante Hackerparagraphen bringen "absolute Rechtsunsicherheit"
• Heise: 23C3: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen
• Netzwelt: Podcast: Ein Anruf beim Kongress des Chaos Computer Clubs
• Tagesschau: "Nur wer vertraut, ist vertrauenswürdig"
• Pro-Linux 23C3 - 23. Chaos Communication Congress öffnet seine Pforten
• Golem: 23C3: CCC lädt zu 130 Vorträgen nach Berlin

Aufrüstung - jetzt!

23 12 2006

Alle Jahre wieder kommt der Tag, an dem ich mich etwas gründlicher als gewöhnlich im Teletubby- Teleworker-Büro in der heimischen Werkstätte umsehe. Dabei beschleicht mich meist das Gefühl, in einen subtropischen Lianenwald aus fliegend verlegten Cat5- und Kaltgerätekabeln geraten zu sein. Im Stillen denke ich dann bei mir: "Hier muß mal dringend aufgeräumt Hardware aktualisiert werden."

Einerseits bin ich ein überzeugter Langzeitverwender technisch einwandfrei funktionierender Geräte. Bei mir fristen diverse Maschinen ein elektronisches Gnadenbrot, die andernorts in tadelnswerter Schnellebigkeit als antiquiert abgestempelt und anschließend quasi mit Licht- oder anderen Geschwindigkeiten entsorgt wurden. Die beiden Amiga 2000 mit M68030-Turbokarten, Flickerfixern und in mühevoller Handarbeit gelöteten ZIP-RAM-Erweiterungen bereichern allein schon aus nostalgischen Gründen meine Historiensammlung. Wii? Spielkonsolen? Pah! Das waren Spielkonsolen! Und von dem Panasonic EASA-PHONE KX-T1451, einem mit Kompaktkassetten(!) sowohl für die Ansage als auch für die Aufzeichnung betriebenen Anrufbeantworter werde ich mich erst dann trennen, wenn mein Tapedeck seinen Geist aufgibt oder die Welt endgültig auf VOIP umsteigt. Was in Zeiten zunehmenden Preisverfalls für Telefonie-Flatrates sicher noch eine Weile dauern dürfte.

Andererseits gibt es auch Grenzen. Zum Beispiel die der ewig zu eng gesteckten Festplattenkapazität. Dann diejenige des hohen Stromverbrauchs von Altgeräten. Aus finanzökonomischer Sicht mag der Weiterbetrieb eines Pentium-I- oder Pentium-II-Servers in den heimischen vier Wänden vielleicht gerade noch vertretbar sein. Aus Gründen des Umweltschutzes und einer langfristigen Energieeinsparung ist er das sicher nicht mehr. Heutzutage gibt es Kleingeräte und Appliances, die praktisch die gleiche Leistung bei deutlich reduziertem Verbrauch liefern. Berücksichtigt man dann noch Vorteile wie eine eventuelle Lärmreduktion (bei den lüfterlosen Geräten) sowie den Geek- und WA-Faktor, gelangt man irgendwann unweigerlich zu dem Schluß: Etwas neues muß her.

Angesichts solcher und solcher Meldungen notorisch merkbefreiter Sinnlosigkeiten ist eine weitere Grenze auch diejenige der Toleranz von zu lasch gehandhabter lokaler Sicherheit. Sozusagen der "Schnauze-voll-Faktor". Wenn die Politik Gesetze zum Schutz der Privatsphäre und der informationellen Selbstbestimmung ihrer unbescholtenen, mündigen Bürger systematisch abrüstet, dann müssen diese ihren Selbstschutz eben sinnvoll aufrüsten, bis der Status Quo vom Ende des vorigen Jahrhunderts wenigstens annähernd wiederhergestellt ist. Kauft vernünftige Firewalls! Verschlüsselt E-Mails! Gebt keine Personendaten unnötig preis! Mein PGP-Key befindet sich übrigens hier. Entsprechende Mail ist willkommen.

Da die nötige Sensibilisierung hierzu jedoch anderweitig stattfindet, trage ich an dieser Stelle nicht noch Eulen nach Athen.

