Toton nojeb

20 07 2010

Kikama lijowe bafop latewi tuji.
Mipute mekobi nikuf putiba.
Lililo bomem wepip lepol.



(Siehe: Maschinensprech und ROILA)

06 07 2010

zwischen gelblackiertem gestänge schweben
wächsern gesichter über den schalen die
stumpfen blicke gerichtet
einer - mittleren alters - schluchzt
hemmungslos flüsternd beschwörende worte
in schwankende leere während dem nachbarn
weißschimmernd zuckende stränge
beider ohren entfasern
zwei neone reihen in blau weiter vorn
beißt einer im anzug genüßlich in seinen burger
die callas zerschmettert glas in meinem schädel, und
gleißend schmilzt der asphalt


Zwischenruf

22 01 2009

Der Kaiser ist heiser
und spricht deshalb leiser.
Das macht ihn nicht weiser,
den kleinen Schaiser.

Non, je ne regrette rien

01 01 2009


Non! Rien de rien ...
Non, je ne regrette rien.
Ni le bien, qu'on m'a fait, ni le mal,
tout ça m'est bien égal!

Non! Rien de rien ...
Non, je ne regrette rien.
Car ma vie, car mes joies
aujourd'hui, ça commence avec toi!


[Edit Piaf, 1960]

Schlußstück

07 12 2008


Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.


[Rainer Maria Rilke, 1906]

Weihnachten ist der stillste Tag im Jahr

24 12 2006

Rainer Maria RilkeWeihnachten ist der stillste Tag im Jahr.
Da hörst du alle Herzen gehn und schlagen
wie Uhren, welche Abendstunden sagen.
Weihnachten ist der stillste Tag im Jahr.

Da werden alle Kinderaugen groß,
als ob die Dinge wüchsen, die sie schauen
und mütterlicher werden alle Frauen
und alle Kinderaugen werden groß.

Da mußt du draußen gehn im weiten Land
willst du die Weihnacht sehn, die unversehrte,
als ob dein Sinn der Städte nie begehrte,
so mußt du draußen gehn im weiten Land.

Dort dämmern große Himmel über dir,
die auf entfernten, weißen Wäldern ruhn,
die Wege wachsen unter deinen Schuhn,
und große Himmel dämmern über dir.

Und in den großen Himmeln steht ein Stern,
ganz aufgeblüht zu selten großer Helle,
die Fernen nähern sich wie eine Welle,
und in den großen Himmeln steht ein Stern.


[Rainer Maria Rilke]

Absolut harmloser Abendausklang

05 12 2006

Herr: es ist Zeit. Das Netzwerk war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Studiseiten,
und in den Foren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Trollen voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei spamreichere Tage,
dränge sie zur Sinnleere hin und jage
die letzte Süße aus dem schönen Heim.

Wer jetzt kein VZ hat, holt sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Postings schreiben
und wird in den Userforen hin und her
unruhig wandern, während die Weblogs bleiben.


(frei nach Rainer Maria Rilke)

Lust auf ein wahlweise anregendes oder beruhigendes Getränk bei geistreichem Geplauder an der Blogbar? Ich nehme einen deutschen Cappucino, danke. Und möchte dabei angelegentlich empfehlen, auch der Unterhaltung der übrigen Anwesenden ein Ohr zu leihen. Es befinden sich durchaus vernünftige Stimmen darunter. Und deutliche Anzeichen von Lernfähigkeit. Es gibt noch Hoffnung.

P.S.: Das weihnachtliche Wettrüsten ist abrupt deeskaliert, nachdem wegen Abreißens des Versorgungsnachschubs bzw. aufgrund sträflichen Einsatzes nicht kriegstauglichen Materials bereits weit über die Hälfte der nachbarlichen Leuchtkraft den unwirtlichen Witterungsverhältnissen (inoffizieller Sprachgebrauch: Nieselregen) an der Beleuchtungsfront zum Opfer gefallen ist. Insofern besteht unsererseits vorerst kein Handlungsbedarf.

P.P.S.: Ist es unnötig, zu erwähnen, daß besagtes soziales Netz bei weiter bestehender Kommunikationsunfähigkeit derzeit noch offline ist? Ja? - Dachte ich mir.

Hast du den Mond gesehen?

09 09 2006

Blick von der Viktoriabrücke in Richtung Hauptbahnhof, BonnBlick von der Viktoriabrücke in Richtung Heinrich-Böll-Ring, BonnBlick von der Endenicher Allee auf die A565 am Endenicher Ei, BonnDer Mond

Wind aus dem Mond,
plötzlich ergriffene Bäume
und ein tastend fallendes Blatt.
Durch die Zwischenräume
der schwachen Laternen
drängt die schwarze Landschaft der Fernen
in die unentschlossene Stadt.


[Rainer Maria Rilke, "Herbst-Abend"]

Ja. Wie könnte ich nicht...

Edgar Allan Poe: The Haunted Palace (Das Spukschloß)

01 06 2006

Edgar Allan Poe
                I

  By good angels tenanted,
Once a fair and stately palace—
  Radiant palace—reared it's head.
In the monarch Thought's dominion—
In the greenest of our valleys,
  It stood there ;
Never seraph spread a pinion
  Over fabric half so fair.

