Herbst

26 10 2005

Rainer Maria RilkeDie Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.


[Rainer Maria Rilke]

Die Stille

27 09 2005

Rainer Maria RilkeHörst du Geliebte, ich hebe die Hände -
hörst du: es rauscht...
Welche Gebärde der Einsamen fände
sich nicht von vielen Dingen belauscht?
Hörst du, Geliebte, ich schließe die Lider
und auch das ist Geräusch bis zu dir.
Hörst du, Geliebte, ich hebe sie wieder......
... aber warum bist du nicht hier.
Der Abdruck meiner kleinsten Bewegung
bleibt in der seidenen Stille sichtbar;
unvernichtbar drückt die geringste Erregung
in den gespannten Vorhang der Ferne sich ein.
Auf meinen Atemzügen heben und senken
die Sterne sich.
Zu meinen Lippen kommen die Düfte zur Tränke,
und ich erkenne die Handgelenke
entfernter Engel.
Nur die ich denke: Dich
seh ich nicht.


[Rainer Maria Rilke]

Dû bist mîn, ih bin dîn

25 09 2005

Dû bist mîn, ih bin dîn:
des solt dû gewis sîn.
dû bist beslozzen
in mînem herzen,
verlorn ist daz sluzzelîn:
dû muost och immer darinne sîn.

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Eine Nacht ohne Schlaf

25 09 2005

Eine Nacht ohne Schlaf,
weil er mich flieht ohne den deinen,
ohne dein Atmen an meiner Seite
und dein stilles Lächeln im Traum.

Meine Lider sind schwer,
helle Glocken verkünden den Tag
mit den Sperlingen vor meinem Fenster,
während die Mäuse verstummen.

Auch die Nächte mit dir
sind zunächst schlaflos und unruhig,
wenn sich unsere Stimmen erheben,
voller Verlangen und Sehnsucht.

Du wirst zurückkehren;
der Leidenschaft folgt tiefer Friede:
wir werden sie alle nicht hören,
weder Sperlinge, Mäuse, noch Glocken.

Immer wieder

25 09 2005

Rainer Maria RilkeImmer wieder, ob wir der Liebe Landschaft auch kennen,
und den kleinen Kirchhof mit seinen klagenden Namen
und die furchtbar verschweigende Schlucht, in welcher die andern
enden: immer wieder gehn wir zu zweien hinaus
unter die alten Bäume, lagern uns immer wieder
zwischen die Blumen, gegenüber dem Himmel.


[Rainer Maria Rilke]

Homophobia

08 09 2005

Der Gouverneur von Kalifonien, Arnold SchwarzeneggerDarauf kann man eigentlich bloß ein Lied anstimmen:

Tagesschau
Sueddeutsche
Focus

God bless California.

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Familienverstärkung

06 09 2005

Michel Carl BernhardIch habe einen neuen Neffen! Darf ich vorstellen: Michel Carl Bernhard, 53 cm lang, 35 cm Kopfumfang, 3290 g schwer, rote Haare, blaue Augen und geboren am Freitag, dem 26. August 2005 um 04:21 Uhr. Mit den stolzen und glücklichen Eltern, meinem Bruder Jan und seiner Frau Anja, freue ich mich riesig und wünsche ihnen und dem neuen Erdenbürger viel Glück, alles Gute und nur das Beste für die Zukunft! - Und jetzt entschuldigt mich bitte, ich muß erstmal eine Runde knatschen. ;-)

Das Leben

Das Leben ist verhüllt und verborgen,
wie auch euer größeres Selbst verborgen
und verhüllt ist.

Aber wenn das Leben spricht,
werden alle Winde Worte;
und wenn es von neuem spricht,
so wird das Lächeln auf euren Lippen
und die Tränen in euren Aug' zum Wort.

Wenn es singt, hören es die Tauben und sind ergriffen;
und wenn es sich langsam nähert,
sehen es die Blinden und sind entzückt
und folgen ihm verwundert und erstaunt.