"Aufrüstung - jetzt!" vollständig lesen


Familienleben

01 12 2006

Ist gerade wichtiger. Aber dieses Blog und ich leben noch und erfreuen sich zufriedenstellender Gesundheit. Was man vom Zustand der Privatsphäre und des Rechts auf informelle Selbstbestimmung bundesdeutscher Bürger offenbar schon lange nicht mehr behaupten kann. Vom Ruf eines gewissen sozialen Web-2.0-Netzwerks sowieso nicht. Der geschätzte Don Alphonso findet, daß selbst Studenten (derzeit noch) Rechte besitzen, an deren schleichender Unterminierung gewisse Lobbys ein stetig wachsendes Interesse zu hegen scheinen. Manche profitgeileorientierte Jungunternehmer interessieren sie deshalb offenbar gleich einen Scheißdreck, weshalb die wiederum just von der Blogosphäre und mit dem Thema befaßten Personenkreisen auf die Finger bekommen. Die subjektive Chronologie einer Talfahrt zeigen andere Blogger und die haarsträubenden Zustände vor Ort Leute mit entsprechender Kompetenz auf, deshalb schenke ich mir an dieser Stelle eventuelle Details.

Trotzdem gibt es noch Hoffnung und gelegentliche, kleine Lichtstreifen am Horizont.

[Update 2006-12-03] und absichtlich kein neuer Artikel, weil die Aufmerksamkeit seitens Blogosphäre und Medien ohnehin bereits zu hoch ist.

Sajonara hat eine Übersicht von Presseartikeln zum StudiVZ-GAU zusammengestellt.
• Ein interessanter Aspekt an der Sache wird von gonnalearn.com beleuchtet (auf englisch).
Heise faßt ebenfalls noch einmal zusammen.

Probleme mit der Telekom?

26 10 2006

Einige Telekom-Kunden sind gleicher als andere

"Du arbeitest doch bei der Telekom ... kannst du mir da nicht weiterhelfen?" - Wenn sich Freunde, Bekannte und Familienmitglieder über Dienste, Telefone, Rechnungen und Co beschweren, wird's mitunter ganz schön kniffelig. Nicht alles lässt sich aus dem Stegreif beantworten. Und dann im Konzern den richtigen Ansprechpartner zu finden, ist auch nicht immer leicht. Ein neuer Service sorgt jetzt dafür, dass die Anliegen schnell zur richtigen Stelle gelangen und dort bevorzugt geklärt werden.

Das T-Mobile Intranet ist seit heute um einen Service für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reicher: Der "Troubleshooter" (Problemlöser) garantiert, dass jede Beschwerde aus dem privaten Umfeld schnell bearbeitet wird. Wer eine Beschwerde von zu Hause mitgenommen hat, trägt einfach die Kundendaten in ein Online-Formular ("Ticket") ein, beschreibt das Anliegen und sendet es per Mausklick ab. Das gilt für alle Konzern-Produkte und -Dienstleistungen. T-Mobile Mitarbeiter können also über den Troubleshooter auch Beschwerden zu Festnetz- oder Internetanschlüssen einfach und schnell weitergeben.

Nachdem die Beschwerde eingereicht wurde, wird sie einem Thema zugeordnet. Mobilfunkfragen etwa gehen an Fachleute für die Gebiete "Handys", "Multimedia" und "Rechnungen". "Die eingestellten Tickets werden dann an den richtigen Ansprechpartner zur Bearbeitung geroutet", beschreibt Astrid Siebold-Schlug, die im Beschwerdemanagement des Kundenservice (K1) bei T-Mobile für das neue Intranettool verantwortlich ist. "Der Ansprechpartner meldet sich spätestens nach zwei Tagen beim Mitarbeiter, der das Ticket eingestellt hat, und beim betroffenen Kunden: entweder mit einer abschließenden Antwort oder einer Info zum Stand der Dinge."