                II

Banners, yellow, glorious, golden,
  On it's roof did float and flow ;
(This—all this—was in the olden
  Time long ago).
And every gentle air that dallied
  In that sweet day,
Along the ramparts plumed and pallied
  A winged odour went away.

                III

Wanderers in that happy valley
  Through two luminous windows saw
Spirits moving musically
  To a lute's well-tunéd law,
Round about a throne, where sitting
  (Porphyrogene !)
In state his glory well befitting,
  The ruler of the realm was seen.

                IV

And all with pearl and ruby glowing
  Was the fair palace door,
Through which came, flowing, flowing, flowing,
  And sparkling evermore,
A troop of Echoes, whose sweet duty
  Was but to sing,
In voices of surpassing beauty,
  The wit and wisdom of their king.

                V

But evil things, in robes of sorrow,
  Assailed the monarch's high estate ;
(Ah, let us mourn, for never morrow
  Shall dawn upon him desolate !)
And around about his home, the glory
  That blushed and bloomed
Is but a dim-remembered story
  Of the old time entombed.

                VI

And travellers now within that valley,
  Through the red-litten windows see
Vast forms that move fantastically
  To a discordant melody ;
While, like a rapid ghastly river,
  Through the pale door,
A hideous throng rush out forever,
  And laugh—but smile no more.


[Edgar Allan Poe (from the short story "The Fall of the House of Usher")]

"Edgar Allan Poe: The Haunted Palace (Das Spukschloß)" vollständig lesen


Welttag der Poesie

21 03 2006

Der sei heute, berichtet Heise. Und da alle IT-Welt sich darum aufmacht, im Forum holprige Knittelverse bar jeden Maßes und Reimschemas zum besten zu geben, will ich auch nicht zurückstehen. Als Administrator bin ich aber berufsmäßig faul und lasse deshalb die Dichtmaschine für mich sprechen:

Nur eine Huldigung für Squiggle

Squiggle.
Du riliebanes Herzchen du!
Tonk, meine glitzernde Anzahl.
Unter der Welt in endloser Zeit!
Fabert - du mußt es gurglen!
Wimmert!
Du schmelzende Nacht!
Squiggle du.
Beschwipst gewaltig und schön.
Squiggle zwischen Benehmen und Wimmern.
Tonk heute so zermalmt.


Moment, ich muß gerade eben schnell noch ein paar Metaphern justieren. So, besser:

Monukale

frigtat euch Monukale
ja ihr Monukale
frigtat und ertragt - EUCH
so wie Terani!
doch ertragt roktul
zischend mitnichten jedoch wütend
ihr Monukale
bleibt roktul
so zischend
...


Wem das alles zu hochgestochen verschwurbelt ist, der kann ja stattdessen einen Klassiker lesen. Und zum guten Schluß eine an dieser Stelle unvermeidliche Werbepause: Auch ich verradebreche gelegentlich etwas, das ich Dichtung schimpfe. Wer sich die Mühe machen will, der wird auf diesen Seiten ein paar Kostproben davon finden. Wohl bekomm's.

Archaischer Torso Apollos

11 03 2006

Rainer Maria RilkeWir kannten nicht sein unerhörtes Haupt,
darin die Augenäpfel reiften. Aber
sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber,
in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,

sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug
der Brust dich blenden, und im leisen Drehen
der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen
zu jener Mitte, die die Zeugung trug.

Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz
unter der Schultern durchsichtigem Sturz
und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;

und bräche nicht aus allen seinen Rändern
aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,
die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.


[Rainer Maria Rilke]

08 03 2006

Dein Duft schwebt noch im Raum, wie ein Verblassen,
ein Schimmerschwinden, wie ein letzter Atemzug
beim hingeseufzten Abschiedskuß vor dem Verlassen.

Es ist, als sei kein Abend lang genug,
daß er den späten Sonnenstrahl anhielte,
der deine Silhouette auf die Wände übertrug.

Die schmale Hand, die mit der Strähne spielte,
danach in meiner. Wie eine Versicherung.
Um eines Bundes willen, daß er ewig hielte,

gemeinsam alt zu werden, doch im Geiste jung.
Oh, wenn ich nur die Welt mit deinen Augen sähe!
In meinen spiegelt sich dein Bild: Erinnerung.

Mit jedem Herzschlag spür ich deine Nähe.

Küssen

26 12 2005

"Ich küsse dich",
sagst du.

Dann küsse ich dich
wieder
und wieder
wieder.

Niemand, den du liebst

06 12 2005

MaskeManchmal frag ich mich, wenn's mir wieder mal passiert ist,
weshalb die Sache mit der Ehrlichkeit so schrecklich kompliziert ist.
Statt einem direkt zu sagen: "Hey, ich mag dich nicht!",
lügt man dem andern lieber lächelnd ins Gesicht.
Man schlägt mir auf die Schulter und schwärmt von alten Zeiten
und beschwört all die Gemeinsamkeiten, die einen verbinden.
Doch ich kann da nichts finden, und das find ich schade.
Wenn ich mal genauer hinseh, seh ich bloß Fassade
und dahinter endlos leere Weiten -
die sogenannten schönen waren reichlich blinde Zeiten.

"Niemand, den du liebst" vollständig lesen


Herbsttag

31 10 2005

Rainer Maria RilkeHerr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.


[Rainer Maria Rilke]