Bereits im
vergangenen Jahr war ich auf einem genialen
Kraan-Gig in der
Harmonie in Bonn. Dieses Mal habe ich nur durch einen reinen Zufall davon erfahren, daß sie wieder auftreten: die Königin sah ein entsprechendes Plakat auf einem Spaziergang durch Endenich und simste mir die Information nach Lübeck.
Für eine Vorbestellung war es längst zu spät, also verließen wir uns darauf, daß an der Abendkasse noch genügend Karten erhältlich sein würden und waren vorsichtshalber rechtzeitig vor Ort. Der Eintrittspreis war fair, und freie Plätze fanden sich noch auf der Empore. Von dort hatte man außerdem einen guten Blick auf die Bühne.
Normalerweise stehe ich auf Konzerten lieber, weil ich mich zu der Musik bewegen möchte. Nicht nur wegen der Länge ihres Auftritts war ich diesmal jedoch froh, dabei sitzen zu können. Dadurch konnte ich
Hellmut Hattler besser am Baß beobachten. Außerdem spielen sie eine Musik, bei der man sich gut und gerne auch einmal zurücklehnen und die Augen schließen möchte. Wenn es einen Soundtrack zum Drogenrausch für mich gäbe, Horrortrips einmal ausgenommen, dann stammte er definitiv von
Kraan.
War im vergangenen Jahr noch Ingo Bischof an den Keyboards mit von der Partie, besteht die derzeitige Besetzung aus dem Trio Jan Fride und Peter Wolbrandt sowie Hellmut Hattler. Angekündigt als das erste einer Reihe von nur fünf Konzerten, sieht es nach dem
aktuellen Terminplan jedoch eher so aus, als sei dies der Auftakt einer kleinen Tournee gewesen.
Ihr Zusammenspiel war wie zu erwarten routiniert und professionell, und was den Sound angeht, werde ich ihn gar nicht erst beschreiben, sondern möchte unbedingt das Hereinhören in das letzte Album "Psychedelic Man" empfehlen. Live sind Kraan jedenfalls immer wieder ein Erlebnis; vor allem Hattler, die coole Sau. Im Vergleich zum Auftritt vom vorigen Jahr, bei dem er für mich etwas abweisend, arrogant und mit Starallüren herüberkam, wirkte er diesmal deutlich gelöster, locker und humorvoll. Spieltechnisch wirklich ein Ausnahme-Bassist in meinen Augen.
Nach ihren Bemerkungen zu urteilen, blieb auch die Königin diesmal nicht ganz unbeteiligt. Da er die Ansagen übernahm, meinte sie feststellen zu können, daß Hattler dabei schüchtern wirke und erst hinter seinem Instrument voll auflebe. Mich hingegen hatte er bei einer Feststellung nach dem Gig, als er sagte, daß es je eine CD und eine DVD von "Psychedelic Man" gäbe, und trocken hinzufügte: "Die CD reicht vollkommen aus."
Das Album stammt bereits vom vergangenen Jahr. Damals war es mir die Sache nicht wert, obwohl sein Preis fair ist. Das lag und liegt weniger an der Musik, sondern daran, daß ich mich seit vielen Jahren in Kaufabstinenz übe, was Produkte der Musikindustrie betrifft. Die großen Label haben bereits übergenug an mir verdient. Was die allenfalls noch verdienen, sind beidhändig ausgeführte Stinkefinger.
Diesmal nahm ich die CD allerdings mit mit, denn die Künstler selbst können schließlich nichts für die Aktionen der Majors. Nach zwei Konzerten, auf denen ich jeweils gut unterhalten wurde, fand ich den Kauf außerdem mehr als angemessen. Und ich habe es nicht bereut, denn das Album geht bei mir gerade heftig in die Feierabend-Rotation.