Das Tool ist in seiner aktuellen Version zwar hauptsächlich auf Beschwerden über T-Com-/T-Online Produkte und Dienstleistungen ausgerichtet, für die eine Region ausgewählt werden muss. Aber auch T-Mobile Beschwerden können auf diesem Weg weitergeleitet werden. Weitere Anpassungen sind geplant, damit das neue Angebot noch bedienerfreundlicher wird. "Der Troubleshooter macht uns alle souveräner im privaten Kundenkontakt. Er hilft, Probleme zu beseitigen, die uns sonst vielleicht nicht erreicht hätten", ist Astrid Siebold-Schlug überzeugt. "Auch das bedeutet einen Schritt nach vorn hin zum besten Dienstleistungsunternehmen."


So der im Stil einer Pressemitteilung aufgemachte Wortlaut einer Nachricht, die ich heute in dreifacher Ausfertigung aus dem Spamfolder gefischt habe. Der Text stammt in voller Länge aus deren Unterschrift (Signatur).

Dieses T-Com-/T-Online-Tool wäre ein sehr guter Ansatz, wenn dessen Möglichkeiten über eine öffentliche Schnittstelle für sämtliche Telekom-Kunden gleichermaßen zur Verfügung stünden. So aber sind Freunde, Bekannte und Familienmitglieder von Telekom-Angestellten gesondert privilegiert. Ein derartiges, künstliches Schaffen unterschiedlicher Kundenklassen läßt sich aus der Sicht eines Adressaten, der sich zum üblichen, "normalen" und damit unterprivilegierten Kundenkreis zählen müßte, absolut nicht gutheißen.

Ohnehin gibt es bei deutschen Dienstleistungsunternehmen des öfteren ein mangelndes und - leider viel zu oft auch - mangelhaftes Verständnis dessen zu beklagen, was Dienstleistungen ausmacht. Insbesondere gilt dies für den Supportbereich. Wer schon einmal das zweifelhafte Vergnügen hatte, wiederholt in kostenpflichtigen, werbejingle-beschallten Callcenter-Warteschleifen zu verhungern, des Deutschen nicht wirklich mächtigen Callcenter-Agents sein Anliegen in einer Grammatik auf Kleinkindniveau schildern zu müssen oder vergeblich nach Antworten auf per E-Mail gestellte Anfragen Ausschau zu halten, wird an dieser Stelle sicherlich zustimmend nicken. Manchen Unternehmen scheinen Kunden nach dem Erwerb eines Produktes, der Unterzeichnung eines Vertrages oder der Inanspruchnahme einer sonstigen Leistung bloß noch lästig. In diesem Zusammenhang ist die Bevorzugung eines bestimmten Kundenkreises gegenüber anderen durchaus kritisch zu betrachten.

Im dazugehörigen, anredelosen Anschreiben heißt es übrigens:

Ich habe die Lösung.
Seit heute haben wir – die Mitarbeiter des Konzerns – die Möglichkeit, als ‚Troubleshooter’ bei Beschwerden zum Thema Festnetz- oder Internetanschlüsse zu helfen.
Wenn ihr also Probleme haben solltet, meldet euch bitte bei mir, vielleicht kann ich die Lösung etwas beschleunigen, ok?


Darauf zu antworten, kann ich mir nun nicht verkneifen: Prima, dann fehlt ja bloß noch ein dazu passendes Problem! ;-)

Weshalb fühle ich mich nur an den Ex-Kollegen erinnert, der mich nach einigen Jahren "der alten Zeiten wegen" unbedingt aufsuchen wollte? Ah ja, der Vermischung von Geschäfts- und Privatleben wegen. Er wollte mir damals bloß eine Versicherung verkaufen. Auch ich könnte Freunden und Bekannten ohne weiteres ähnlich gelagerte Hilfsangebote auf breit gefächerten IT-Dienstleistungssektoren unterbreiten. Doch schon aus Prinzip würde ich solch eine Offerte im privaten Umfeld weder anbieten noch darauf eingehen. Wer geschäftlich mit mir in Kontakt treten möchte, kann dies auf der geschäftlichen Ebene jederzeit gerne tun. Im Privatleben hat derartiges jedoch nichts zu suchen und muß außen vor bleiben.

