Kontaktaufnahme mit dem Formatechaos
02 01 2010Wenn ich geahnt hätte, wie schwierig es ist, eine brauchbare, freie Videokonvertierungs- und Schnittsoftware zu finden, dann hätte ich von vorneherein darauf verzichtet, den Aufwand für die Erzeugung dieses billigen, kleinen Filmschnipsels zu betreiben.
Im Ernst, gibt es 2010 immer noch keine Komplettprogramme, die solch simple Aufgaben wie das Schneiden eines Videos und die anschließende Umwandlung in ein beliebiges Zielformat für den Anwender transparent erledigen können? Ohne großartige vorherige Einstellungsorgien und die Voraussetzung, daß man darüber zuallererst zum Formatspezialisten und Filmprofi mutieren muß? Fast kann ich es mir nicht vorstellen.
Im allgemeinen bin ich recht technikaffin. Es gibt aber einige Anwendungsfälle, bei denen ich möchte, daß die Aufgabe möglichst schnell erledigt ist und der Ablauf für mich simpel vonstatten geht. Mich interessiert dabei nicht, in welchem - vermutlich proprietären - Drecksformat meine Kamera ihr Bildmaterial speichert. Und auch nicht, welches andere, vermutlich nicht hundertprozentig kompatible Format irgendein xbeliebiges Stück Software für die Bearbeitung oder Darstellung meines Bildmaterials als Input erwartet. Und auf eine Netzverbindung für irgendwelche Online-Geschichten will ich erst recht nicht angewiesen sein. Meine Filme will ich überall und jederzeit bearbeiten können. Also lokal. Punkt. Und offline. Doppelpunkt:
Ich will eine Videodatei nehmen und auf eine Software werfen können, und die ermöglicht mir dann, dieses Bildmaterial zu schneiden. Dazu muß es natürlich gleichzeitig abspielbar sein. Anschließend will ich den fertigen Film in einem möglichst massentauglichen Format speichern können. Im Idealfall dabei selbstredend ohne Qualitätsverlust. So daß, wenn ich diesen Film Tante Marta per Mailanhang oder als Datei auf einem Datenträger zukommen lasse, diese per Mausklick meine Künste als Regisseur bewundern kann, weil ihr Standard-0815-Videoabspielprogramm damit umzugehen weiß.
Damit dürfte klar werden, daß auch ein paar andere Dinge überhaupt gar nicht gehen. Zum Beispiel, daß ich irgendeinem Hersteller eines Stücks proprietärer Software, deren Qualität ich vor dem Ausprobieren logischerweise noch gar nicht einschätzen kann, zunächst mal die Farbe meiner Unterhose und die Höhe meines Gehaltes nennen muß, bevor mir gnädigerweise erlaubt wird, eine 10-Tage-Testversion seines Produktes herunterzuladen. Äh, hallo?
Also: Accounterstellungszwang beim Anbieter = kein Interesse und garantiert kein Kauf.
Ebensowenig will ich einen Kredit aufnehmen müssen, um besagtes Stück Software käuflich erwerben zu können. Meine Kamera ist ein simples Consumer-Produkt. Ihr Preis bewegt sich in einem niedrigen dreistelligen Bereich. Da bin ich nicht bereit, eine vierstellige Summe auszugeben, um von einem fingernagelgroßen Sensor erzeugtes grisseliges Bildmaterial weiterverarbeiten zu können. Wenn ich richtig filmen will, kaufe ich mir so etwas ähnliches wie eine PMW-EX1.
Also: Die Kosten für das Schnittprogramm - wenn überhaupt dabei welche entstehen - dürfen sich maximal im niedrigen zweistelligen Rahmen bewegen.
Geht das? Gibt es das? Hey Leute, wir haben 2010! Wir haben tolle Computer! Und jede Menge Rechenpower. Nur an der Kompatibilität und Nutzbarkeit diverser Softwareprodukte und damit verbundener Arbeitsabläufe scheint es immer noch gewaltig zu hapern. Nicht nur auf diesem weiten Feld, das mir im Augenblick eher wie eine ziemlich große Wüste vorkommt.
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Kategorien : Computerwelt, Filmwelt
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