Khalil Gibran (1883-1931)

Gedankenfragment

02 09 2005

Von mir aus lies Konsalik und Johannes Mario Simmel
Sieh nach oben und schrei: "Iiih, ein häßlich gelber Fleck am schönen blauen Himmel!"
Ich lese stattdessen lieber Hesse, Kant und Goethe
und wenn ich mal vergesse, daß ich auf den Fingern flöte
(oder pfeife ich eher aus dem letzten Loch?):
Egal, irgendwie geht's immer weiter - weiß ich doch!

Dem einen scheint ebendrum die Sonne zu grell
Ich freu mich lieber an der Wärme und finde sie bloß hell
Das ist eben alles eine Ansichtssache
Und darum ist es deine, doch wenn ich sie zu meiner mache
würde ich sagen: "Das Glas ist noch halbvoll."
Du sagst, es sei halbleer? Find ich nicht so toll.


Irgendwo aus einem versteckten Winkel meiner Erinnerung gekramt. Wird schon seinen Grund haben, daß es ausgerechnet jetzt zum Vorschein kommt.

Im Traum

18 07 2005

Der rote Mond, der hinter Schleierwolken steht,
beleuchtet einen Pfad in dunklen Gärten;
ein Schatten folgt darauf geheimnisvollen Fährten,
wo sich im Wind ein Purpurschleier dreht.
Ein stummer Schläfer ist darob erwacht,
als silbern Schreie in den Wipfeln zittern,
als alle Hunde in die Lüfte wittern.
Still blühen schwarze Rosen in der Nacht.

Leise hör ich dich rufen

09 07 2005

Leise hör ich dich rufen
in jedem Flüstern und Wehn.
Auf lauter weißen Stufen,
die meine Wünsche sich schufen,
hör ich dein Zu-mir-gehn.

Jetzt weißt du von dem Gefährten,
und daß er dich liebt ... das macht:
es blühen in seinen Gärten
die lang vom Licht gekehrten
Blüten, blühn über Nacht ...


[Rainer Maria Rilke]

Moment

22 05 2005

Atme den Regen, atme das Licht
In dem fallenden Silber ein nasses Gesicht
Den Blick gen Himmel, die Gedanken verlorn
In den Wäldern zu wandern, in die Stille geborn
Die dennoch erfüllt ist von schwebendem Klingen
Vom Rauschen der Wipfel, von traumhaftem Singen
Von huschenden Schatten in den Ästen und Zweigen
Vom Wispern des Winds, von sprechendem Schweigen

[21.05.2005]

Einer von zweien

05 05 2005

In meinem Gedächtnis wohnst du
Mein Leib ist dein Haus
Mir aus den Augen siehst du den Frühling
Noch immer die rote Kastanie.

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Ein Liebeslied

04 05 2005

Komm zu mir in der Nacht - wir schlafen engverschlungen.
Müde bin ich sehr, vom Wachen einsam.
Ein fremder Vogel hat in dunkler Frühe schon gesungen,
Als noch mein Traum mit sich und mir gerungen.

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Mittags

04 05 2005

Mittags, bei
Sekundengeflirr,
im Rundgräberschatten, in meinen
gekammerten Schmerz
- mit dir, Herbeigeschwiegene, lebt ich

zwei Tage in Rom
von Ocker und Rot -
kommst du, ich liege schon da,
hell durch die Türen geglitten, waagrecht-:

es werden die Arme sichtbar, die dich umschlingen, nur sie.
Soviel Geheimnis bot ich noch auf, trotz allem.


[Paul Celan]

Das Grauen

04 05 2005

Ich sah mich durch verlaßne Räume gehn.
Die Sterne tanzten irr auf blauem Grunde,
Und auf den Feldern heulten laut die Hunde,
Und in den Wipfeln wühlte wild der Föhn.

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