Für mich kommen die Möglichkeiten des T-Com-/T-Online-Tools außerdem um mehrere Jahre zu spät. Was das betrifft, hat die Telekom in ihrer Ganzheit Entwicklungen auf verschiedenen technischen Sektoren offenbar schlicht verschlafen und es darüberhinaus versäumt, ihre hausintern vorhandenen Datenbestände konsistent zu halten, beziehungsweise die unterschiedlichen Datenbanksysteme rechtzeitig zusammenzuführen.

Daher habe ich die ständigen Probleme mit der Telekom, ihrem nach meinen Erfahrungen nur als mangelhaft zu bezeichnenden Support und den immer wieder fehlerhaften oder zumindest anzweifelbaren Rechnungen für mich und mein Umfeld bereits vor einigen Jahren erfolgreich gelöst: Indem ich konsequent keine Telekom-Produkte mehr nutze und privat jedem von ihrer Verwendung abrate, habe ich mich des damit verbundenen Aufwands, den Kommunikationsschwierigkeiten und den Problemen in ihrer Gänze erfolgreich entledigt.

Als bestes Gegenargument hat sich in diesem Fall immer wieder die Aufschlüsselung der tatsächlichen, realen Kosten für die diversen T-Com-/T-Online-Produkte erwiesen. Die meisten Menschen blicken schon lange nicht mehr durch den Wust der Fußnoten in der Telekom-Werbung noch durch deren Tarifdschungel durch und neigen deshalb dazu, beides geflissentlich zu ignorieren. Dem einen oder anderen gingen schon die Augen über, wenn man ihm das Kleingedruckte auseinandernahm und dessen tatsächliche Kosten im Vergleich zu leistungsmäßig ebenbürtigen Konkurrenzprodukten übersichtlich aufgeschlüsselt gegenüberstellte.

Ein eindeutiger, unterm Strich aufzubringender Kostenfaktor ist für viele, nicht zu den Besserverdienenden zählende Menschen immer noch das überzeugendste Argument für oder gegen ein Produkt.

Gesichtserkennung und Foto-Fahndung im Hauptbahnhof Mainz

10 10 2006

"Es geht nicht um die totale Überwachung, sondern um die gezielte Suche nach bekannten Personen. Mit dem System wird kein Überwachungsstaat installiert." Jürgen Stock, Vizepräsident des BKA

Laut Berichten des SWR, von Spiegel Online und Heise werden in einem mit rund 210.000 Euro finanzierten Projekt bis Ende Januar 2007 drei verschiedene Gesichtserkennungssysteme an der Öffentlichkeit im Mainzer Hauptbahnhof getestet. Entgegen dem Tenor aller drei Berichte werden diese Tests nicht bloß anhand von 200 freiwilligen Probanden durchgeführt. Denn die bis zu 20.000 Personen, die den Mainzer Hauptbahnhof täglich frequentieren, werden selbstredend ebenfalls von den Gesichtserkennungssystemen erfaßt, sofern sie in den Erkennungsbereich der aufgestellten Kameras gelangen. Einen wichtiger Hinweis hierzu enthält der Heise-Artikel, der als einziger erwähnt, daß nicht nur Teilbereiche der Aufgangstreppe gefilmt werden.

Die Bildmontage des BKA und die Bildunterschriften der Artikel suggerieren, daß der rechte Aufgang nicht erfaßt wird. Wörtlich heißt es dazu: "Die Kameras überwachen nur einen Teil des Eingangsbereichs." Dies ist zwar korrekt, denn es werden tatsächlich bloß die Treppenaufgänge überwacht. Es gibt aber beim Betreten des Hauptbahnhofs durch den vorderen Eingang keine andere Möglichkeit, als über die Treppen zu den Gleisbereichen hinauf zu gelangen. Die getroffene Einschränkung ist damit irrelevant.

Im Artikel widerspricht sich Heise außerdem selbst. Denn in der Bildunterschrift heißt es: "Von den Kameras wird der linke Teil der Treppen erfasst. Wer nicht gefilmt werden möchte, muss den rechten Teil nehmen." Dies ist schlichtweg falsch. Denn im krassen Widerspruch hierzu steht eine Aussage im Artikeltext selbst, in dem es heißt: "Eine normale Videokamera zwischen den Testsystemen überwacht den gesamten Treppenbereich¹ und ist mit der Videozentrale verbunden."

Es gibt also während der Laufzeit des Projektes keine Möglichkeit, den Mainzer Hauptbahnhof durch den vorderen Eingang zu betreten, ohne dabei gefilmt zu werden.

Kommentare:

• Das Boykottblog meint dazu: BKA sucht meine Oma
• Einige Kommentare aus dem Heise-Forum:
• Eine Sondererwähnung samt Nominierung zum konkurrenzlosen Preisträger in Sachen Sprachverhunzung gebührt dem Satz "Jeweils zwei Kameras [...] versuchen, [...] Testkandidaten zu finden, deren Templates nach einem Enrolment in einer Facecheck-Datenbank gespeichert sind." aus dem Heise-Artikel. Einem Forumsteilnehmer ist dieses grauenhafte Denglisch ebenfalls ins Auge gestochen, worauf sich dessen Autor um eine Erklärung bemüht, die meiner Meinung nach aber nicht überzeugend ausfällt. Sie zeigt lediglich, wie weit sich einige Journalisten bereits von grundlegendem Sprachgefühl und dem Bemühen um eine Mindestpflege deutschen Sprachguts entfernt haben. Ansonsten hätte es auffallen müssen, daß drei englische Nomen in einem derart kurzen Satz weder zu dessen Verständlichkeit beitragen noch anderweitig sinnvoll sind, Fachbegriffe hin oder her.

¹ Hervorhebung: Sil53r Surf3r

Spaß mit der Deutschen Bahn

24 09 2006

Laut einigen Medienberichten der vergangenen Tage ist "angeblich" ein Drittel aller Züge im Fernverkehr unpünktlich. Wie zu erwarten war, weist ein Sprecher der Bahn diesen Vorwurf weit von sich. Dabei dürfte bereits diese Zahl schon reichlich geschönt sein. Sie kommt auch nicht durch einzelne, auslösende Ereignisse zustande, sondern es handelt sich dabei um einen Dauerzustand. Gesprächen mit anderen Reisenden zufolge und in Anbetracht eigener Erlebnisse sind Verspätungen im Fernverkehr nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Sie betragen auch nicht bloß 10 bis 15 Minuten, sondern bis zu dreieinhalb Stunden - auf einer Strecke von fünfeinhalb Stunden Länge, wohlgemerkt. Ohne daß man den jeweiligen Zug verließ. Wie das möglich sein kann, weiß allein die Bahn. Wie auch immer ihre Vertreter diesen Zustand schönreden, er ist für das Unternehmen peinlich, für seine Kunden unzumutbar und insgesamt unhaltbar. Dabei beschränkt sich die Information der Fahrgäste seitens der Bahn in der Regel auf vier Standardausreden:

• "Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf wird der Zug xy vermutlich z Minuten später..."
• "Wegen Personen im Gleisbett..."
• "Wegen eines Schaden im vorderen Zugteil..."
• "Wegen eines Personenschadens..."

Gelegentlich - falls solche Durchsagen überhaupt erfolgen - wird der Nachsatz "Wir bitten um Entschuldigung" angehängt. Nein. Dafür nicht. Denn als permanten Zustand sind Verspätungen keineswegs zu entschuldigen. Nach meinem Eindruck, und dabei wiederhole ich mich längst, hat die Bahn weder ihre IT noch ihre Logistik wirklich im Griff. Am vergangenen Wochenende beispielsweise war die Verbindung auf der Hinfahrt tadellos und der Zug war pünktlich. Auf der Rückfahrt lag die Verspätung zu meiner großen Erleichterung bei lediglich 15 Minuten. Dieses Wochenende habe ich deshalb ganz dick und rot im Kalender markiert. Es war die bisher einzige Hin- und Rückfahrt zu meinem Ziel, die wenigstens halbwegs pünktlich war.

Ich fahre die besagte Strecke seit einem guten Jahr.